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Flora des ^uadergeMrges
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in der Gebend um
Dresden und Dippoldiswalde,
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meist noch nicht oder wenig bekannte
fossile Pflanzen.
Von
Ernst von Otto,
Ehrenmitglied der natur forschenden Gesellschaft ..Isisâ in Dresden.
Mit 7 Stmidruck- Ta fein.
StypnlMsmalk , Mrrlag mm Carl Srljitr.
ln Commission der F. W. Goedscheâschen Buchhandlung- (0. Fr. Goedsche)
in Meissen.
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Flor« des tyuadergeMrges
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in der (hegend um
Dresden und Dippoldiswalde,
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mei«t noch nicht oder wenis behaiinte
fossile Pflanzen.
Von
Ehrenmitglied der
Ernst von Otto,
naturforschenden Gesellschalt âIsisâ in Dresden.
BipjinllfiĂUiĂlilE , âgering imn tCnrl Mjiit.
ln Commission der F. W. Goedscheâschen Buchhandlung (ĂŒ. Fr. Goedsche)
in Meissen.
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Ich will Dir meine SchÀtze bieten,
Sei meine Freundin Du!
Scliillc k i*.
Wie das GlĂŒck zur Weisheit sprach, spreche ich jetzt zu
Ihnen, verehrte Meister in der Petrefactenkunde! Was das GlĂŒck
mich finden liess, will ich der Wissenschaft nicht vorenthalten,
sondern reiche es ihr in Ihnen hier dar und bitte Sie, seien Sie
meine Freunde, belehren Sic mich liebevoll, wo ich irrte und
genehmigen Sie die Versicherung, dass ich mich Ihnen nur mit
Bangen nahe, da ich wohl weiss, ich bin nur noch Lehrling
in der PalÀontologie, wenn auch sonst ein alter Knabe.
Die freundliche Aufmunterung meiner sehr geehrten Freunde,
besonders die der Herren Professor Dr. Geinitz und Oberst-
leutnant von Gut bi er in Dresden, sowie die ziemlich gewisse
Vermuthung, dass mit mehrern hier folgenden ganz identische
Vorkommnisse noch nicht beschrieben und abgebildet wurden,
gaben mir den Muth, diese BlÀtter erscheinen zu lassen und
mich dadurch auf das Glatteis der PublicitÀt zu wagen.
Erlaubte ich mir aber auch, hier Abbildungen einiger schon
bekannter fossiler Pflanzen zu geben, so geschah dies nur, weil die
Originale schöne, deutliche und merkwĂŒrdige Exemplare waren
und weil ich glaubte, es wĂŒrde dem palĂ€ontologischen Publicum
hinsichtlich comparativer Begutachtung nicht unlieb, der Wissen-
schaft nicht ganz unnĂŒtz sein, wenn ich die bildliche Darstel-
lung und die nÀhere Beschreibung dieser meiner Exemplare
zur Oeffentlichkeit brÀchte.
Veröffentlichung aller neuen Funde ist wohl das beste Mittel,
die Nomenclatur in der Petrefactenkunde zu vereinfachen, die
beste Abwehr vor der störenden Eitelkeit Vieler, welche, um
die PaternitÀt zu usurpiren, aus jeder VarietÀt eine neue Species
bilden, vor der verzeihlichen TĂ€uschung Mancher, die, ohne im
Geringsten eitel zu sein, zufÀllige Bildungen, anorganische Con-
eretionen fĂŒr Petrefacten halten, weil ihnen die belehrende Zu-
rechtweisung sachkundiger MĂ€nner fehlte. Jede freundliche Wi-
derlegung einer von mir in diesen BlÀttern aufgestellten Hypothese
werde ich ohne Murren aufnehmen, jeder mir nachgewiesenen
PrioritÀt willig weichen, denn ich will hier mittheilend lernen.
Das so geĂŒbte und erfahrene Auge meines lieben Freundes,
des Prof. Dr. Geinitz, hat mich schon ĂŒber so manche TĂ€u-
schung aufgeklÀrt und alle die hier abgebildeten Fossilien viel-
mals gesehen, desshalb können die geehrten Leser sicher sein,
dass ich ihnen keine zufĂ€lligen Bildungen vorfĂŒhre.
Auch fand ich von den hier zu beschreibenden fossilen
Resten immer wieder an demselben Fundorte, oft nach sehr
langen Intervallen, folglich in neu angebrochenen BĂ€nken nnd
Schichten, ganz den frĂŒhem identische Exemplare, was bei Na-
turspielen und anorganischen Concretionen wohl nicht der Fall
sein dĂŒrfte.
Die zu diesen BlÀttern gegebenen Abbildungen sind von
Herrn Seybicke in Dresden den Originalen ganz getreu gezeich-
net, und von Herrn Assmann in Dresden auf den Stein sorg-
fĂ€ltig ĂŒbergetragen worden. Die Leistungen beider Herren sind
bereits so bekannt, dass ich sie zu loben nicht nötliig habe.
Nehmen Sie, verehrte KoryphÀen in der PalÀontologie! die-
sen Erstling meines Studium gĂŒtig auf und glauben Sie, nicht
Eitelkeit, nur Liebe zur Wissenschaft gab ihm das Leben.
Beurtheilen Sie meine Arbeit mit Nachsicht und bedenken
Sie, dass ich erst vor sechs Jahren anfing, mich mit Geognosie,
Geologie und PalÀontologie zu beschÀftigen, und dass ich mich
dem Studium dieser Wissenschaften nur in den Stunden wid-
men kann, welche mir meine BerufsgeschÀfte frei lassen.
Possendorf bei Dresden, im Februar 1852.
Ernst r. Otto.
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4
w ie das Auge des fĂŒhlenden und fĂŒr Naturschön heilen empfĂ€nglichen
Menschen, welcher die Gegend von Dresden nach Dippoldiswalde durch-
wandert, stets durch die herrlichsten Fernsichten bezaubert und durch die
immerwĂ€hrende Abwechselung derselben ĂŒberrascht wird, so findet auch auf
dieser Tour der denkende und sich fĂŒr Geognosie und Petrefactenkunde in-
teressirende Mann stets neue Ueberraschung durch die schroffe Abwechse-
lung der verschiedenen Gebirgs-Gruppen und Formationen, und immer neuen
Stoff fĂŒr sein Nachdenken ĂŒber die Vorwelt dieser Gegend. Am grellsten
ist die Abwechselung derselben um den GohUgberg, die weit bekannte und
ihrer schönen Aussicht wegen so beliebte goldene Höhe, herum.
NĂ€hert sich der Wanderer derselben, erblickt er die petrefactenreichen
QuadersandsteinbrĂŒche von Bannewitz, Welschhufe, Rippien, hat er die
freundliche Restauration der Höhe verlassen und wenige Hundert Schritte
gethan, fĂŒhrt ihn der Fufsfteig durch einen Bruch von eruptivem jĂŒngsten
Porphyr, und nach Verlauf von wieder wenigen Minuten steht er vor dem
Schacht- und Maschinen-GebÀude des IlÀhnichener Steinkohlenwerkes , sieht
die schwarzen Gaben der Teufe, und kann, trifft er es gĂŒnstig, auf den
Halden manche vor weltliche Pflanze im Abdruck finden. Von da empfÀngt
ihn das Rothliegende und er durchwandert es bis an die Dippoldiswaldaer
Haide, in welcher er wieder in steter Abwechselung Gneis und Quader-
sandstein findet.
Die Ausbeute an Kohlenpflanzen in HĂ€hnichen ist bei dem so jungen
Werke noch eine sehr unbedeutende und lieferte bis jetzt nur Bekanntes,
eben so hat das Rothliegende hiesiger Gegend, ausser einigen schön cha-
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1
2
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racterisirenden verkiesetten Blöcken von Coniferen und einem Psaronius
noch sehr wenig gegeben.
Desto reichlicher spendet das hiesige Quadergebirge seine vorweltlichen
SchÀtze, darunter so manches Interessante an fossilen Pflanzen, deren Be-
schreibung diese BlÀtter gewidmet sind.
UeberflĂŒssig wĂ€re es wohl, wollte ich hier den untern Quadersandstein
und den PlÀnersandstein der Gegend von Dresden bis Dippoldiswalde be-
schreiben, da diess ja schon, besonders vom Professor Dr. Geinitz , in seiner
â Characteristik, â seinem â Quadersandsteingebirge in Deutschland â und in
seinem âQuadergebirge in Sachsenâ (gekrönte Preisschrift), geschah.
Da ich aber die meisten hier zu beschreibenden fossilen Pflanzenreste
in dem Wolf sehen Quadersandsteinbruche zu Wendischcarsdorf auffand
und dieser Bruch viel EigentĂŒmliches hat, erlaube ich mir, eine specielle
Schilderung desselben zu geben.
Er liegt sĂŒdlich von Wendischcarsdorf und grenzt an die Dippoldis-
waldaer Haide.
Sein Stein ist unterer Quadersandstein von ziemlich grobkörniger Be-
schaffenheit, wefshalb er sich auch nicht zu feinen Steinmetzarbeiten eignet.
Wir finden hier mehrere Schichten oder BĂ€nke, welche theils durch
gröbere oder feinere Quarzkörner, theils durch ihre FÀrbung verschieden
sind und wovon nicht alle zu WerkstĂŒcken gebraucht werden können.
Seine oberste Schicht, der sogenannte Oberschalstein, wird nur zu
Hurzeln benutzt, ist durch Eisenoxyd orange gefÀrbt und gab uns die
Spongia Ottoi Geinitz (abgebildet und beschrieben in Geinitz Quadersand-
steingebirge in Deutschland 1849, Taf. XII., Fig. 6 und 7), eine Alge ,
Keckia nodulosa mihi , den Querbruch einer Zapfenfrucht, einige Holz-
abdrĂŒcke und zwei verkieselte Hölzer.
Die folgenden BÀnke, der Mittelstem genannt, sind weiss, grobkörnig,
hier und da breccienartig durch haselnussgrosse Quarzkörner, lassen sich
gut spalten und liefern WerkstĂŒcke.
In ihnen finden sich gar keine organischen Beste, ja es fehlt in ihnen,
wie in dem ganzen Bruche, sogar die Spongia saxonica Geinitz , welche
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man sonst nicht leicht in einem Quaderbruche der hiesigen Gegend ver-
misst.
Die vorletzte Schicht, weiss, auch gelblich und durch viele orange-
farbene Streifen und Flecke ausgezeichnet, wird wie obige benutzt.
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In ihr entdeckte ioh zwei Algen, Keckia cylindrica mihi , und Keckia
vesiculosa mihi.
Unter ihr liegt die letzte Dank, welche man gewöhnlich nicht aufhebt,
um die Sohle des Bruches trocken zu halten, da die letzte Bank eine
Lettenschicht ĂŒberlagert. Bisher hat man die Lettenschicht noch nicht
durchsunken, desshalb steht es nur zu vermuthen, dass der Quader dieses
Bruches, wie der von Paulsdorf und Paulshayn bei Dippoldiswalde , eben-
falls auf Gneis ruht.
4
MerkwĂŒrdig ist es, dass sich in diesem so gerĂ€umigen und mĂ€chtigen
Bruche bis jetzt auch nicht die geringste Spur von antediluvianischen Meer-
bewohnern wahrnehinen liess, da doch in allen nicht fernen QuaderbrĂŒchen
sich AbdrĂŒcke und Steinkerne von Ostreen, Ino cer amen, Pectiniden, Hip -
puriten u. s. w. in grosser Menge linden lassen.
Aus diesem Grunde drĂ€ngt sich uns unwillkĂŒrlich die Vermuthung auf,
dass auch hier einst die KĂŒste des Festlandes nicht fern war, dass die an
die KĂŒste an- und zurĂŒckschlagende tosende Brandung die Mollusken zu
sehr beunruhigte, oder dass sie vielleicht von hier durch das MĂŒnden eines
Flusses und das dadurch einströmende SĂŒsswasser, welches ihrer Natur
nicht behagen konnte, weiter in das Quadermeer hineingetrieben wurden.
Auch die hier gefundenen Holzreste, zwei ganz silicirte StĂŒcken Holz,
Palmacites Ă€hnlich, und die Zapfenfrucht sprechen fĂŒr die damalige NĂ€he
des Ufers, oder fĂŒr das Einströmen eines Flusses an dieser Stelle in das
frĂŒhere Quadermeer.
Hier kann icli den von dem Wolf sehen Bruche nur eine Viertelstunde
östlich entfernten Quaderbruch von OberhÀselich nicht unerwÀhnt lassen,
weil er eine zu reiche Fundgrube fĂŒr die PalĂ€ontologie war. Leider liegt
er jetzt.
Er lieferte unzÀhlige Petrefacten von ganz verschiedenen Geschlechtern
und Gattungen, nÀmlich von Anneliden 1 Art, von Gasteropoden 2 Arten,
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von Acephalen 17 Arten, darunter Pect hi cometa (Janira com.) d'Or-
bigmj, von Hippuriten 2 Arten, von Amorplayzoen 2 Arten,
und da auf einmal dĂŒnne Schnuren, welche wie Metall aus den grossen
Gebilden geflossen zu sein schienen.
Ohnstreitig entstanden sie nach Abfluss des Quadermeeres durch Luft
und Sonnenhitze, und es schrumpfte durch diese die nasse oberste Schicht
M e c k i as st, 11 11 11 1 a t a («locker.
Act. Leopold. XIX. 2. Suppl. p. 319 tob. 4.
Ln einem Quadersandsteinbruche von Malter bei Dippoldiswalde fand
ich die aut Taf. I. in natĂŒrlicher Grösse abgebildete Platte, und Prof. Dr.
Geinitz erkannte die auf derselben sichtbaren fossilen Pflanzenreste fĂŒr
Keckia annulata G locker, fĂŒhrte sie auch als solche in seinem Quader-
sandsteingebirge S. 266 auf.
Da mir Glockers Tafel und Diagnose noch nicht zur Einsicht wurden,
folge ich nur der eben genannten AutoritÀt und gebe die getreue Abbildung
dieses seltenen Petrefactes.
Der mit a. bezeichnete Ausgang eines Zweiges endet in einen abwÀrts
spiral gewundenen Knopf; wahrscheinlich war dieser Zweig noch in der
Entwickelung seiner Spitze begriffen. Die spirale Windung des Zweiges
konnte auf der Abbildung nicht bemerkt werden, da man sie nur von der
Seite sieht. Unter b. finden wir Vertiefungen, die jedenfalls von verloren
gegangenen blattĂ€hnlichen Zweigen herrĂŒhren, da sie unmittelbar von den f
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1 laupt zweigen ausgehen. MerkwĂŒrdig ist auch die Endforin der vier nicht
abgebrochenen Zweige, denn sie gleicht einem halben verschobenen Sechseck.
Das Original befindet sich in meiner Sammlung.
Heckia cyliiidrica inilii.
aus dem untern Quadersandstein von Wendischcarsdorf.
Tal. 11., Taf. III., Tal. IV. Ii». 3.
Von einem breiten Stiele auslaufende, runde, wurmförmig gestaltete
Aeste, welche, vier- bis sechsmal spitzwinkelig gabelnd, sich meist in Spitzen
enden. Sie erlangen nur die StÀrke eines Schwanenfederkieles und haben
auf der einen Seite (wahrscheinlich auch auf der gegenĂŒberliegenden) ihrer
OberflÀche rundliche Quernarben , welche in ziemlich regelmÀssiger Entfer-
nung von einander stehen und zur Befestigung der SeitenÀste gedient haben
mögen nach Art des Fucus nodosus , welchen Göppert in Nov. Act. Leo-
pold. 1842. XIX. 2. tab. 48 abbildet.
Prof. Dr. Geinitz nahm diese meine Diagnose bereits gefÀlligst in
seinem âQuadersandsteingebirgeâ S. 266 auf; doch gab ich sie hier wieder,
weil vielleicht nicht jedem Leser dieser BlÀtter das so gediegene Buch zur
Hand ist.
Wer unsre Tafel II. sieht, wird sich auch gleich ĂŒberzeugen, dass das
dort abgebildete Fossil wirklich organischen Ursprungs und nicht nur eine
zufĂ€llige Bildung ist. Es spricht dafĂŒr nicht nur sein wiederholtes gleich-
förmiges Vorkommen, sondern auch sein ganzer Habitus, besonders aber das
fast regelmÀssige Auftreten der vermeintlichen Laub- oder AstansÀtze.
Von einer Alge stammt es nun wohl unbestritten her, denn seine grosse
Aehnlichkeit mit jetzt noch lebenden Algen lÀsst diese Vermuthung last zur
Gewissheit werden.
Prof. Dr. Geinitz sagt in seinem â Quader sands teingebirge â S. 266,
es scheine ihm Keck in cylindrica mihi von Ualymenites cylindricus Stern-
berg nicht verschieden zu sein, doch bin ich darin nicht seiner Ansicht.
9
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Nicht etwa, um nicht des kleinen Verdienstes, dieses fossile Vegetabil
zuerst gefunden zu haben, verlustig zu werden, sondern lediglich, weil ich
an Halymenites cylindricus auf Taf. XL VIII. Fig. I. der Flora der Vor-
welt von Sternberg, 1825, die LaubansÀtze, die wurmförmige Biegung und
die Stellung der Zweige vermisse, welche der Keckia cylindrica mihi auf
allen Exemplaren eigen sind.
Eher finde ich Aehnlichkeit zwischen den Endspitzen meiner Keckia
cylindrica und dem Fossil aus Hab eischwer dt , welches in den Act. Leop.
Vol. XIX. p. II. unter Fig. 2 auf Taf. XLIX. abgebildet ist; doch fehlen
auch diesem die rundlichen Quernarben.
Die Basis unsers Fossiles auf unserer Taf. II. gleicht ganz der des
Fucus nodosus auf tab. XL VIII. der Act. Leop. V. XIX. p. II. aus Stak -
houses Ner . britannica.
Die peitschenartigen Zweige unsers Fossiles mĂŒssen sehr lang gewesen
sein, denn ohnstreitig gehörten die Zweige Taf. II. sub b. zu dem Haupt-
stock a., und die sub c. zurĂŒckgebogenen Spitzen mochten wohl die Fort-
setzungen der Zweige sub b. sein, ihre Verbindung ging aber mit dem bei
d. fehlenden StĂŒck Stein verloren. WĂ€re diese meine wahrscheinliche Ver-
muthung begrĂŒndet, hĂ€tten diese Zweige eine LĂ€nge von circa 3' gehabt.
Das Original der Abbildung auf unserer Taf. II. befindet sich in mei-
ner Sammlung, ein zweites verehrte ich meinem Freunde, Prof. Dr. Geinitz,
ein drittes dem königl. Mineralien-Cabinet in Dresden. Letztere, wenn auch
nicht so vollkommen, wie das abgebildete, bezeichnen doch den Habitus die-
ser netten Alge sehr gut. Auf einem vierten Exemplare, in meinem Besitz,
fehlt der untere Theil, und man sieht an ihm nur fĂŒnf, circa 15" lange,
sich schlÀngelnd und fÀcherartig ausbreitende Endspitzen.
4
Fig. 2 Taf. IV. scheint mir auch hierher zu gehören und die Frucht
tragende Spitze eines Hauptzweiges zu sein. Die rundlichen Quernarben
vermisse ich an ihm. Auch dieses StĂŒck gehört meiner Sammlung.
Als der Quader sich ablagerte, mag seine Last wohl die zarten Algen-
ranken zerrissen haben, desshalb fand ich ausser den genannten fĂŒnf ziem-
lich completten, wenigstens doch sehr characterisirenden, Exemplaren, immer
mir einzelne Zweige, doch fehlen auch diesen sehr selten nur die Laub-
oder AstansÀtze.
Die auf Taf. III. abgebildeten Pflanzenreste konnten wegen Grösse
der sie tragenden Quaderplatte nur im verjĂŒngten Maasstabe wiedergegeben
werden. Sie sind um 1 verkleinert.
Jedenfalls sind es auch Reste von Algen und können leicht zu Keckia
cyiindrica m. gehören. Da sie aber zu sehr gedrĂŒckt und verbogen sind,
und dadurch breiter und unförmlicher wurden, auch die Zweig- oder Laub-
ansĂ€tze uns nicht erblicken lassen, lĂ€sst sich Bestimmtes darĂŒber nicht
sagen.
Fig. 1 und 2 haben ganz den Habitus der Keckia cylindrica und auch
ihre spitzwinkelige Gabelung. Fig. 3 und 4 sind von oben zusammengedr uckt?
wodurch ihnen die Sternform wurde.
Die mit kleinen Strichen bezeiehneten Stellen, ausgehöhlte GrĂŒbchen,
lassen vermuthen , dass die in ihnen befindlich gewesenen Zweige eine cv-
lindrische Form hatten, ehe sie vergraben wurden.
Ihre merkwĂŒrdigen, Hieroglyphen Ă€hnlichen, Figuren, welche durch die
Zusammenquetschung entstanden, veranlafsten mich, sie auf Taf. III. den
Augen des palĂ€ontologischen Publicum vorzufĂŒhren.
Auch dieser Platte Fundort ist der Wolf' sehe Quaderbruch in Wen-
dischcarsdorf bei Dippoldiswalde; auch sie schmĂŒckt mein Cabinet.
Wie noch heut zu Tage unzÀhlige Klöder- und Fucus-Arten in der
Nord- und Ostsee neben einander leben, sich durch Zweige, Aeste und
BlÀtter sehr Àhneln, durch ihre Fructification aber unterscheiden, war es
wohl auch möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass im einstigen Quadermeere
auch mehrere Genera und Species von Algen neben einander wuchsen.
Da ich nun mehrere sehr verschieden geformte Fucoiden, und zwar
jede Form in mehreren sich gleichenden Exemplaren, in dem untern Quader-
sandstein von Wendischcarsdorf auffand, wird man es wohl nicht fĂŒr Ma-
nie, immer Neues und Verschiedenartiges herauszugrĂŒbeln, halten, wenn ich
diese fossilen Reste zwar nicht generell , doch speciell so lange von einan-
der trenne, bis sich gewiss herausgestellt hat, sie gehören alle einer und der-
selben Species an.
Wohl ist es möglich, dass die nun zu beschreibenden und auf unsern
Tafeln IV. und V. abgebildeten Algen VarietĂ€ten, oder FrĂŒchte tragende
Endzweige, oder verkrĂŒppelte Aeste von Keckia cylindrica m. waren, doch
muss ich das vor der Hand noch bezweifeln, da sie in Zweigung und End-
form zu sehr von dieser differiren, auch nicht eine Spur von den rundlichen
Narben dieser zeigen.
Da auf allen bisher gefundenen Exemplaren der nun folgenden beiden
Algen kein Zweig lÀnger als 3" ist, scheinen es kurze GewÀchse gewesen
zu sein, wÀhrend Keckia cylindrica m., w ie die Tafeln II. und III. zeigen,
lange, peitschenartige Zweige hatte ; oder sie w aren einst End- oder Seiten-
zweige der letztgenannten und standen vielleicht in den AstansÀtzen der-
selben.
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keckia vesiculosa mihi.
aus dem untern Quadersandstein von Wendischcarsdorf.
Taf. IV. JFi^. i.
Aus einem aufwĂ€rts sich verdĂŒnnenden StĂ€ngel sprossen, wahrscheinlich
auf allen Seiten, je zwei einander gegenĂŒber stehende, 1 bis 3" lange, ge-
drĂŒckte, blattĂ€hnliche, schmale Aeste. Am obern Ăritttheil des StĂ€ngels
erblickt man fruchtÀhnliche, oblonge, 3 / 4 " hohe Knoten und weiter unten
blasenĂ€hnliche Wulste, welche so wie die Knoten durch dĂŒnne Stielchen
an dem StÀngel hÀngen.
Auch dieses fossile Vegetabil erinnert uns lebhaft an den schon er-
â wĂ€hnten und aus Stakhouses Nerei.s hritannica entnommenen Fucus no-
dosus , besonders wegen der von dem HauptstÀngel ausgehenden und die
Knoten und Blasen tragenden Stielchen. Die knotigen Anschw ellungen aber
an dem HauptstÀngel jenes Fucus nodosus fehlen an unserm Fossil sub
a., scheinen aber an dem zweiten Aste sub h. vorhanden zu sein. Leider
ist der zuletzt genannte Ast nicht so deutlich, als der sub a.
Das Original dieser Figur 2. ist ebenfalls mein Eigenthum.
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I4e<*kia nodiilosa mihi.
aus dein untern Quadersandstein von Wendisch carsd o rf
Taf. IV. Wig. », « Mud I.
Von einem kurzen Stiele breiten sich straussförmig 1 4 bis 1 2 " starke,
meist gedrĂŒckte Stiele aus, welche eine LĂ€nge von 1 bis 2" haben und
sich dann in fruchtÀhnliche Knoten enden. Diese Knoten sind von sehr ver-
schiedener, höckeriger, weniger runder Form und mögen wohl Samen-
behÀlter gewesen sein.
Das rauhe Aeussere dieses Fossiles, welches aber auch von dem groben
Korn des Sandsteines herrĂŒhren kann, veranlasste mich erst, dasselbe fĂŒr
eine Spongia zu halten, um so mehr, da es sehr kurz gewesen zu sein
scheint und die noch lebenden Algen meist eine bedeutende LĂ€nge erreichen.
Herr Prof. Dr . Göppert in Breslau war aber in einer vertraulichen
Auslassung andrer Ansicht, wesshalb ich dasselbe nun zu den Algen ordne.
Von diesem fossilen Vegetabil besitze ich ausser den drei hier abgebildeten
Exemplaren noch zwei minder deutliche und verschenkte noch zwei andre
an das königl. Mineralien-Cabinet in Dresden und eins an meinen lieben
Freund Geinitz.
Acht sich gleichende Exemplare nun heben wohl die BefĂŒrchtung, dass
diese Körper zufÀllige Bildungen sein könnten.
Patmacites (?)
aus dem untern Quader von Wendischcarsdorf.
Taf. IV. Wig. 4 und 5.
Palmacites varians Corda in Reuss II. p. 8S.
Fasciculis lignosis tenuihus suhdistantibus, horizontaliter sectis ovoideis
vel rotundatis ; vasis excentricis binis vel gregariis, rotundis vel angulatis,
rarius minoribus mixtis vel circumdatis ; cellulis libri coloratis; parenchg-
unate spurio , cellulis oblongis minutis tenuibus.
3
10
In einer mit losem Sand erfĂŒllten Höhlung des Oberschalsteines obigen
Steinbruches fand ich dieses merkwĂŒrdige StĂŒck verkie selten Holzes. Fig. 4
auf Taf. IV. giebt in natĂŒrlicher Grösse seine Aussenseite und Fig. 5 sei-
nen Querschnitt, welcher glatt geschliffen und mit Tischlerpolitur polirt wurde.
Seine Farbe ist dunkelaschgrau, stellenweise durch Eisenoxyd rothbraun und,
durch in wahrscheinlich frĂŒher ausgefaulte Spalten eingedrungenen Quader-
sand, gelblich weiss. Das StĂŒck ist entrindet. Schon mit blossem Auge
erkennt man noch hier und da auf der AussenflÀche die lichter gefÀrbten
GefĂ€ssbĂŒndel, durch die Loupe aber noch deutlicher. Sie gleichen haarfeinen,
ein wenig wellenförmig gebogenen Strichen.
Der polirte Querschnitt lĂ€sst sie mit HĂŒlfe der Loupe an einigen Stellen,
Fig. 5. b ., als lichtere, rundliche, haarstarke Punkte sehen und als den Durch-
schnitt der perpendiculĂ€ren aussen sichtbaren GefĂ€ssbĂŒndel erkennen. Sie
sind meist rund. Es fehlen auf dem Querschnitt auch nicht frĂŒhere ausge-
faulte und mit Sand ausgefĂŒllte FlĂ€chen. Allerdings sind meine Beobach-
tungen nur die Resultate der Beschauungen mit dem unbewaffneten Auge
und mit HĂŒlfe der Loupe, da ich keine mikroskopischen Untersuchungen
an stellen konnte.
Ist dieses merkwĂŒrdige StĂŒck nun auch nicht identisch mit Palmacites
varians Cor da, welches in Reuss II. pag. 87 beschrieben und auf Taf.
XI A 7 II. Fig. 7 und 8 abgebildet ist, so ist es ihm doch sehr Àhnlich, wess-
halb ich ihm die Benennung Palmacites , jedoch mit einem ? zu geben mir
erlaubte.
Mein sehr geehrter Freund Herr Oberstleutnant v. Gutbier hielt es
eher fĂŒr einen Porosus und glaubte, es sei, als Geschiebe des Rothliegenden,
in das spÀtere Quadermeer gerollt und dort in dessen Sandschlamme ver-
graben worden. Doch gleicht es keinem meiner verschiedenen Exemplare
von Porosus , eben so wenig einem Porosus aus Cottas Dendrolithen.
Sein Querschnitt Àhnelt allenfalls dem Mittelpunkt der Fig. 1, Taf. X
in dem eben genannten Werke von Cotta , folglich dem Perfossus angu-
laris Cotta; doch gehört es sicher nicht zu diesem Geschlecht. Uebrigens
hat bei diesem HolzstĂŒck nicht so eine totale Verkieselung stattgefunden,
wie wir sie in den verkieselten Hölzern des Bothliegenden wahrnehmen, wo
auch die frĂŒher ausgefaulten Stellen mit reinem Hornstein oder mit Achat-
inasse u. s, av. aus gefĂŒllt sind. Dies ist, wie schon oben bemerkt, hier
nicht der Fall, sondern es sind alle Stellen, die schon vor der Petrificirung
keine Ilolzstructur mehr hatten, mit kieselreichem Sandstein erfĂŒllt.
Warum sollte es auch nicht möglich sein, dass ein organischer, so po-
röser Körper, wie das Holz, im Quader Sandsteine von KieselsÀure durch-
drungen werde? Besteht der Quadersandstein ausser seinem Bindemittel
nicht aus Kiesel? Kann diesen in dem grossen chemischen Laboratorium, der
Natur, nicht FlufssÀure gelöset und zum Eindringen in die HolzgefÀsse fÀhig
gemacht haben? Ich, fĂŒr meine Person, halte das hier beschriebene StĂŒck
versteinerten Holzes fĂŒr reines Product der Bildung des Quadersandsteines.
Blatt.
Tal*. V. Fig. 3.
Ebenfalls im Wolf sehen Quaderbruch zu WendLschcarsdorf' fand ich
diesen Blattabdruck.
Er ist durch Eisenoxyd braun gefÀrbt, lÀngs gestreift und es sind diese
LÀngsstreifen durch mehrere AbsÀtze quer durchsetzt. Oben ist er aufge-
schlitzt und endet in zwei auseinander gehende Spitzen. Die StÀrke des
diesen Abdruck liefernden Blattes kann nur ein Paar Linien betragen haben,
was daraus erhellet, dass bei a. und b. der Abdruck noch ein wenig durch
Stein verdeckt wird, und der leere Kaum zwischen ersterem und der Decke
nur ein Paar Linien hoch ist. Fig. 7 d. giebt uns den Durchschnitt. Wie
lang dieses Blatt war, ist nicht zu bestimmen, da es bei c. abgebrochen ist.
Die LÀngsstreifung, die QuerabsÀtze, das Enden in zwei Spitzen und
seine geringe StÀrke machen dieses Blatt den fossilen Flabellarien-BlÀttern
Ă€hnlich und ich vermuthe daraus, es könnte von einer Palmen- Art herrĂŒhren.
12
Cfoniferae.
Obschon von den Nadelholzresten in dem Quadersandstein und in dem
PlÀnersandstein der Gegend zwischen Dresden und Dippoldiswalde fast ein-
zig und allein Geinitzia cretacea Endlicher (Sedites Rabenhorsti und
Araucarites Reichenbachi Geinitz , Cryptomeria primaeva Corda in Reuss)
vorkommt, glaube ich doch auch in dem PlÀnersandstein von Rippien neben
der Geinitzia cretacea Endlicher einen Rest anderes Nadelholzes gefunden
zu haben, welches mit Vinns exogyra Corda aus dem Exogyrensandsteine
von Drahomischel in Rohmen wohl identisch sein dĂŒrfte, und ich gebe
desshalb auf Taf. V. die Abbildungen beider von einander so abweichender
Funde aus Rippien.
PrĂŒft man beide Figuren genau, so ergiebt sich sofort in der Grösse
und Biegung der BlÀtter ein Unterschied. Fig. 1, eine echte Geinitzia
cretacea Endlicher aus dem PlÀner Sandstein von Rippien , hat mehr sichel-
förmig gekrĂŒmmte und viel lĂ€ngere BlĂ€tter, (gleich den Figuren 2 und 3
aus dem untern Quadersandstein von Welschhufe) als Fig. 4, ebenfalls aus
dem PlÀnersandstein von Rippien.
Die BlÀtter der Cryptomeria primaeva Corda sind nach Reuss II.
pag. St) nach dem Blattpolster gekielt herablaufend, (diess sehen wir an den
Blattquerschnitten unsrer Fig. 2) ihre Blattpolster lang gezogen und oben
und unten zugespitzt und gekielt; auch diess linden wir an unsrer Fig. 3.
Unsre Figur 4 zeigt uns aber ihre im Quincunx stehenden Blatt-Quer-
schnitte vierkantig und. es bilden dieselben ein eben solches Netz, wie es
uns die Figuren 16 und 17 auf Taf. XL VIII. in Reuss II. sehen lassen.
Betrachten wir die Blattquerschnitte unsrer Fig. 4 mit der Loupe, finden
wir das Contrefait der Fig. 18 der eben genannten Tafel in Reuss , unsre
Fig. 4 b. Nach allen diesen Angaben nun erscheint unsre Fig. 4 ganz
identisch mit den Abbildungen von Vinus exogyra Corda in Reuss.
Sind nun Letztere nicht nur VarietÀten von Geinitzia cretacea End-
licher, sondern wirklich Zweige von einer Vinus- Art, gehört sicher auch
unsre Fig. 4 zu dieser Gattung.
13
Es entsprechen diese meine Vermuthungen auch ganz dein, was Corda
in Reuss von den BlÀttern der Pinus exoyyra und der Cryptomeria pri-
maeva anfĂŒhrt, indem er pag. 91 von Pinus exoyyra
und pag. 89 von Cryptomeria primaeva
â foliis i juinquefdriis , quadranyularibus , subdecurrentibus , falcato-
incurvis, acurn inatis u
Mit den hier nicht sehr seltenen Resten von Geinitzia cretacea End-
licher finden sich dann und wann auch Zapfen, woraus Manche folgern, es
wĂ€ren diese die FrĂŒchte von Geinitzia cretacea Endlicher , welcher Meinung
ich aber hinsichtlich zweier von mir aufgefundener Zapfenfragmente nicht
beistimmen kann. Corda sagt in Heuss II. pag. 89 von Cryptomeria pri-
maeva, welche nach Geinitz mit Geinitzia cretacea identisch ist: âDie
FrĂŒchte bilden kleine, erbsenyrosse, rundlich eiförmiye Zapfen mit star-
ker Rhachis und sparriyer Schuppen, welche terminal stehen u , und giebt
uns das Bild eines solchen Zapfen in Reuss auf Taf. XLYI.II. Fig. fi.
Eben so heisst es auf derselben Seite unter Cryptomeria Don âStrom-
boli solitarii, ylobosi, squarrosi â
Da nun die von mir autgefun denen Zapfen, unsre Taf. V. Fig. 5 und (j,
beiden eben angefĂŒhrten Diagnosen von den FrĂŒchten der Cryptomeria
primaeva Corda nicht entsprechen, mir auch fĂŒr so ein zartes GewĂ€chs,
wie Geinitzia cretacea Endlicher, nach seinen fossilen Resten zu urtheilen
war, viel zu gross erscheinen, halte ich sie fĂŒr die FrĂŒchte eines andern
antediluvianen Nadelholzes.
Viel zu schwach in der vergleichenden Botanik, um sie einem bestimm-
ten Geschleckte zuzĂ€hlen zu können, begnĂŒge ich mich, sie in diesen BlĂ€t-
tern gut abgebildet zu geben und sie nÀher zu bezeichnen.
Fig. 5 Taf. Y. ist ein Zapfenquerbruch aus dem untern Quadersand-
stein aus Wendischcarsdorf. Sein Diameter hÀlt 5 / 8 ", seine Rhachis ist
erhaben, die genarbten Schuppen krĂŒmmen sich aufwĂ€rts und lassen, durch
sagt.
K
14
die Loupe betrachtet, in der NÀhe ihrer Basis Saamenhöhlen erblicken,
welche natĂŒrlich auf der Abbildung nicht getreu wieder gegeben werden
konnten. >
Fig. 6 fand ich in dem FlÀnersandstein von Rippien mit dem Ast
Fig. 4. Dieser Zapfen ist 2" lang und knapp 1" breit und durch Eisenoxyd
braun gefÀrbt. Er scheint vor seiner einstigen Vergrabung in den PlÀner-
sand bereits aufgesprungen gewesen zu sein und sich seines Saamens ent-
ledigt gehabt zu haben. Auch hatte er jedenfalls schon Schuppen verloren,
was die zwei, mit unbewaffnetem Auge erkennbaren, mit der Stellung der
noch vorhandenen Schuppen harmonirenden kleinen Vertiefungen auf der
LÀngsflÀche seiner Rhachis sub c. zu erkennen geben.
Betrachten wir aufgesprungene Zapfen unsrer noch lebenden Coniferen,
finden wir ganz Àhnliche Figuren, wie unsre Fig. 6, nur dass die Schuppen
dieser anders gestaltet sind. Brechen wir behutsam Schuppen aus der
Rhachis hier heimischer Nadelhölzer, z. B. der Pinns sylvestris , gewahren
wir Vertiefungen, in welchen die Schuppen sassen, Àhnlich denen auf unsrer
Fig. 6 sub c.
Die Schuppen unsers Zapfens Àhneln denen der Zapfen aus dem Eisen-
sande von Aachen, welche Göppert in Nov. Act Leopold. Vol. XIX. II.
Taf. 54 Fig. 16 und 17 abbildet, indem auch sie wie jene eine ziemlich
trapezoidische Form haben.
Die noch wohl erhaltene Schuppe a. auf unsrer Fig. 6 zeigt acht von
der schmalen Basis nach dem breiten obern Rande sich fÀcherförmig aus-
breitende Falten, auch befinden sich jedenfalls unter den sichtbaren Schuppen,
besonders unter der Schuppe h., noch mehrere Schuppen, da man ebenfalls
braunerfĂŒllte Spaltchen unter ihnen wahrnimmt.
Von den vielen im Quadergebirge hiesiger Gegend vorkommenden,
meist flach gedrĂŒckten StĂ€mmen ist Geinitz der Ansicht, es seien StĂ€mme
und Aeste von Dicotyledonen unbestimmter Familien, was er in seinen
Schriften ausspricht. Cor da sagt von ihnen aber in Reuss II. S. 82,
nach seinen persönlichen Untersuchungen der Exemplare (natĂŒrlich der ihm
damals vorgelegten), wÀren es wohl nur Wurzeln von Coniferen .
0 =^
15
Mag- dies nun auch bei vielen unsrer Holzreste der Fall sein, ist es
doch wohl gewagt, dies von allen zu behaupten, da nach Rossmaessler
die Wurzel oft ohne deutlich ausgesprochene Grenzlinie in den Stamm
ĂŒbergeht und in ihrer Zusammensetzung aus Holz, Rinde und Mark die
Wurzel vom Stamme nicht wesentlich verschieden ist.
Die jÀhling steil abfallenden, oder deutlicher gesagt, die jÀhling schwÀ-
cher werdenden Holzreste mögen wohl Wurzeln gewesen sein, eben so viele
andre, deren ganzer wimmeriger Habitus gleich die Wurzel verrÀth. Z. B.
unsre Fig. 10 Taf. V. aus dem PlÀnersandstein von Rippien , auf welcher
auch BohrlochausfĂŒllungen von Pholas Sclerotites Geinitz sichtbar sind,
wie Fig. 9 Taf. V. aus dem PlÀnersandstein von Goppeln. Das letztere
Holzfragment ist weder Abdruck noch Steinkern, sondern rein in Eisenoxyd
verwandeltes, oder richtiger, von Eisenoxyd durch und durch erfĂŒlltes Wur-
zelholz, welches Vorkommen uns Göppert in s. fass. Flora d. Quaders, v.
Schlesien 1841, S. 10 mittheilt und erklÀrt. Auch bei diesem Exemplare
erkennt man mit blossem Auge auf dem LĂ€ngs- wie auf dem Querbruche
jedes HolzbĂŒndel; es lösen sich diese auch sehr leicht von einander schon
bei unsanfter BerĂŒhrung. Aeusserlich hat dieser Holzrest eine gelbbraune
matte Farbe, welche aber mehr nach Innen Glanz bekommt und dem Roth-
eisenstein Ă€hnlich in schimmernd Rothbraun ĂŒbergeht.
Beide, Fig. 9 und 10, dĂŒrften dem Ansehen nach von Coniferen
ab stammen.
Ganz anders verhÀlt es sich mit zwei Steinkernen meiner Sammlung,
welche, obschon aus verschiedenen Schichten, nÀmlich aus unterm Quader-
sandstein und aus unterm Quadermergel, stammend, sich nicht nur in ihrer
Ă€ussern Textur sehr gleichen, sondern auch v on allen mir bis jetzt bekann-
ten fossilen Holzresten des hiesigen Quadergebirges durch dieselbe wesent-
lich unterscheiden. Sie sind theilweis geschlÀngelt lÀngsgestreift , und es
erhÀlt ihre AussenflÀche, da diese LÀngsstreifen wieder durch fast regel-
mÀssige, schiefe Querrippchen durclikreuzt sind, ein dem Chagrin Àhnliches
Ansehen. Zeigte sich nun an ihrer AussenflÀche Verkieselung, oder wÀre
nur eine kleine Spur v on kohliger Substanz noch sichtbar, könnte man ver-
sucht werden, diese Holzreste als mit der Periderma noch versehen, und
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die Querrippchen fĂŒr quer gestellte Lenticellen der Borke zu halten. In Er-
mangelung nun dieser Dinge haben wir es jedenfalls nur mit Steinkernen
zu thun, und die LÀngs- und Quer- Z e ichnung als durch GefÀsse der ehe-
maligen Rinde, welche unsre Steinkerne aus lullten, entstanden zu betrachten.
Wahrscheinlich ging mit dem ehemaligen Holzkörper ein Theil der auf
ihm fest sitzenden innersten Bastschicht verloren, und das Chagrin Àhnliche
Aeussere unserer Steinkerne entstand durch ErfĂŒllung der verschieden ge-
stellten und vertheilten GefÀsse, welche unter der Periderma in der paren-
chymatösen Mitteichicht der Reste sich befanden.
In der Mittelschicht der Rinde unsrer Linde, Tilia europaea, und der
Korkeiche, Quercus suber, fand ich GefĂ€sse und BastzellenbĂŒndel so gestellt,
dass sie mich auf obige Vermuthung brachten.
Sollte meine eben ausgesprochene Vermuthung begrĂŒndet sein, dann
dĂŒrften zwar die Hölzer, welche einst unseren Steinkernen ihre Entstehung
gaben, zu den Die o tyle donen, aber sicher zu Familien, bei wel-
chen die Bas t schichten reichlicher als bei Coniferen entwickelt
waren, gehört haben.
Fig. 11 auf Taf. V. stellt ein StĂŒck des einen Steinkernes aus dem
untern Quader Sandstein von Welschhufe in natĂŒrlicher Grösse dar.
Ein sehr grosser Steinkern eines Holzstammes aus dem untern Quader-
sandstein von Welschhufe , in meiner Sammlung, welcher durch unzÀhlige
BohrlochausfĂŒllungen von GastrochĂ€na AmphisbĂ€na Goldfuss total bedeckt
ist, zeigt uns, dass die Hölzer aus dem einstigen Quadermeere, sehr lange
in demselben gelegen oder geschwommen haben mĂŒssen, weil es sonst nicht
möglich gewesen wÀre, dass sie von diesen Muscheln so hÀtten durch-
bohrt werden können, als es vielfach, besonders bei obigem Stamme, der
Fall ist.
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17
Dicotyledoneii - BlÀtter
aus dem untern Quadersandstein von Welschhufe bei Dresden
Taf. V. 8.
Leider zeichnet sich das Blatt, welches uns Fig. 8 zeigt, nur durch
eine dunkel-isabelle Farbe von dem ĂŒbrigen Steine aus, und lĂ€sst uns nur
den scharfen Abdruck des Hauptnerven sehen.
Es gleicht sehr den Figuren 6, 7, 8, 9 auf Taf. L. Reuss II., wovon
Cor da ibid. sagt, âes dĂŒrfe vielleicht von einer dickblĂ€ttrigen Proteacea
herstammenâ, und was Reuss i. s. Kreideg . d. w. Böhmen , pag. 169, Salix
macrophylla nennt.
Auch im PlÀnersandstein von Rippien fand ich zwei Blattfragmente
aus der Mitte von BlÀttern, da ihnen Basis und Spitzen fehlen. Demnach
ist ĂŒber die einstige LĂ€nge derselben keine Vermuthung aufzustellen.
Die durch Eisen braungefÀrbten Fragmente sind nur 1" lang und 1 / 2 "
breit. Ihr Hauptnerv steht nicht, wie bei obigem Blatte, in der Mitte, son-
dern auf beiden Exemplaren sehr seitlich. Die Fragmente sind zu unvoll-
kommen, um abgebildet zu werden.
4
aus dem untern Quadersandstein von Paulsdorf bei Dippoldiswalde.
Taf. VII. JFiff. 1, 3, 3, I.
Den untern Quader von Paulsdorf und seine westliche Fortsetzung,
den vom nahen Paulshain, hat bereits Geinitz in s. gekrönt. Preisschr. das
Quadergebirge in Sachsen, Leipzig 1850, S. 30 â 32, ausfĂŒhrlich beschrie-
ben, seine Schichten fĂŒr die untersten Schichten des untern Quader erklĂ€rt
und ihn eine SĂŒsswasserbildung genannt.
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18
Nur eine Schicht dieses Sandsteines liefert Versteinerungen und ledig-
lich nur Vegetabilien. Diese sind nun alle von einer brÀunlichen, oft dun-
kelbraunen Art von Rinde umgeben, innerlich bestehen sie aus glimmerreichem
Sandstein.
schwarzbraune, auch schwarzgraue Schieferthonschicht, entstanden, glaube
ich doch auch, dass der Kohlenstoff der hier einst vergrabenen Vegetabilien
viel zu ihrer Bildung beitrug , wenn auch wirklich kohlige Substanz nur
hier StÀmme von verschiedener Grösse und StÀrke und nur ausnahmsweise
nicht flach gedrĂŒckt. Gelingt es dann und wann, das Ende eines solchen
Stammes aufzufinden, dann erblickt man dasselbe seitlich gebogen und in
einer rundlichen, stumpfen Spitze auslaufend, nicht ganz unÀhnlich den
S trumpf bretern der Strumpfwirker. Fig. 1 zeigt uns ein solches EndstĂŒck.
Hier und da erscheinen an der AussenflÀche dieser StÀmme LÀngs-
streifen, schief gestellte Querrippen, Fig. 1 unregelmÀssige Querringe,
und scheinbare Fragmente der ehemaligen Rinde, Fig. 1 b. Es wird auch
oft in der Mitte derselben ihrer ganzen LĂ€nge nach eine vertiefte Furche
sichtbar, Fig. 1 c.
Einen noch runden Endrest zeigt uns Fig. 2. Er ist an seiner Spitze
nicht gekrĂŒmmt, aber ein wenig unter derselben eingeschnĂŒrt. Seine kol-
benartige Figur Ă€hnelt den RlĂŒthenkolben mancher GewĂ€chse. Der Habitus
dieser StÀmme rechtfertigt stark die Vermuthung, dass dieselben keine Aeste
hatten, dass die BlÀtter um ihre Kronen herum unmittelbar an dem Stamme
sassen, dass die durch die Quetschung schief gewordenen Querrippen ohn-
streitig BlattansÀtze waren und dass diese StÀmme von einem Palmen Àhn-
lichen Geschlechte herrĂŒhren.
Ueber einen grotesken Stamm mit vermeintlichen AstansÀtzen schweige
ich hier, weil ich mich immer noch der Vermuthung hingebe, dass er von
FachmÀnnern durch Autopsie bestimmt werden soll und er hier in nur sehr
verjĂŒngtem Maasstabe abgebildet werden könnte.
âli sich nun auch
Ist diese Binde nun auch grösstentlieils durch das HÀngende, eine
noch Àusserst selten in kleinen Bröckchen sichtbar wird. Meist finden sich
Körper, Fig. 3 und 4, deren Geinitz bereits in s. Qu a der s an dstei ng eb i rg e,
S. 276, ErwÀhnung that.
Sie scheinen von einer Spinde) oder einem Schafte auszugehen, decken
einander dachziegelförmig und breiten sich fÀcherartig aus.
Wo nicht grobe Sandsteinkörner ihre OberflÀche bedecken, sind sie fein
lÀngsgestreift, gegen ihre Basis, Fig 3 a., mit welcher sie an einem Schafte
wahrscheinlich befestigt waren, werden sie auf einmal bedeutend flacher und
fallen auch jÀhling in der Breite ab, so dass sie dort einen ganz stumpfen
Winkel bilden. Ihre StÀrke an der Basis betrÀgt nur wenige Linien, an
den BrĂŒchen sub c. aber Fig. 5 giebt uns den Querschnitt von Fig. 3
von a. bis b . Das eben Angegebene, wie ihre Aehnlichkeit, wenn auch nur
eine entfernte, mit Flabellaria chamaeropifolia Göppert aus dem Quader-
sandstein bei Tiefenfurt in Schlesien , und mit Flabellaria Latania Ross -
massier aus dem Braunkohlensandstein von Altsattel in Böhmen , brachten
Geinitz und mich auf die Vermutliung, es könnten BlÀtter einer gross- und
dickblÀttrigen Flabellaria gewesen sein.
Herr Oberbergrath Prof. Dr . Germar in Halle, welcher diese Körper
in meiner Sammlung sah, bestritt die Flabellarien- Natur derselben toi ul.
Gern gebe ich auch zu, dass sie mit der dĂŒnnblĂ€ttrigen Flabellaria
principalis aus dem Kohlensandstein von Wettin wenig Aehnlichkeit haben.
Wir haben sie aber auch nicht fĂŒr identisch weder mit dieser, noch mit
einer andern bisher bekannten fossilen Flabellaria gehalten, sondern nur
vermuthet, sie könnten von einem Ă€hnlichen Geschlecht herrĂŒhren.
TÀuschten mich nicht zufÀllige, braun gefÀrbte spitz - oblonge Flecke
(was ich aber gern zugestehen will), in der Mitte mehrerer HolzstÀmme aus
Paulsdorf, wĂŒrde ich glauben hier Holzcylinder zu sehen, wie sie uns Fig. 1
auf Taf. XXY. in Cordas Beitr. z. Flora d. Vorw. von Flabellaria boras -
sifolia Sternberg zeigt. Herr Prof. Dr. Göppert vermuthete von unsrer
Fig. 3, allerdings nur nach einer sehr leichtfertigen, nicht charakterisirenden
Bleiskizze, es wÀren nur zufÀllige Bildungen. Dagegen spricht aber ihr
viermaliges, ganz identisches Vorkommen in demselben Bruche zu sehr ver-
schiedenen Zeiten, folglich in ganz verschiedenen BĂ€nken.
Vielleicht dĂŒrfte unsre Fig. 3 schon Hrn. Prof. Dr. Göppert zu andrer
Ansicht bringen, das Original aber ganz bestimmt.
Unsre Fig. 4 zeigt ganz deutlich, dass die rippenartigen Körper von
einem Schafte ausgingen; rechts bei a. sehen wir vier solcher Körper, wo-
von drei noch ziemlich lang sind, bei b. erblicken wir nur noch die Ansatz-
basen von drei derselben.
Das Hangende ĂŒber der die Versteinerungen fĂŒhrenden Schicht ist ein
bröckeliger , braunschwarzer Schieferthon und die Schicht selbst ein un-
brauchbarer, sogenannter fauler Sandstein, wesshalb beide in der Regel im
Winter als Abraum abgekarnt werden. Da nun die diese Arbeit verrich-
tenden Leute sehr oft wechseln, oft von dem Werth des Petrefacten keine
Kenntniss haben, sind bis jetzt nur immer Fragmente und leider keine
completten Exemplare gefunden worden.
Herr 31edicinae Practicus Wohlf ahrt in Dippoldiswalde, welchen seine
Praxis oft bei dem Paulsdorfer Bruche vorbeifĂŒhrt, verehrte mir das Origi-
nal von unsrer Fig. 3 und machte mich zuerst auf diesen Fundort aufmerk-
sam, wofĂŒr ich ihm hier meinen wĂ€rmsten Dank ausspreche.
SpÀter gelang es mir selbst, StÀmme, das Original von Fig. 4 und ein
mit Fig. 3 ganz identisches StĂŒck, welches ich dem königl. Mineralien-
Cabinet in Dresden verehrte, aufzufinden.
Nachtrag.
Es hat sich bis heute unter den Herren Professoren Dr. Geinitz in
Dresden und Dr. Göppert in Breslau ĂŒber die fossilen organischen Reste,
welche Ersterer Spongia saxonica, Letzterer Cylindrites spongio'ides nennt,
demnach Erstgenannter zu den Amorpliozoen, der Andere zu den Fucoiden
zÀhlt, noch keine Homologie bilden wollen, weil Beide an ihren Ansichten
festhalten.
Weit entfernt nun, etwa hier als Laie den Schiedsrichter machen zu
wollen, halte ich es fĂŒr nicht unpassend, durch Abbildung dreier Exemplare
M
%
dieses Fossiles, wie ich sie noch nicht abgebildet sah, und durch Mittheilung
meiner vielfĂ€ltigen Beobachtungen ĂŒber dasselbe, welches in hiesiger Gegend
zum grossen Verdruss der Steinmetze im Quader so hÀufig vorkommt , ein
Scherflein beizutragen, dass sich vielleicht eher die abweichenden Ansichten
dieser hochverehrten MĂ€nner bezĂŒglich dieses Fossiles vereinigen können.
Fig. 1 auf unsrer Taf. VI., aus dem untern Quadersandstein von Ban -
newitz bei Dresden, stellt dieses Fossil in sehr jungem Zustande dar. Trotz
desselben fehlt ihm doch die grubige Structur nicht, welche, da das Exem-
plar ganz aus dem Steine gelöset ist, auf allen Seiten, scharf betrachtet,
sichtbar wird und auf den deutlichsten Punkten oblonge, ziemlich quincun-
cial gestellte, maschenÀhnliche Vertiefungen zeigt.
Durch seine, ziemlich nahe an einander stehenden Anschwellungen gleicht
es von allen mir bekannten Exemplaren am meisten dem hier schon oft
erwÀhnten Fuchs nodosus, welchen Göppert nach Stakhouses Nereis bri-
tannica in Nov. Act. Leop. wiedergab. Bei a. bis b. zeigt sich ein StĂŒck
der weiter unten beschriebenen Binnen.
Fig. 2 aus dein untern Quadersandstein von Ober/t Àselich bei Dippol-
diswalde wurde ebenfalls ganz aus dem Steine gelöset. Es ist nach meinem
Wissen das einzige in hiesiger Gegend aufgefundene Exemplar, das sich in
flach gedrĂŒcktem Zustande befindet. Widerspricht dieses Vorkommen auch
der Behauptung des Prof. Geinitz (S. 97 s. Characteristik) , âdass diese
Körper niemals zusammengedrĂŒckt wĂ€ren,â widerlegt es darum noch nicht
die Schwammnatur desselben, denn es konnte ja jÀhlings von einer Sand-
schlammmasse breit gedrĂŒckt werden, ehe sein poröses Gewebe von Sand
erfĂŒllt und Widerstand zu leisten im Stande war.
Die grubige Structur dieses merkwĂŒrdigen Exemplares erscheint sehr
regellos, was wohl durch die Quetschung bedingt wurde; die Gruben sind
weit und tief, wodurch sich die ZwischenrÀume zu Zuckererbsen-grossen
Höckern gestalten.
Von seinem Bruche a. lÀuft nach b. jene canalÀhnliche Vertiefung, die
ich schon an sehr vielen Exemplaren bemerkte, von b. bis e. ist sie durch
einen federspuls tacken Körper erfĂŒllt, welcher nach seinem Bruche bei b.
â =§>
(j
zu urt heilen, zwischen a. und b. ebenfalls vorhanden war. Von d . nach b.
schlÀngelt sich eine Rinne. Diese kielartigen Wulste, deren bereits Geinitz
in seiner Characteristik S. 97 ErwÀhnung thut, auch auf Taf. 23 ibid. Fig. 1
abbildet, und welche Göppert in Act. Leop. 1849, S. 357, noch nie bemerkt zu
haben versichert, haben schon oft meine ganze Aufmerksamkeit erregt.
Ich besitze selbst drei Exemplare mit solchen aufsitzenden Kielen oder
WĂŒlsten, sie sind stark und fand ich diese andern Körper auch immer nur
auf starken Exemplaren.
Sind es junge Individuen, Avelche auf den Àltern wachsen? oder gehö-
ren sie zu der Natur dieses Fossiles? diese Fragen kann ich mir bis jetzt
noch nicht beantworten.
FÀnde man auf der Spongia saxonica G. nur jene kielartigen Körper
und nur Ă€usserst selten, wĂŒrde ich die erste Frage sofort mitâJa u beantworten.
Wir finden aber auch auf den meisten gut erhaltenen Exemplaren die-
ses Fossiles, bei jeder StÀrke und Grösse, oder wenigstens auf den best-
conservirten Partieen derselben, statt dieser kielartigen Wulste, Rinnen von
Y 8 " bis y 4 " Breite, in welchen der ganzen LĂ€nge nach eine fadenartige
Linie, auch zwei und drei dergleichen, im VerhÀltnis zu der Rinne feiner
oder stÀrker, liegen.
Besonders an einem meiner Exemplare von 22" LĂ€nge ist diese Rinne
mit ihrer darin theils einfach, theils doppelt liegenden Linie sehr deutlich,
und durchfurcht nicht nur das Exemplar auf seiner ganzen LĂ€nge, sondern
zweigt sich auch auf die NebenÀste desselben aus. Ein ganz Aehnliches sen-
dete ich kĂŒrzlich in das königl. Naturaliencab inet zu Dresden.
Fig. 3 zeigt eine solche Rinne auf einem Spongites saxonic. aus dem
untern Quadersandstein von Welschhufe bei Dresden.
Sollten etwa diese nur fadenstarken Linien im Entstehen begriffene
junge Individuen sein? wie erklÀrte sich da ihre zur StÀrke unverhÀltniss-
mÀssige LÀnge? woher da die viel breitere Rinne?
Ohnmöglich konnte ein so junges GewÀchs schon eine
erlangt haben, ohnmöglich konnte es den Àltern und festem
--=§>'
solche
Körp
LĂ€nge
welchem es sass, schon dazu genöthigt haben, ihm bei eigner Ausbreitung
so auszuweichen, dass diese Rinne entstellen musste.
Da nun diese kielartigen Wulste auf ihren fossilen Unterlagen halb
eingewachsen sind, ich auch auf einem derselben ebenfalls die mehrerwÀhnte
Rinne mit der fadenstarken Linie fand, so glaube ich, es gehören diese,
wie jene, zu dem altern GewĂ€chse selbst, und bin fest ĂŒberzeugt, wir wĂŒr-
den sie an allen diesen Spongiten finden, fÀnden wir immer gut erhaltene
Exemplare und wÀre stets diejenige Seite vom Steine entblösst, auf welcher
sich diese Erscheinungen zeigen. WĂ€ren diese Fossilien nun Spongien, wie
mein Freund Geinitz annimmt, dann konnten ja wohl diese kielartigen
Wulste und diese fadenartigen Linien ihre Refestiger am MeeresgrĂŒnde, an
Felsen und an andern Körpern sein? wĂŒrden da nicht dieselben im Ver-
hÀltniss dieses sehr langen GewÀchses ganz den stielartigen Refestigungs-
organen der kugeligen SchwÀmme, z. R. Achilleum fungimore Goldf.,
entsprechen ?
ln meiner Sammlung befindet sich ein Curiosum; es sitzt nÀmlich eine
Spongia saxonica G. aus OberhÀselich, von 6" LÀnge und 1" llreite auf
einem durch Eisenoxyd braunroth gefĂ€rbten, unverkennbaren flachgedrĂŒckten
und 6" Zoll starken Holzsteinkern so auf, dass nur ein fĂŒr die einstige
StÀrke der Holzrinde nöthiger Zwischenraum vorhanden ist. Wurde nun
bei Ablagerung des Quadersandsteines dieser Holzrest nicht zufÀllig in die
unmittelbare NĂ€he des Spongiten gebracht, ist es wohl anzunehmen, dass
Letzterer aufErsterem befestigt war. An diesem Spongit zeigt sich weder
Rinne, noch Wulst.
Stammten die mehrgenannten Fossilien aber nach Göppert's Ansicht von
Fucoiden ab, dann kann ich mir, der ich zu wenig Rotaniker bin, nicht
erklÀren, wozu diese FÀden und Wulste gedient haben sollten.
Eine ziemlich grosse Suite schöner Exemplare dieses Fossiles schmĂŒ ckt
mein Cabinet, und noch weit mehr verschenkte ich. Da ich nun alle diese
StĂŒcken selbst ausarbeitete, wurde mir viel Gelegenheit, sie sorgfĂ€ltig zu
beobachten. Die Resultate davon lasse ich nun folgen.
Die Structur aller war grubig, theils klein-, theils grobgrubig, theils
waren die Gruben regelmÀssig gestaltet, theils regellos vertheilt. Die
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Grösse der Gruben scheint mit dem Alter des Individuum zuzunehmen, was
ich auch von der StÀrke der Zweige oder Aeste aufstellen zu können glaube.
Die StÀrke dieses k ossiles differirt nach meinen Erfahrungen von y 4 "
bis 4V 2 " und scheint mit der LÀnge im VerhÀltniss zu stehen.
Ueber die prÀsumtive, mögliche LÀnge dieser Körper kann ich noch
kein auf Erfahrung begrĂŒndetes Urtheil fĂ€llen, da bei 1 und 3 / 4 Ellen langen
und durchgehends 4 Zoll starken Exemplaren noch keine Spur von einem
Ende ersichtlich war, woraus man wohl folgern dĂŒrfte, dass sie Klafter-
lĂ€nge und darĂŒber erreichen mögen. Ob dieses Fossil sich nach seinen
Endpunkten zu allmÀhlig verschwÀchert, ist schwer zu bestimmen, da wohl
nie wegen seiner bedeutenden LÀnge ein ganz vollstÀndiges Exemplar auf-
gefunden werden dĂŒrfte und wir gewohnt sind, schwache Zweige fĂŒr junge
Individuen zu halten.
Als annehmbare Enden habe ich plötzlich abgerundete Zweige jeder
StÀrke, aber auch zugespitzte, kurz vor der Spitze angeschwellte Kolben
gefunden, letztere sogar, ganz so, wie sie Göppert Fig. 3 a. y Taf. XXXVI.
Vol. XXII. p. I. d. Act. Leop. 1849, giebt, an nur 2" langen Seitenzweigen.
Obschon dieses Fossil in den wunderbarsten Verzweigungen und Ver-
schlingungen vorkommt, fand ich doch noch kein Exemplar, an welchem
die sich kreuzenden und berĂŒhrenden Zweige in und mit einander ver-
wachsen gewesen wĂ€ren. Begegnen und berĂŒhren sie sich, gehen sie ent-
weder neben einander her, oder ĂŒber- und untereinander hinweg und hindurch.
Die Gabelung ist eine rechtwinkelige und neigt sich nur dann zum
Spitzwinkel, wenn Zweige andrer Individuen dazu nöthigen.
Trotz meines emsigen Suchens gelang es mir noch nie, ein wirkliches
Basal- oder WurzelstĂŒck aufzufinden.
Obgleich Herr Prof. Dr. Göppert in seinem Nachtrage zur Flora des
Ouadersandsteines in Schlesien 1849, S. 6 (358) von seinem Cylindrites
arteriaeförmis aus Ober-Kieslinyswalde, welcher in Act. Leop. Vol. XIX.
p. II. tab. L. abgebildet ist, sagt . âer sehe sich genöthigt, ihn fortdauernd
als seinem organischen UrsprĂŒnge nach noch zweifelhaftes Gebilde zu be-
trachtenâ wage ich es doch, diese Gebilde fĂŒr junge Individuen von
Spongia scixontcd Geinit% Cylifidrites spoticjioides Göppert ^ zu halten.
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25
4
4
Sie haben ganz die fast recht winkelige Gabelung dieses Fossiles und
zeigen auch auf der angefĂŒhrten Tafel L. hier und da die grubige Structur.
Sehr selten findet inan an jungen Individuen von diesem Fossil noch
die grubige Structur erhalten; meist erscheinen sie glatt und lassen uns nur
hier und da Spuren davon sehen.
HĂ€ufig fand ich schon in den (luaderbrĂŒchen hiesiger Gegend Ă€hnliche
Gebilde, wie sie uns die mehrgenannte Tat. L. giebt, mit Spongia saxo-
nica Geinitz zusammen.
Obgleich das nun noch folgende Fossil wohl kaum zur Flora gerechnet
werden dĂŒrfte, kann ich doch nicht umhin, es hier noch zu beschreiben und
abbilden zu lassen, Taf. YI. Fig. 4, 5, fi.
Ich fand es in den obersten sogenannten faulen Schichten des untern
( l ua der s a nds t eines von Welschhufe bei Dresden.
Es ist auch dieses Fossil durch Eisenoxyd braunroth gefÀrbt, wodurch
es sich sehr von dem ĂŒbrigen Steine abzeichnet. Hei einer StĂ€rke von 3
bis 4"' gleicht es dĂŒnnem Bindfaden und durchzieht den Stein wellenförmig,
hier/ und da auch spitzwinkelig gabelnd.
Es sitzt sehr lose in seinem Hohlabdrucke, da zwischen diesem und
dem als Steinkern auftretenden Fossil ein linienstarker, leerer Zwischen-
raum vorhanden ist. Als mĂŒrbe Masse fielen die meisten StĂŒcken bei dem
Zerschlagen des Steines heraus und zeigen nur noch krumme und geschlÀn-
gelte GrĂŒbchen, WurmgĂ€ngen Ă€hnlich.
Deshalb hielt ich zuerst diese Erscheinungen auch fĂŒr die AusfĂŒllungen
von GĂ€ngen, welche einst WĂŒrmer, indem sie die noch weichen obersten
Schichten des abgeflossenen ftuadermeeres durchzogen, bildeten.
Als ich aber spÀter in den vom Steinkern entblossten Ri nnent heilen n.
der Figuren 4. und 5. dem scharfen unbewaffneten Auge schon sichtbare,
meist birnenförmige EindrĂŒcke wahrnahm, welche in schiefen, abwechseln-
den Reihen stehen und durch erhabene RĂ€nder, die uns jedoch nur die Loupe
sehen lÀsst, getrennt werden, wurde ich andern Sinnes.
Da nun genannte Rinnen nur die AbdrĂŒcke der einstigen röhrenförmigen
Umgebung der bindfadenartigen Steinkerne zeigen, mĂŒssen auf dieser die
RĂ€nder vertieft, die EindrĂŒcke erhaben gewesen sein.
0
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Fig. t>. giebt diese EindrĂŒcke v er grösser!.
Das die AusfĂŒllung umgebende Röhrchen konnte nur sehr dĂŒnnwandig
sein, wie der kaum linienstarke Raum zwischen Hohlabdruck und Steinkern
uns lehrt; der innere Röhrenraum war aber im VerhÀltnis'^ weit.
LÀsst uns der regelmÀssig gemusterte Hohlabdruck auch an eine Ko-
ralle denken, verschwindet diese Vermuthung wieder, betrachten wir die
StÀrke des runden Steinkernes und sein ununterbrochenes ZusammenhÀngen,
was uns wieder folgern lÀsst, dass es einst in der Röhre keine Lamellen,
keine ScheidewÀnde gab.
Waren es vielleicht Turionen der zarten Geinitzia cretacea Endlicher ,
die auch in diesen Schichten vorkommt? und die einstigen Erhöhungen (jetzt
EindrĂŒcke im Abdruck) vielleicht Knospen noch unentwickelter Nadeln auf
der harzigen Rinde, welche lÀnger Widerstand leistete, als die innern Holz-
gefĂ€sse? Doch ich rufe in Bezug auf dieses Fossil âSeio, ut nesciamâ, und
es wird mir so lange problematisch bleiben, bis mich ein Meister darĂŒber
aufgeklÀrt haben wird.
Herr Professor Dr. Geinitz hatte zwar die GĂŒte, die von mir aufge-
fundene Spongia Ottoi zu bestimmen, zu taufen und in seinem Quader -
sandsteingebirge in Deutschland 1849, Taf. XII., abzubilden und in der
ErklÀrung dieser Tafel zu beschreiben ; demohnerachtet erlaube ich mir
aber, hier am SchlĂŒsse dieser BlĂ€tter noch Einiges ĂŒber das Vorkommen
dieses Fossiles mitzutheilen.
Es kam bis jetzt nur in einem, dem Wolf sehen , Quaderbruche in
Wendischcarsdorf \ und nur in dessen oberster Schicht vor.
Die wirkliche versteinte, oder richtiger, durch Sandstein erfĂŒllte Spon-
gia ist eine RaritÀt in seinem Fundorte und es fanden sich davon nur we-
nige Exemplare, welche ganz der Diagnose von Geinitz entsprechen.
Sehr hĂ€ufig zeigen sich aber AbdrĂŒcke davon und erfĂŒllen grosse,
mĂ€chtige Tafeln so, dass diese wie mit Sternen ĂŒbersĂ€et aussehen. Ehe
es mir gelang, eine die AbdrĂŒcke einst erzeugt habende Versteinerung auf-
zufinden, hĂ€tte ich mich bald bewogen gefĂŒhlt, diese AbdrĂŒcke fĂŒr FĂ€hrten
irgend eines Thieres zu halten, um so mehr, da die ersten von mir gefun-
n denen AbdrĂŒcke nicht so vollkommen , als die spĂ€tem , waren. SpĂ€ter er-
schienen sie mir als
abd rĂŒcke.
den Annulanen des Kohlengebirges Àhnliche Ptlanzen-
Dns Auffinden der Versteinerung selbst beseitigte schnell diese irrigen
Ansichten und Freund Geinitz bestimmte nun.
So weit meine kleinen Entdeckungen und wenigen Beobachtungen im
Bereiche der fossilen Flora des hiesigen Quadergebirges, von denen ich
vermuthe, dass sie dem palÀonto logischen Publicum einiges Interesse ge-
wĂ€hren dĂŒrften.
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ErklÀrung der Abbildungen.
Tafel I.
Heckla annulata âŹÂ» locke? , aus dem untern Quadersandstein von Malter bei
Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
Tafel II.
Heckla cylindrica E. v. Otto, aus dem untern Quadersandstein von Wendisch-
carsdorf bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
Tafel III.
Algen (vielleicht zu Taf. II. gehörend), aus dem untern Quadersandstein von Wendisch-
carsdorf bei Dippoldiswalde, ein Dritttheil verkleinert.
Tafel IV.
hig. 1 . Heckla ve§iculo§a E. v. Otto, aus dem untern Quadersandstein von
Wendischcarsdorf bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
Hg. 2 Heckla cylindrica E. v. Otto, aus dem untern Quadersandstein von
W endischcarsdorf bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
big. 3. Heckla nodulo§a E. v. Otto, aus dem untern Quadersandstein von
W r endischcarselorf bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
big. 4. Palinacites ? aus dem untern Quadersandstein von Wendischcarsdorf hei
Dippoldiswalde, LĂ€ngsflĂ€che in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 5. Querschnitt desselben in natĂŒrlicher Grösse, b ein Theil desselben vergrössert.
Fig. 6 und 7. Heckla nodulosa E. v. Otto, aus dem untern Quadersandstein
von Wendischcarsdorf bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
Tafel V.
big. 1. Oeiiiitzia cretacea Endlicher, aus dem PlÀnersandstein von Rippien
bei Dresden, in natĂŒrlicher Grösse.
1 ig. 2. und 3. Heiiiitzia cretacea Endlicher, aus dem untern Quadersandstein
von Welschhufe bei Dresden, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 4 Piims exogyra Corda, aus dem PlÀnersandstein von Rippien hei Dres-
den, in natĂŒrlicher Grösse; b. Elattquerschnitte vergrössert.
Fig. o. ^uerhruch eines Zapfens, aus dem untern Quadersandstein von Wen-
dischcarsdorl bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
^ q Z apfen , aus dem PlĂ€nersandstein von Rippien bei Dresden, in natĂŒrlicher
i
Fig. 7. Blatt-Fragment aus dem untern Quadersandstein von Wendischcarsdorf
bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse, b. Quer-Ansiclit desselben.
Fig. 8. DicoQIeĂŒoiien-lSlatt aus dem untern Quadersandstein von Welschhufe
bei Dresden, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig\ 9, Holz-Rest (wahrscheinlich von Gonif ereil) in Thoneisenstein verwandelt,
aus dem PlĂ€nersandslein von Goppeln bei Dresden, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 10. Wurzel-Rest (wahrscheinlich von Conif ereil) mit BohrlochausfĂŒllungen
von Pholas Sclerotites Geinitz aus dem PlÀnersandstein von Rippien bei
Dresden, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 11. IMeotylecionen - Stamm (Steinkern) aus dem untern Quadersandstein
von Welschhufe bei Dresden, ein StĂŒck aus der Mitte in natĂŒrlicher Grösse.
Tafel „1.
Fig. 1 . Spongia saxoiiica Nemitz (Cylindrites spongio'ides Göpperl)
aus dem untern Quadersandstein von Bannewitz bei Dresden, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 2. Spongia §axouica bteinitz, breit gedrĂŒckt, mit kielartigem Wulst, aus
dem untern Quadersandstein von OherhĂ€selich bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher
Grösse.
Fig. 3. Spongia laxonica Greinitz, mit einer rinnenartigen Naht, aus dem un-
tern Quadersandstein von Welschhufe bei Dresden, ein StĂŒck aus der Mitte, in
natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 4. und 5. Unbestimmte Körper aus dem untern Quadersandstein von Welsch-
hufe bei Dresden, in natĂŒrlicher Grösse ; a. gemusterter Abdruck, aus wel-
chem der Steinkern verloren ging.
Fig. 6. Derselbe gemusterte Abdruck vergrössert.
Tafel VII.
Fig. 1 und 2. IlolzstÀmine aus dem untern Quadersandstein von Paulsdorf bei
Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig 3. und 4. Rippenartige Körper, Flabellarieu-BlÀttern Àhnlich, aus dem
untern Quadersandstein von Paulsdorf bei Dippoldiswalde, in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 5. Querschnitt von Fig 3.
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Druck von Carl Jehne in Dippoldiswalde
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LEIPZIG,
VERLAG VON GUSTAV MAYER.
1854.
ADDITAMENTE
ZUR
FLORA DES QUADERGEBIRGES
SACHSEN.
VON
ERNST VON OTTO,
EHRENMITGLIED DER NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT âISISâ IN DRESDEN.
II. HEFT,
ENTHALTEND MEIST NOCH NICHT ODER WENIG BEKANNTE FOSSILE PFLANZEN.
MIT NEUN LITHOGRAPHIRTEN DOPPELTAFELN.
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ADDITAMENTE
ZUR
FLORA DES QUADERGEBIRGES
SACHSEN.
VON
ERNST VON OTTO,
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EHRENMITGLIED DER NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT âISISâ IN DRESDEN.
LIBRARY
MEW YORK
BOTANICA!
GARDEN
II. HEFT,
ENTHALTEND MEIST NOCH NICHT ODER WENIG BEKANNTE FOSSILE PFLANZEN.
MIT NEUN LITHOORAPHIRTEN DOPPELTAFELN.
LEIPZIG,
VERLAG VON GUSTAV MAYER
1854 .
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I
*
Dtb 16 1929
LIBRARY
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BOTANICAL
GARDEN
VORWORT.
J\As ich im vorigen Jahre meine Addita mente zur Flora
des Quadergebirges in der Gegend um Dresden und Dip-
poldswalde aus den HĂ€nden gegeben hatte, bemeisterte sich meiner
eine gewisse BĂ€nglichkeit und ich fasste den Entschluss, es sollte die-
ses Schriftchen das erste und letzte sein, was von meiner Feder in das
Publicum kÀme.
Diese BĂ€nglichkeit entstand lediglich dadurch, dass mir wohl
wissend war, es sei eine schwierige Aufgabe, fossile Yegetahilien zu
beschreiben, mit lebenden zu vergleichen und sie wohl gar zu bestim-
men, da in der Pegel ihnen fast alle die Erkennungszeichen mangeln,
nach welchen Botaniker die lebenden Pflanzen erkennen und elassi-
ficiren.
BlĂŒthen, Pistille, Staubbeutel, FrĂŒchte, innere erkennbare Ge-
fÀsse fehlen meist, und findet sich hier und da etwas davon auf, liegt
es gewöhnlich entweder ganz isolirt, oder unter entschieden fremd-
artige vegetabilische Beste gemengt, dass man nie mit Bestimmtheit
behaupten kann, es gehöre Diess oder Jenes zu dem oder jenem Ge-
ivÀchse.
IV
Bald finden sich einzelne BlĂ€tter, bald FrĂŒchte, bald StĂ€mme,
aber meist Alles als zerquetschte, zerbrochene, verdrĂŒckte Fragmente,
oder als undeutliche AbdrĂŒcke , oder als noch weniger leicht zu ent-
ziffernde Steinkerne.
Doch das Fatum wollte es, dass ich vorzugsweise fossile Pflan-
zenreste, zum Theil wenig oder gar nicht bekannte , auffinden sollte,
welche mitunter so zerbrechlich, oder so schwer waren, dass ich sie
zur Bestimmung nicht an entfernte Meister senden konnte.
Sie blieben demnach entweder unbekannt, unbeschrieben, oder
ich unterzog mich nach möglichsten KrÀften der so schwierigen Ar-
beit, sie dem wissenschaftlichen Publicum bekannt zu machen. Diess
bestimmte mich schon voriges Jahr, meine Additamente zu schreiben.
V x,
Da nun aber mein rastloses Suchen und Forschen in neuerer
Zeit wieder durch das Auffinden höchst interessanter, seltener, fossi-
ler Pflanzenreste belohnt wurde, ich auch mit Freude vernahm, wel-
cher nachsichtsvollen, freundlichen Aufnahme sich mein vorjÀhriges
Schriftchen zu erfreuen hatte, mich auch mehrere in der Wissenschaft
hochgestellte MĂ€nner aufforderten, meine erste Arbeit fortzusetzen,
entschloss ich mich, diess durch folgende BlÀtter zu realisiren.
Musste der Titel dieser Schrift auch in Bezug der Lage der Fund-
orte etwas geÀndert werden, ist sie doch lediglich nur als zweites Heft
der vorjÀhrigen Arbeit zu betrachten, und ich werde beide, wo es er-
forderlich ist, nur als erstes und zweites Heft bezeichnen.
Einige in Nachstehendem mit beschriebene fossile Pflanzenreste
aus A ie der schöna bei Freiberg und aus der Gegend von König-
stein erheischten die kleine Aenderung im Titel.
Y
Sollte man mir den Vorwurf machen wollen, ich hĂ€tte fĂŒr nach-
stehende BlÀtter zu viel compilirt , widerlege ich denselben schon im
Voraus durch Folgendes.
Nicht jeder Leser dieser BlÀtter ist Botaniker oder PalÀontolog
im wahren Sinne des Wortes, nicht jeder besitzt die nöthigen BĂŒcher,
um nachschlagen zu können, nicht jeder hat Zeit dazu, desshalh muss-
ten Diagnosen gegeben werden, auf welche sich meine Vermuthungen
basirten.
Da es nun dergleichen yon Fachgelehrten gab , die bereits allge-
mein angenommen waren, warum sollte ich sie zur Erleichterung des
lesenden Publicums nicht wörtlich wiedergeben? sollte ich sie etwa
ĂŒbersetzt, in verĂ€nderter Form hinstellen, und den Schein erregen, ich
hĂ€tte mich mit fremden Federn schmĂŒcken wollen? Nein, wahrlich
nicht.
Die vorhandenen habe ich unverÀndert hingeschrieben , die feh-
lenden, so weit es mir möglich war, durch neue ersetzt.
Mit grosser Lust zur Arbeit erfĂŒllte mich die so gĂŒtige Unter-
stĂŒtzung der Herren Professoren Hofrath Dr. Reichenbach und Dr. Gei -
nitz in Dresden, Dr. Bernhard Cotta und Bergrath Dr. Reich in Frei-
berg, Dr. Göppert in Breslau, welche mir nicht nur kostbare Werke
zur Benutzung ĂŒberliessen, sondern auch höchst seltene lebende und
fossile Pflanzen, so wie auch Handzeichnungen zum Vergleich, zur
Abbildung, zum Copiren gefÀlligst sendeten, ja sogar mich durch schrift-
liche Mittheilungen erfreuten.
Indem ich hiermit den geehrten Herren dafĂŒr meinen herzlich-
sten Dank ausspreche, versichere ich zugleich, dass ich die mir erwie-
sene Bereitwilligkeit und das mir geschenkte Vertrauen wahrhaft zu
schÀtzen weiss.
VI
Die zu diesen BlÀttern gehörigen Abbildungen auf 9 Doppel-
tafeln hat wiederum Herr Zeichnenlehrer und Maler Seybicke in D r e s-
den geliefert, und durch die getreue, fassliche Darstellung der oft
sehr schwierigen GegenstÀnde abermals bewiesen, dass er wahrer
KĂŒnstler ist.
Möchte sich dieses Schriftchen eben so freundlicher Aufnahme
erfreuen, als sein VorgÀnger.
P o s s e n d o r f bei Dresden im October 1853.
Ernst von Otto.
Benutzte Literatur.
Bronn , Lethaea geognostica, Aufl. III., Stuttgart 1852 â 53.
Cor da, BeitrÀge zur Flora der Vor weit, Prag, 1845.
Esper, Pflanzenthiere, in Abbildungen n. d. Nat. nebst Beschreibung. NĂŒrnberg, 1788.
Geinitz, Characteristik der Schichten und Petrefacten des sÀchsisch- böhmischen Kreide-
gebirges, sowie Versteinerungen von Kieslingswalde, 1850.
Quadergebirge oder die Kreideformation in Sachsen , mit besonderer BerĂŒcksich-
tigung der Glaukonitreichen Schichten. Gekrönte Preisschrift; Leipzig, 1850.
Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge in Deutschland. Freiberg, 1849.
Göppert, Uebersicht der Arbeiten und VerĂ€nderungen der schlesischen Gesellschaft fĂŒr vater-
lÀndische Cultur im Jahre 1843. Breslau, 1844. (Monographie der fossilen
Cycadeen.)
Bericht ĂŒber die ThĂ€tigkeit der allgemeinen naturwissenschaftlichen Section der
schlesischen Gesellschaft fĂŒr vaterlĂ€ndische Cultur, 1851.
Nova Acta physico-medica Academiae Caes. Leopoldin. Carolin. Naturae Curiosorum. Vra-
tislaviae et Bonnae Tom. XIX. XXII. e. Supplementa.
Oken, Allgemeine Naturgeschichte fĂŒr alle StĂ€nde. Stuttgart, 1839.
Reichenbach, Handbuch des natĂŒrlichen Pflanzen Systems. Dresden u. Leipzig, 1837.
Reuss , Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. Stuttgart, 1845 â 46.
RossmÀssler, BeitrÀge zur Versteinerungskunde, I. Heft, Dresden u. Leipzig, 1840.
Das Wichtigste vom innern Bau und Leben der GewĂ€chse, fĂŒr d. pract. Landw.
fassl. dargestellt. Dresden u. Leipzig, 1843.
Sternberg , Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt, I. II.
und Supplemente.
TJnger, Synopsis plantarum fossilium. Lipsiae, 1845.
Berichtigung
zweier störender Druckfehler im 1. Hefte.
Seite 16, Zeile 9 von oben lies : Rinde statt: Reste.
23 , ,, 14 ,, ,, ,, fungiforme statt: fungimore
INDEX
generum et specierum tom. I et II.
Abietineae, II. p. 42.
Algae, I. p. 4.
Algae dubiae, II. p. 15.
Annularia Sternberg, II. p. 24.
Arundinites Wohlfarthi v. Otto, II. p. 27.
Asterophyllites Brongniart, II. p. 24.
Asterosoma radiciforine v. Otto, II. p. 15.
Banksia prototypos v. Ettinghausen, II. p. 46.
Carpolites, II. p. 33.
Chondrites Sternberg, II. p. 13.
Chondrites furcillatus Römer, II. p. 13.
Coniferae, I. p. 12., II. p. 39.
Coniferenzapfen, I. p. 13., II. p. 43.
Conospermum cretosum v. Otto, II. p. 46.
Credneria Zenker, II. p. 47.
Cunningham ites Sternberg, II. p. 42.
Cunninghamites oxycedrus Presler, II. p. 42.
Cunninghamites Mantelli Geinitz, II. p. 43.
Cupressineae, II. p. 41.
Cupressinea insignis Geinitz, II. p. 41.
Cycadeae, II. p. 34.
Cylindrites spongioi'des Göppert, I. p. 20., II. p. 22.
Dicotyledonen-BlÀtter, I. p. 17., II. p. 44 u. folg.
Dicotyledonen-Hölzer, I. p. 14 u. folg.
Dillenieae, II. p. 46.
Flabellarien-BlÀtter (?), I. p. 11 u. 19.
Florideae, II. p. 9.
Geinitzia cretacea Endlicher. I. p. 12.
Gramineae, II. p. 27.
X
Gy rophyllites Kwassizensis Glocker, II. p. 12.
Halyserites Sternberg, II. p. 7.
Halyserites Reichi Sternberg, II. p. 7.
Juliflorae dubiae, II. p. 47.
Keckia annulata Gloeker, I. p. 4., II. p. 10.
Keckia cylindrica v. Otto, I. p. 5., II. p. 9.
Keckia nodulosa v. Otto, I. p. 9.
Keckia vesiculosa v. Otto, I. p. 8., II. p. 10.
Laminarites Sternberg, II. p. 8 u. 9.
Muensteria Sternberg, II. p. 9.
Palmae II. p. 31 u. 32.
Palmacites varians Corda, I. p. 9.
Pecopterides, II. p. 24.
Phyceae, II. p. 7.
Phyceae dubiae, II. p. 8.
Pinus exogyra Corda, I. p. 12.
Plantae foss. affin, dubiae, II. p. 30.
Problematische Yegetabilien, I. p. 17.
Proteaceae, II. p. 44.
Pr o t op te rideen, II. p. 25.
Pterophyllum Brongniart, II. p. 36.
Pterophyl lum Germari v. Otto, II. p. 36.
Sargassites cretosus v. Otto, II. p. 8 u. 9.
Sphaerococcites Sternberg, II. p. 14.
Sphaerococcites striolatus Sternberg, II. p. 14.
Spongia Ottoi Geinitz, I. p. 26., II. p. 12.
Spongites saxonicus Geinitz, I. p. 20., II. p. 22.
S trobili, II. p. 43.
Sy ringodendron Àhnl. Pflanzen, II. p. 26.
Zamiostrobus Endlicher, II. p. 38.
t
EINLEITUNG.
Bisher hat man immer die Kreideformation als sehr arm an fossilen
Pflanzen dargestellt , und es kann sich allerdings ihre Flora auch nicht mit der
der Steinkohlenformation messen, dafĂŒr ist letztere aber auch eine Land-,
erstere eine Meeres-Bildung.
Die Neuzeit hat jedoch bewiesen, dass die Flora der Kreideformation
in Wirklichkeit gar nicht so unbedeutend ist, als man wohl wÀhnte.
FrĂŒher hielt man manche organischen Beste derselben nicht fĂŒr Erzeug-
nisse ehemaliger Pflanzen, sondern liess sie als vermeintliche zufÀllige Bildun-
gen unbeachtet, man ĂŒbersah, nur nach Meeresbewohnern suchend, fossile Pflan-
zenreste, man suchte und forschte frĂŒher ĂŒberhaupt weniger und weniger mit
wissenschaftlichen Augen, man zÀhlte manche , fossile Vegetabilien liefernde,
BĂ€nke und Schichten zu andern Formationen, welche jetzt zur Kreideforma-
tion gezogen und als Glieder derselben betrachtet werden mĂŒssen.
So war es mit den Schichten von Niederschöna bei Frei b erg, so mit
vielen SĂŒss wasserbildungen des untern Quader.
Die dort zu Tage gekommenen fossilen Beste von Landpflanzen wollten
nicht zur anerkannten Meeresbildung des Quadergebirges passen , man glaubte
Gebilde der Wealden for mati on vor sich zu haben. Es geben die Halden
solcher SĂŒss wasserbildungen, da die schwarz, grau, brĂ€unlich gefĂ€rbten StĂŒcken
und Platten ihrer Schieferthone , zuweilen auch ihrer Quaderkohle , die weissen
und gelblichen QuadersandabgÀnge auch mit grau gefÀrbt haben , auch eher ein
Bild von Halden der Steinkohlen werke und der Lias -BrĂŒche.
1
4
das einstige Quadermeer geschwemmt. Hierdurch wird auch das Auftreten von
Resten einer Landtlora in ihnen erklÀrt.
Ohnstreitig findet diese Ansicht jetzt keinen Widerspruch mehr, wenig-
stens nicht von FachmÀnnern, welche diese beiden Fundorte durch Autopsie
kennen lernten.
Einige Phylliten von Paulsdorf haben eine unverkennbare Aehnlich-
keit mit den vegetabilischen Vorkommnissen einiger Fundorte im PlÀnersand-
stein und Quadersandstein Böhmens, betrachtet man mehrere Abbildungen und
liest man deren Beschreibungen von Cor da in Reuss II.
Ein neuer Beweis fĂŒr die Richtigkeit der Ansicht unsers Freundes Gei-
nitz. Noch mehr spricht dafĂŒr das Erscheinen eines deutlichen Inoceramus stria-
tus Maniell in den mittlern BĂ€nken von Paulsdorf, folglich zwischen Schiefer-
thonschichten.
Ist dieser Findling auch der erste Rest eines Meerbewohners , der in den
QuaderbÀnken von Paulsdorf gefunden wurde , so viel uns nÀmlich bekannt
ist, tritt er doch als schlagender Widerspruch gegen die Wealdenformation
auf, die als reine Sumpf- und Landbildung keinen Meerbewohner aufzu-
weisen haben kann.
Die zu P a u Ls d o r f von uns aufgefundenen und in nachfolgenden BlÀt-
tern beschriebenen fossilen StĂ€mme, StrĂŒnke, BlĂ€tter und FrĂŒchte gehören sehr
verschiedenen Pflanzen-Ordnungen und Geschlechtern an, ja, es erscheinen un-
ter ihnen Pflanzenreste , welche , wenn uns unsre sorgfĂ€ltige PrĂŒfung nicht
tÀuschte, wohl noch nie in der Kreideformation vorkamen.
Es kann uns diese Mannigfaltigkeit auch nicht in Verwunderung setzen,
denn, nehmen wir mit Geinitz an, dass diese Pflanzen, besonders aber die StÀmme,
durch Ströme oder Ueberschwemmungen nicht nur vom nÀchsten Strande, son-
dern auch vom Festlande, vielleicht sehr weit her, geflösst wurden, lÀsst sich ihre
Verschiedenheit leicht erklÀren.
Es geben uns diese 'StammanhÀufungen ein Bild en miniature von den so-
genannten hölzernen Bergen, Avelche Admiral Wrang el im sibirischen Eis-
meere vorfand , von der Unzahl zusammengeflösster BaumstÀmme , welche sich
in den Meeren nahe der MĂŒndung grosser Ströme noch heutzutage vorfinden.
In den Paulsdorf er Schichten zeigt sich deutlich, was der Land- oder
Uferflora angehörte, und nur in das Quadermeer geschwemmt wurde, wenn es
0
auch nicht die fossilen Pflanzen schon selbst zeigten , denn es liegen alle Beste
der Landflora nur in den Schieferthonschichten,' wÀhrend die wenigen mariti-
men fossilen GewÀchse sich nur in den wirklichen BÀnken des Quader oder in
den von Sand und Thon gemengten ihn zunÀchst bedeckenden Schichten vor-
flnden .
Hieraus liesse sich folgern, dass letztere an ihrem frĂŒhem Standorte in den
fossilen Zustand ĂŒbergingen.
Aus dem Umstande, dass sowohl in Niederschöna als in Paulsdorf
die wirklichen reinen SandsteinbÀnke weit mÀchtiger, als die Schiefer thonscliicli-
ten sind, und stets mit diesen abwechseln , könnte man schliessen , dass die den
Schieferthon bildenden Schlammmassen nur periodisch in das Quadermeer ka-
men , was mehr fĂŒr einstige Ueberschwemmungen, als dafĂŒr spricht, dass sie
durch FlĂŒsse hineingefĂŒhrt wurden.
Die bis jetzt in Paulsdorf aufgefundenen fossilen Pflanzenreste können
folgendermassen classificirt werden :
Aphyllae, 1 Art.
Cryptogame Monocotyledonen, 2 Arten.
Phanerogame Monocotyledonen , 2 Arten.
Gymosperme Dicotyledonen, 3 â 4 Arten.
Angiosperme Dicotyledonen, 3 â 4 Arten.
Anmassend wĂŒrde es erscheinen, wollten wir diese Classification als un-
umstösslich richtig aufstellen , es sprechen aber alle Kennzeichen fĂŒr die AValir-
scheinlichkeit derselben.
In der Gegend um Paulsdorf halten auf diese vorweltlichen Pflanzen
reflectirende Landleute die dort befindlichen fossilen Ilolzreste fĂŒr versteinerte
Fische.
AVie man uns erzÀhlte, schreibt sich diese drollige Ansicht davon her, dass
ein dort einst wohnender Lehrer dieselbe aufstellte , und die fossilen StÀmme je
nach ihrer LÀnge, StÀrke und Àussern Textur in Hayen, Aale, Hechte,
Karpfen u. s. w. eintheilte, auch steif und fest behauptete, es seien diese ver-
schiedenen Fische durch die biblische SĂŒndfluth dort zusammen getrieben
worden .
6
Zur Belustigung des palseontologischen Publicum fĂŒhrten wir diese origi-
nelle Ableitung und Eintheilung hier an.
Wir gehen nun zur speciellen AuffĂŒhrung derjenigen fossilen GewĂ€chse
ĂŒber, welche nach unserm Ermessen der öffentlichen Bekanntmachung und da-
durch einer noch genauem PrĂŒfung durch wirkliche Fachgelehrte werth er-
schienen.
PHYCEiE.
Halyserites Sternberg*.
Frons plana membranacea costata. Sporangia capsulaeformia , in lamina frondis ad
costam coacervata. Sternb. Vers. II, p. 34.
Ilalyserites Reichi Sterilberg.
Laub ges tielt, zweitheilig, zw eifiedrig-Àstig; Schlitze linearlÀng-
lich, fast gleichlaufend, etwas sichelförmig, von einer Rippe durch-
zogen, welche innerhalb der Achsel jeder Theilung anfangs randlicli ist,
weiterhin aber wieder in die Mitte gelangt. Bronns Lethaea, 3. Auflage.
R. Y. S. 47.
âą . *
Diese merkwĂŒrdige Alge , welche zuerst im Schieferthone des untern Qua-
der zu Nieders choena bei Freiberg gefunden wurde, hatte eine Zeit lang
das Schicksal unter den Namen : Chiropteris Reichi, Chiropteris elongata und
Chiropteris obtusa Rossmcessler den Farren zugezÀhlt zu werden, bis TJnger
endlich ihre Algennatur auch anerkannte.
Dieselbe fossile Pflanze fanden wir in dem sandigen Schieferthone des untern
Quader von Paulsdorf bei Dippolds walde, und geben dieses schöne Exem-
plar abgebildet auf unsrer Taf. I. Fig. 1.
An unserm Exemplare zeichnet sich das Laub durch eine grĂŒnlich-
schwarze FÀrbung von dem graubrÀunlichen Schieferthone ab, wodurch die dasselbe
durchziehende Rfppe , welche bald am Rande , bald in der Mitte der BlÀtter
auftritt, ebenso, wie die langgezogenen Stiele sehr deutlich ins Auge fallen.
An demselben zeigen sich auch zunÀchst den Rippen einige kleine erhöhte
Punkte ; möglich, dass sie die in der Membran des Laubes befindlichen Sporan-
gien reprÀsentiren.
8
P h v c e x dubise.
Im Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippol dswal de
fanden sich zwei PĂŒanzenabdriicke, welche wohl hierher zu stellen sein dĂŒrften,
obschon ganz genau keine Diagnose der sieben von TJnger in seiner Synopsis
aufgenommenen Arten der Phyceee passt.
Leider waren die zu diesen BlÀttern bestimmten Tafeln bereits mit Zeich-
nungen gefĂŒllt, als wir diese beiden PflanzenabdrĂŒcke auffanden , daher mĂŒssen
wir uns begnĂŒgen, sie blos zu beschreiben.
Das eine ist ein 15" langes und 1" breites Blatt ohne Basis und Spitze, wor-
aus sich mit Gewissheit folgern lÀsst, dass es noch bedeutend lÀnger war. Ganz-
randig, ohne Hippen und Nerven, nur unregelmÀssig fein lÀngsgestreift , mit
mehrern linsengrossen rundlichen Erhöhungen und Vertiefungen versehen,
scheint es zwar hÀutig, aber nicht dick gewesen zu sein.
Es erinnert uns dasselbe an das Blattfragment einer noch lebenden Lanvi-
naria , welches wir zu sehen Gelegenheit hatten.
Da nun unser Fossil ebenfalls nur Fragment ist, lÀsst es keine genauere
Bestimmung zu, doch vermuthen wir in den erwÀhnten linsenförmigen Erhöhun-
gen die Sporangien zu erblicken, und wollen es hier als Laminarites (?) auf-
fĂŒhren.
Das andere Fossil zeigt uns einen bandartigen 8" langen , Va breiten StÀn-
gel mit je zwei SeitenÀsten, oder BlÀttern, auf jeder Seite, welche alter niren.
Diese sind ebenfalls bandartig , fein lÀngsgestreift und hier und da , so wie der
StĂ€ngel noch mit einer sehr dĂŒnnen kohligen Membran versehen.
Diese BlÀtter oder Zweige sind zwar an dem StÀngel weit schmÀler als
oben, aber doch nicht gestielt zu nennen.
Es schwankt unser Fossil zwischen Zonarites und Sargassites Sternberg ,
doch dĂŒrfte es nach unserm Ermessen eher zu letzterm zu stellen sein.
Da nun nach Ungers Synopsis bis jetzt weder ein Laminarites , noch ein
Sargassites in der Kreideformation vorkamen, dĂŒrften unsre beiden Vorkomm-
nisse , wenn spÀtere deutlichere Exemplare kund gethan haben werden , dass
unsre Ansicht ĂŒber ihre Stellung die richtige ist, am besten wohl mit dem Epi-
9
theton » cretosus « zu bezeichnen sein, und es wĂŒrde das erstere dann Laminarites
cretosus, das andere Sargassites cretosus nobis heissen.
FLOKIDEiE.
Muensteria Sternberg 1 .
Frons coriacea , cylindrica , fistnlosa , Simplex , caespitose aggregata vel dichotoma,
transversim elevato-striata, striis creberrimis, interruptis. Sternb. Vers. II, p. 31.
Bronn zÀhlt in der neuesten Auflage seiner Lethcea geognostica B.Y. S. 46.
Keckia annulata Glocker zu Muensteria und nennt sie Muensteria Kecki, erwÀhnt
auch dabei unsre Keckia cylindrica ; da wir nun Geinitzes Ansicht , unsre eben
genannte Keckia sei identisch mit Halymenites cylindricus Sternberg , aus im er-
sten Hefte der Additamente S . 6 . angefĂŒhrten GrĂŒnden nicht theilen , ĂŒberdiess
noch Sternbergs Diagnose von Muensteria mehr als die von Halymenites auf unsre
Keckia cylindrica passt, stellen wir folgende zwei Keckia -Arten mit Bronn zu
Muensteria .
Keckia cylindrica nobis.
Additam. Heft T. S. 5. Taf. II. III. IV. Fig. 1 u. 2., Heft II. Taf. I. Fig. 4 u. 5.,
Taf. II. Fig. 1.
In neuerer Zeit gelang es uns , mehrere schöne Exemplare von Laubkro-
nen, oder wenigstens von diesen Ă€hnlichen EndbĂŒscheln obiger fossiler Pflanze
aufzufinden, welche sattsam beweisen, dass dieselbe richtig bestimmt und classifi-
cirt wurde, als wir sie den Algen zuzÀhlten.
Die BlÀtterkrone einer noch lebenden Lessonia angustifolia aus der Magel-
lan-Strasse, wovon uns Herr Professor Dr. Göppert in Breslau ein Exem-
plar zur comparativen Begutachtung gefÀlligst mittheilte, Àhnelt den End-
bĂŒscheln unsrer Keckia cylindrica sehr, wesshalb wir sie auch Taf. I. Fig. 6.,
wegen Baummangels aber in sehr verjĂŒngtem Massstabe, abbilden Hessen.
Besteht nun die Krone der Lessonia ; lediglich nur aus bandartigen BlÀt-
tern, die der Keckia aber mehr aus cylindrischem , als blÀtterförmigem Laube,
lÀsst sich doch eine grosse ConformitÀt im Bau beider Kronen nicht wegleugnen,
und die Algennatur der Keckia cylindrica n. springt klar ins Auge.
2
10
Durch, das kĂŒrzlich yon uns aufgefundene Exemplar, Taf. I. Fig. 4., wer-
den nun auch die rundlichen Quernarben an der K eckia cylindrica n., deren wir
im 1. Hefte der Additamente S. 5. ErwÀhnung thaten, hinlÀnglich erklÀrt, und
unsre dort ausgesprochene Yermuthung, sie möchten zur Befestigung der Sei-
tenzweige gedient haben, oder richtiger gesagt, sie möchten die Narben abgefal-
lener Zweige sein, gerechtfertiget.
An derselben Figur zeigt sich auch die fast allen lebenden Algen eigene
Furche beider Seiten nicht nur an dem HauptstÀngel, sondern auch an einigen
Nebenzweigen; wir suchten sie bisher vergebens an allen Exemplaren unsrer
Keckia cylindrica .
Bei genauer Betrachtung der untern Seitenzweige ebengenannter Fig. 4.
findet sich auch eine grosse Aehnlichkeit mit den blattförmigen , sichelartigen
Seitenzweigen unsrer Keckia vesicnlosa, Heft I. S. 8. Taf. IV. Fig. 1., wesshalb
wir die dort angefĂŒhrte Möglichkeit, es könnte Keckia vesicnlosa zu cylindrica
gehören, bestÀtigt finden , und hiermit beide Arten unter Keckia cylindrica ver-
einigen.
Im PlÀnerkalke von Strehlen bei Dresden fanden wir einige cylinder-
artige fossile Körper, welche den Endspitzen von Keckia cylindrica nohis nicht
unÀhnlich sind. Als kurze Fragmente lassen sie aber zu wenig von Structur er-
kennen, um mit Sicherheit annehmen zu können, sie seien mit jener identisch.
I
Keckia animlata Glocker.
Nov. Acta. Leoj). XIN. 2. Suppl. S. 319 â 19. Taf. IV. Additam. Heft I. S. 4.
Taf. I., Heft II. Taf. I. Fig. 2 u. 3.
Glocker sagt von diesen fossilen Pfianzenresten an der oben angefĂŒhrten
Stelle :
»Sie zeigten die Form langer, gerader, ziemlich breiter, fiachgedrĂŒck-
»ter stÀngelartiger Cylinder, und wÀren mit erhabenen Hingen, oder,
» wie sie sich auf der OberflÀche darstellten, mit breiten, meist nach
» der Bichtung der StÀngel in die LÀnge gezogenen , halbmondför-
»migen Schuppen bedeckt, am Ende aber elliptisch abgerundet«.
Er bemerkt ferner :
» Auffallend ist es, dass diese halbmondförmigen Hinge, welche aus der
»nachher zu erwÀhnenden Substanz bestehen, so aufeinander folgen, dass
11
» sie zwischen sich regelmÀssig gleichfalls halbmondförmige , mit der
»blossen Sandsteinmasse ausgefĂŒllte ZwischenrĂ€ume sehen lassen«.
Weiter unten sagt er:
»Alle diese StÀngel oder Zweige divergiren nach oben , und erreichen
»eine LĂ€nge von 4 â 5 Pariser Zoll«.
(Wir brachten Obiges nachtrÀglich, da es uns nicht möglich war, im ersten
Hefte der Additamente Glockers Beschreibung beizubringen, wir auch zu die-
ser Zeit noch nicht seine Abbildung gesehen hatten.)
Wer Glockers Abbildung der Keckia annulata in Nov. Act. Leopold, mit
der unsrigen im 1. Hefte Taf. I. vergleicht, wird sich sofort ĂŒberzeugen, dass
wir es mit ein und derselben fossilen Pflanze zu tliun haben.
Die grĂŒne FĂ€rbung und theilweise AusfĂŒllung mit einer grĂŒnen, fettigen
Substanz an Glockers Exemplaren fehlt den unsrigen ganz, und dĂŒrfte wohl auch
ĂŒberhaupt mit der ehemaligen Pflanze in keinem ZusammenhĂ€nge gestanden
haben.
Wir halten diese grĂŒne Substanz, welche an den K was sitz er Exempla-
ren sichtbar ist, fĂŒr Pinguit und nicht fĂŒr Folgen des einstigen BlattgrĂŒn
(Phyllochlor) der ehemaligen Pflanze, wie diess Glocker thut.
Was derselbe ĂŒber die Beschaffenheit dieser grĂŒnen Substanz in Act. Vov.
Leop. sagt, passt auch ganz gut zu Naumanns Analysis des Pinguit Eiern, d.
Miner. 1852. S. 355).
Wir finden auch diese grĂŒne FĂ€rbung und AusfĂŒllung fossiler Pfianzen-
reste in den T h o n s t e i n e n des B, o t li 1 i e g e n d e n in der Gegend von Z w i c k a u ,
BurgstÀdtel, Ihlefeld u. a. a. O.
Untersuchungen, die man mit dieser Masse anstellte, fĂŒhrten zu der An-
sicht, dass die grĂŒne Farbe derselben durch Eisenoxyd- Oxydul hervorge-
brarcht worden sei. (v. Gutbier , d. Verst. d. Bothl. S. 3.)
Betrachten wir nun die in diesem Hefte Taf. I. Fig. 2 u. 3 gegebenen
Abbildungen zweier Zweige von Keckia annulata , so finden wir, dass Fig. 3 ein
noch spiralgewundener, cy linderartiger , Fig. 2 ein durch Quetschung breit ge-
drĂŒckter Zweig ist, wie wir beide Vorkommnisse an der mehrerwĂ€hnten Abbil-
dung des Kwassitzer Exemplares erblicken.
Demnach vermuthen wir , dass die halbmondförmigen Iiinge sich dadurch
bildeten, dass die spiralgedrehten oder gewundenen, cylinderartigen Zweige
2 *
12
breit gequetscht und dabei so abgerieben wurden, dass die innere Structur theil-
weise in gedrĂŒcktem Zustande sichtbar ward.
Fig. 2 zeigt uns noch an der Basis eine Spaltung in Lappen, welche jeden-
falls die einstigen HaltfÀden waren, wie sie noch jetzt bei lebenden Algen
Vorkommen .
(Das NĂ€here darĂŒber weiter unten bei Asterosoma radiciforme nobis.)
Da Glocker am Capellenberge von Kwassitz in MĂ€hren mit Keckia
annulata einen organischen Best , Gyrophyllites Kwassizensis , welchen Geinitz
fĂŒr vielleicht identisch mit Sponyia Ottoi hĂ€lt , fand , und wir letztere ebenfalls
ziemlich zusammen, d. h. in nur durch Dorfgrenzen getrennten QuaderbrĂŒchen,
mit Keckia annulata antrafen, sei es uns gestattet, hier etwas Fremdartiges ein-
zuschalten und einige Worte ĂŒber diese fossilen Erscheinungen zu sagen, es
mögen nun dieselben nach Glocker Pflanzenreste sein, oder nach Geinitz von
Amorpkozoen herrĂŒhren .
Gleich Geinitz finden auch wir zwischen Gyropkyllites Kwassizensis Glo-
cker, nach dessen Abbildung und Beschreibung (Nov. Act. Leop. XIX. 2 Suppl.
S. 322) und den vielen von uns aufgefundenen Exemplaren von Sponyia Ottoi
Gein. (abgeb. und beschr. Gein. Quadersandsteingeb. in Deutschi. Taf. XII.
Fig. 6 u. 7 u. Erkl.) eine so grosse Aehnlichkeit , dass uns die IdentitÀt beider
Vorkommnisse unzweifelhaft erscheint.
MerkwĂŒrdig ist es, dass, so viel uns bis jetzt bekannt ist, dieselben nur
zu Kwassitz in MĂ€hren und in der Dippoldswaldaer Haide und zwar an
beiden Orten mit Keckia annulata vorkamen.
Spricht Glocker auch von einem Verticill und Geinitz von einer rund-
lichen Vertiefung, um welche die BlÀtter oder Zweige gestellt sind, so hat
ersterer den Hohldruck, letzterer den fossilen Körper selbst vor Augen.
ErwÀhnt Glocker nur 1 0 BlÀtter , und wir finden an unsern vielen Exem-
plaren die Zahl derselben von 10 â 16 abwechseln, erklĂ€rt sich das leicht da-
durch, dass Glocker eben nur einen Abdruck fand und bei mehrern gewiss auch
die Verschiedenheit in der Zahl der BlĂ€tter oder Zweige gefunden haben wĂŒrde.
landen sich spÀter zu Kwassitz nicht noch mehrere Exemplare, ist eine
A ergleichung beider Vorkommnisse in natura nicht mehr möglich, da leider, wie
13
Glocker S. 699 d. Nov. Act. XIX. 2 selbst sagt, das damals einzige Exemplar
spÀter verloren ging.
Da wir bei den unzÀhligen Exemplaren , welche wir auffanden , stets nur
einen kurzen, walzigen, dickeren oder dĂŒnneren Stiel bemerkten, da die keulen-
artigen Zweige fast alle dichotomiren und in ihrer Zahl sehr wechseln , da end-
lich die Structur allem Anscheine nach eine poröse gewesen ist, treten wir der
Ansicht unsers Freundes Geinitz bei, und halten diese organischen Reste fĂŒr
Amorphozoen.
Glocker fand seinen Gyrophyllites Kwassizensis im Jahre 1841, wir erst die
S pongia Ottoi Gern. 1850, demnach gebĂŒhrt ihm die PrioritĂ€t hinsichtlich der
Entdeckung.
Auf unsrer Taf. IY. Fig. 7 geben wir die Abbildung einiger sehr wohl
erhaltener AbdrĂŒcke seitlich gedrĂŒckter Spongice Ottoi aus dem untern Quader
von Wendischcarsdorf bei Dip p olds walde , welche, durch Eisenoxyd
hellorange gefÀrbt, das Dichotomiren der Zweige deutlich erkennen lassen.
C h o n d r i t e s Sternberg*.
Frons cartilaginea , filiformis, dichotome ramosa, ramis cylindricis , in ectypis compres*
sis. Sternb. Vers. II, p. 25.
Chondrites furcillatus Römer.
Nach Körner p. 1: Wiederholt gabelig Àstig, rasenförmig beisammen ;
Aeste linearisch, mit etwas spitzem Theilungs winkel und ziemlich
stumpfen Enden.
Das von uns Taf. II. Fig. 2 abgebildete Fragment eines Chondrites fan-
den wir in dem PlÀnersandstein, = untern PlÀner, von Goppeln bei Dresden.
Seine wiederholt gabelnden Aeste, seine Theilungswinkel und seine stum-
pfen AusgÀnge lassen uns vermuthen , es könne dieser Chondrit zu Chondrites
furcillatus Römer , welcher in dem kaum eine Stunde entfernten PlÀnerkalk-
bruche von Strehlen bei Dresden vorkommt , gehören .
Chondrites.
Einen zweiten weit stÀrkern Chondrit entnahmen wir dem untern Quader
von Wendischcarsdorf bei Dij>poldswalde, und fĂŒhren ihn Taf. II.
Fig. 3 abgebildet vor.
14
Von allen uns zu Gesicht gekommenen Abbildungen gleicht er keiner so,
als der in Bronns Lethtea Taf. XIV. Fig. 1 sichtbaren von Chondrites Bollen-
sis, so wie auch die dort befindliche (B. IV. S. 42) Diagnose nicht unrecht auf
unsern Chondrites passt.
Ist nun auch Chondrites Bollensis ein Vorkommen des Lias, und der uns-
rige eine Ueberlieferung des untern Quader, beruhigen wir uns doch ĂŒber
die von uns zwischen beiden gefundene Aehnlichkeit , da selbst Brongniart
(Bronns Lethsea, B. V. S. 45 u. 46) Chondrites Targioni des FlyscKs nicht von
Chondriten aus dem Gault, dem obern und untern GrĂŒnsande, selbst nicht von
Chondrites Bollensis als Art zu unterscheiden vermochte.
Spli x r o c o c c i t e $ Stern!) erg*.
Frons subcoriacea plana, dichotoma, vel pinnata, aut filiformis. Sternb. Vers. II, p. 28.
Sphaerococcites striolatus Presl.
S. fronde ramosa plana ramis ramulisque longitudinaliter n ervoso-
striolata ad ramificationes latescente, ramis sparsis trich oto mis que
linear ibus, ramulis furcatis linear ibus patentibus. In formatione ter-
tiaria? ad Bimini Italiae. Sternberg, Vers. II, p. 105. t. 27, fig. 1. t. 65,
fig. 32 u. 33.
Das bei der Angabe der Formation von Sternberg hingestellte (?) spricht
schon hinlÀnglich sein Bedenken aus, es möchte dieses Vorkommen nicht ter-
tiÀr sein.
Nun haben wir die auf unsrer Taf. IV. Fig. 1 ahgebildete Alge in dem
untern Quader von Malter bei Dippolds walde aufgefunden und finden sie
der Abbildung in Sternbergs Flora d. Vorw. II. Taf. 27. A. Fig. 1 so Àhn-
lich, dass sie einem Jeden als Copie der letztem erscheinen muss; wir haben sie
auch desshalb unter obigem Genus und Species aufgefĂŒhrt , da wir sie fĂŒr iden-
tisch damit halten. Selbst die gelbliche Farbe des Steines und die dunkelorange
FĂ€rbung der Pfianze selbst ist hier, wie dort dieselbe.
15
Algse dubiae.
Asterosoma radiciforme nobis.
Taf. II. Fi g. 4. Taf. III. Fig. 1 und 2.
Ein sternförmiger, mehrstrahliger , ziemlich symmetrischer Körper von
ohngefÀhr 9" Durchmesser. Sein Mittelpunkt ist stark erhaben und scheint, cla
an allen bis jetzt bekannten Exemplaren derselbe höher oder tiefer abgebrochen
ist , und demnach bald eine runde , bald eine eckige BruchflÀche sehen lÀsst , in
einen circa \" starken Schaft oder StÀngel ausgelaufen zu sein.
V om Mittelpunkte aus fallen die Strahlen oder Lappen nach ihren Spitzen
zu allmÀhlig ab, wodurch der ganze Körper ein Belief bildet.
Bei dem am besten erhaltenen Exemplare, Taf. II. Eig. 4, hat jeder
Strahl oder Lappen ziemlich die Form eines langgezogenen Bhombus, und in
seiner Mitte der ganzen LĂ€nge nach eine rundliche , erhabene Wulst , welche
nach dem Mittelpunkte des Petrefactes zu sich verschwÀchert und nach dem
Endpunkte zu in eine Spitze auslÀuft.
An den bis jetzt bekannten 4 Exemplaren zeigen sich 6 bis 7 solcher
Strahlenlappen .
Die die Wulst auf beiden Seiten umgebenden Theile, ungleichseitige Drei-
ecke, fallen auch auf beiden Seiten ah, und bilden dadurch mit ihrem Nachbar,
zwischen sich und diesem, eine Furche, welche bis an den erhabenen Mittelpunkt
geht und dadurch den ganzen Körper spaltet oder theilt.
Die Spitzen der Strahlenlappen sind an dem ebengenannten Exemplare
ziemlich genau 4" von einander entfernt, wie sich auch an demselben eine un-
verkennbare Symmetrie kund gieht.
Die Textur der Wulste auf den Strahlenlappen ist runzelig -lÀngsgestreift
und giebt hier und da das Bild sehr langgezogener rhomboedrischer Maschen.
East bei allen vier vorhandenen Exemplaren liegen neben dem sternför-
migen Körper selbst meist gabelnde, fadenartige, theils stÀrkere', theils schwÀ-
chere Cylinderchen , welche sich selbst nicht nur hÀufig umschlingen, sondern
auch hier und da ĂŒber Theile des Hauptkörpers selbst hinweggehen.
16
Die uns bekannten vier Exemplare stammen sÀmmtlich aus dem obern
Quader der Gegend von Königstein in Sachsen, und befinden sich theils
im königlichen Mineralienkabine t zu Dresden, theils im Museum der könig-
lichen Bergacademie zu Freiberg, theils in unsrer Privatsammlung .
Die geehrten Herren VorstÀnde der genannten Cabinete, die Herren Pro-
fessoren Dr. Geinitz , Dr. Cotta , Bergrath Dr. Reich waren so freundlich, uns die
ihrer Obhut anvertrauten Exemplare zuzusenden , um sie nicht nur gegenseitig,
sondern auch mit unserm Exemplare zu vergleichen , zu beschreiben und abbil-
den zu lassen.
Lange hat uns dieser merkwĂŒrdige fossile Körper , wovon wir nur das uns
gehörige, ziemlich ganz symmetrische Exemplar kannten, beschÀftiget, viel und
oft haben wir naturkundige MĂ€nner um ihre Ansicht ĂŒber dasselbe gefragt,
allein weder deren Antworten, noch unser Sinnen und Vergleichen mit lebenden
GegenstĂ€nden brachten ein haltbares Resultat , bis wir durch die GĂŒte der eben
genannten Herren noch drei Exemplare zur Ansicht und zur Vergleichung mit
dem unsrigen erhielten.
Wohl fĂŒhlen wir, dass es von unsrer Seite viel gewagt ist, einen so höchst
problematischen Körper als Asterosoma radiciforme nobis bestimmen zu wollen,
desshalb gaben wir ihm auch einen Namen, welcher lediglich seine Gestalt be-
zeichnet und in keiner Hinsicht prÀjudicirlich ist, desshalb werden wir uns auch
erlauben, Alles, was bis jetzt von unsern Bekannten und uns selbst darĂŒber rai-
sonnirt und hypothesirt wurde , eher anzufĂŒhren und zu beleuchten , ehe wir
unsre jetzige, wie es uns scheint, wahrscheinliche und annehmbare Ansicht mit-
theilen .
Dass wir es mit einem organischen Beste zu thun haben und keine zufÀl-
lige Bildung erblicken , springt klar und deutlich ins Auge , auch spricht dafĂŒr
das viermalige, gleichförmige Vorkommen zu sehr verschiedenen Zeiten.
Unser Petrefact hat ausser der Sternform , und diess nur auf den ersten
flĂŒchtigen Anblick, nichts mit einem Asteroiden , nichts mit dem Kelche eines
Crinoiden gemein, denn es fehlt j ede Spur von Mund , After, Saugscheiben,
EĂŒhlergĂ€ngen, Gliedern und TĂ€felchen. (Absichtlich fĂŒhrten wir diess hier an,
da sehr viele Personen in unserm fossilen Körper einen Seestern , eine Seelilie
u. s. w. erblicken wollten.)
17
Noch weniger ist es mit einem andern Thierkörper, oder einem Theile des-
selben zu vergleichen.
Jedenfalls ist es vegetabilischen .Ursprungs , diess bestÀtiget sein ganzer
Habitus.
Man hielt es fĂŒr die Basis einer riesigen Zapfenfrucht , die einst ins Qua-
dermeer gespĂŒlt wurde ; aber es decken sich nicht abwechselnd die Strahlenlap-
pen und haben weder schuppenartige Form, noch Structur.
Etwas mehr Wahrscheinlichkeit hatte die gegen uns ausgesprochene Yer-
muthung , es könnte unser Petrefact die RĂŒckseite der aufgesprungenen Frucht
einer Meerpflanze, und diese an der abgebrochenen FlÀche des Mittelpunktes an
einen StÀngel oder Stiel befestigt gewesen sein. Als Beispiel nannte man die
riesige Frucht der auf den Molukken wachsenden Morastpflanze Nelumbium
speciosum.
Nun gleicht zwar die Frucht dieser Pflanze nach Athenams einem umge-
kehrten Kegel, ist oben flach und breit, 1 1 / 2 Hand breit und 1 hoch , und hÀtte
demnach auf der RĂŒckseite eine sehr entfernte Aehnlichkeit mit unserm Fossil,
wĂŒrden wir aber denn , stammte es wirklich von einer riesigen Frucht her , es
stets nur auf der Kehrseite erblicken? wĂŒrde sich nicht auch ein StĂ€ngel als
FruchttrÀger erhalten haben und uns fossil gleich der Frucht sichtbar sein? oder
wĂŒrde sich nicht, wenn wir es wirklich nur mit lauter abgefallenen FrĂŒchten zu
thun hÀtten , die Stelle genau abzeichnen , wo der nothwendig starke Stiel an-
oder eingewachsen war? wÀhrend an unserm fossilen Körper die BruchflÀche
sich bald höher, bald tiefer befindet, ja sogar, wie bei Fig. 2. Taf. III, ein Theil
der Strahlenlappen selbst mit abgebrochen ist.
Herr Professor Dr. Göppert in Breslau hatte kĂŒrzlich die GĂŒte, uns ein
Exemplar einer noch lebenden riesigen Macrocystis aus der Magellanstrasse
zur Ansicht zu schicken , welche sattsam den Beweis lieferte , dass es in der
Jetztwelt baumartige, armstarke Fucoicleen gieht. Wollten wir nun daraus fol-
gern, dass es in der Vorwelt, oder fĂŒr unsern Fall, bei Ablagerung des Quader-
gebirges eben so colossale Algen gegeben haben, und dass unser Sternkörper
wohl leicht die Frucht eines solchen gewesen sein könnte , passt seine Gestalt
doch keineswegs zu der bis jetzt bekannten blasen -kapselartigen Form der
FrĂŒchte der Algen.
3
18
Einer unsrer Freunde fand grosse Aehnlichkeit zwischen unserm frag-
lichen Körper und den Knollen mancher jetzt lebenden GewÀchse, z. B. Dah-
lia variabilis , Helianthus tuberosus, Orchis maculata u. s. w. , und folgerte dar-
aus, es könne unser Petrefact wohl leicht von Wurzelknollen irgend eines vor-
weltlichen Yegetabils herrĂŒhren.
Ist nun die ausgesprochene Aehnlichkeit auch nicht abzuleugnen , er-
scheint seine Y ermuthung doch um desswillen unwahrscheinlich , weil die soge-
nannten Wurzelknollen gar keine eigentlichen faserigen Wurzeln sind, sondern
aus in einem Mehlsacke befindlichen abgesonderten Knospengebilden bestehen,
folglich der FĂ€ulniss leicht unterliegen , und sich wohl kaum in dem Schlamme
des Quadermeeres so erhalten haben wĂŒrden, dass wir sie jetzt noch in ihrer ehe-
maligen Form fossil erblicken könnten.
Ein Andrer verglich unsern Sternkörper mit den abgeworfenen DeckhÀu-
ten des in unsern Haiden wachsenden SternbufFes, GeÀster quadrifidus , welche
als kleine Sterne lÀngere Zeit in den WÀldern liegen.
Abgesehen davon , dass wir diese Aehnlichkeit gar nicht finden , können
wir aber auch die Yermuthung dieses Herrn gar nicht theilen. Einmal, weil,
wenn es auch wirklich an den KĂŒsten des Quadermeeres riesige Buffarten ge-
geben hÀtte , deren DeckhÀute ihrer Substanz zufolge sicher der FÀulniss unter-
legen wÀren, und dann , weil diese platten DeckhÀute nicht erhabene , in StÀn-
gel endende Mittelpunkte haben könnten.
Am lÀngsten hielten wir die Ansicht fest, unser fraglicher fossiler Körper
könnte einer Amorphozoe als Basis gedient haben , oder wohl gar eine Amorpho-
zoe selbst gewesen sein.
Der ersten Yermuthung tritt aber der Umstand entgegen, dass, obschon
alle SeeschwÀmme auf- oder angewachsen sind, ihre Anwachsbasen sich lediglich
nach der Grösse und Beschaffenheit des Körpers richten und formiren , an wel-
chem sie anwuchsen , folglich keine gleichmÀssige , symmetrische Basis haben
können, dass sie meist mit nur sehr kleinen FlÀchen angewachsen sind , wie wir
das an den Arten von Achilleum , Scgphia, Manon, Tragos, Cnemidium , Spongia
des Jura und der Kreide erblicken. Es bedĂŒrfen aber auch und bedurften die
SeeschwÀmme keiner grossen breiten An wachsflÀchen , da sie eben nicht sehr
grosse, wohl aber gedrÀngte Massen bilden.
19
Wie uns Herr Hofrath Professor Dr. Reichenbach in Dresden gĂŒtigst mit-
theilte , sind auch bei den lebenden Amorphozoen , wo Spaltungen an der Basis
Vorkommen, wie z. B. bei der indischen Spongia scyphiformis , diese stets in der
Zahl verschieden und unbestimmt.
p âą
Die zweite Ansicht, es könnte unser Asterosoma radiciforme eine Amorpho-
zoe selbst gewesen sein, wird durch Folgendes widerlegt.
Bei allen uns bekannten fossilen Amorphozoen ist uns die Sternform noch
nicht vorgekommen , es findet sich dieselbe auch in keiner Beschreibung ange-
fĂŒhrt. Man findet dort nur die Kugel-, Teller-, SchĂŒssel-, Ohr-, Trichter-, Be-
cher-, Birn-, Keulen-, Walzen-Form. Auch unter den lebenden SeeschwÀmmen
fanden wir sie nach Esper und Andern noch nicht. Ist diess nun auch kein Ar-
gumentum gegen die Schwammnatur, entspricht es doch auch nicht den bisheri-
gen Beobachtungen und Erfahrungen.
Die Botaniker halten die Amorphozoen nicht fĂŒr Pflanzen, obgleich die
Herren Zoologen sie dazu stempeln möchten, sondern nur fĂŒr eine Art von
ThiergehÀusen, was uns schon desshalb als sehr annehmbar erscheint, weil
das Wachs thum, die Form, die Grösse derselben, ut ita dicam , willenlos, nur
durch fremde EinflĂŒsse bedingt zu sein scheint, da wir in der Form der lebenden
und fossilen Amorphozoen , selbst einer Art, eine grosse VerÀnderlichkeit er-
blicken.
Wir erinnern hier nur an den Badeschwamm Spongia officinalis, und an
die fossilen Scyphia subreticulata, selbst Scyphia infundibuliformis.
Unser Asterosoma radiciforme entbehrt aber keineswegs, wenn auch seine
Strahlen Àhnlichen Spaltlappen zwischen der Zahl 6 und 7 divergiren, einer
symmetrischen, bestimmten Form, er zeigt stets das Streben, aus seinen Spalt-
lappen, welche ohnstreitig zur Befestigung der ganzen Pflanze dienten , in den
StĂ€ngel derselben ĂŒberzugehen.
WÀre nun unser problematischer Körper wirklich eine Amorphozoe selbst,
mĂŒsste , nach den oben angefĂŒhrten Erfahrungen hinsichtlich der Gestalt und
der Basen der SeeschwÀmme, die erhöhte BruchflÀche seines Mittelpunktes seine
Basis gewesen sein , und er mĂŒsste dann stets verkehrt im Quadersande gelegen
haben , oder es mĂŒsste nachgewiesen werden können , dass die FlĂ€che des Stei-
nes, welche ihn uns zeigt, im Bruche stets zu unterstgekehrt lag, wie es bei den
3 *
20
Platten des bunten Sandsteines der Fall ist, welche uns die AusfĂŒllungen der
FĂ€hrten des Chirotherium Barthi sehen lassen.
Am wahrscheinlichsten ist unsre neueste Ansicht :
Dass nĂ€mlich unser Aster o soma radicif orme das BasalstĂŒck
irgend einer Tang- oder Algenart der Kreideepoche sei.
Absichtlich sagten wir nicht » der Wurzelstock«, da, nach den neuesten
Ansichten und Erfahrungen der Botaniker, alle Algen keine eigentlichen Wur-
zeln , sondern nur HaltfÀden oder Haltlappen haben , indem diese GewÀchse
durchgÀngig ReprÀsentanten des Wurzellehens und alle ihre Theile einsaugende
sind, folglich jede Alge in allen ihren Theilen selbst Wurzel ist.
Uebrigens haben die wirklichen, wahren Wurzeln keine bestimmte Zahl
und symmetrisch geordnete Stellung , weil alle in dem Boden , in welchem sie
wirken, befindlichen Hindernisse oder ZutrÀglichkeiten ihre Stellung und Ver-
zweigung leiten und bestimmen.
Anders verhĂ€lt es sich nach der oben angefĂŒhrten Beschaffenheit der See-
algen bei diesen.
Die Laminarien spalten sich in FlaltfÀden , welche ganz wurzelartig aus-
sehen.
Mehrere andre Algengattungen, z. B. Fucus, Cystosira , haben schild-
förmige in Lappen gespaltene Basalstöcke.
In Okens Naturgeschichte B. III. S. 235 heisst es z. B. von Cystosira :
»Aus einer schildförmigen Wurzel kommt gewöhnlich ein walziger
» StÀngel, unten voll runzeliger FortsÀtze oder in BlÀtter verwandelt«.
Die am höchsten organisirten Tange, wie Saryassum , welche, von ihrem
ersten Standorte losgerissen, die sogenannten schwimmenden Inseln und Wiesen
bilden, sind von Grund aus vielfach verzweigt, hatten aber doch immer, ehe sie
losgerissen wurden, einen Basalstock, wie diess wenigstens in den Naturgeschich-
ten behauptet wird. So sagt z. B. Oken von Saryassum :
»Die schildförmige Wurzel verlÀngere sich in einen runden oder ecki-
»gen StÀngel mit Seitenzweigen«.
Die Form unsers Aster o soma radicif orme nun gleicht ganz der eines plat-
ten in der Mitte gewölbten Schildes, wenn auch der Band desselben durch
stumpfe Spitzen gezackt erscheint, und dadurch der ganze Körper die Stern-
form erhÀlt.
21
Vielleicht war der nicht zu starke StÀngel nicht mehr im Stande, die Last
der stark wuchernden Pflanze gegen die Wellen und Strömungen des einstigen
Meeres zu halten und zu schĂŒtzen, die Pflanze riss von ihrer Basis los , wie das
jetzt lebende Sargassum, wurde fortgeschwemmt, der Basalstock blieb aber ohne
StĂ€ngel zurĂŒck und wurde im Sande des Meeres vergraben.
Bei Bestimmung fossiler organischer Körper mĂŒssen ja stets V ergleichun-
gen zwischen dem Einstigen und Jetzigen auf die rechte Bahn fĂŒhren, desshalb
verglichen auch wir, und fĂŒrchten nicht, es möchte dieser unser Vergleich wi-
dersinnig erscheinen.
Was Oken in seiner Naturgeschichte B. III. S. 228 ĂŒber die Structur der
Blattmoose oder Klöder sagt, nÀmlich:
»sie bestĂŒnden aus zusammengeklebten, hohlen FĂ€den mit Scheide-
» wÀnden in entfernten ZwischenrÀumen, seien daher viele Wasser-
»fÀden in einen Stamm verwachsen«,
passt ganz auf die Àussere Textur unsers Petrefactes, welche, wie wir schon oben
bemerkten, runzelig lÀngsgestreift ist.
Spricht diess Alles nun schon stark fĂŒr die Algennatur desselben, so
thun diess die dasselbe umgebenden schnĂŒren-, faden-, cylinderförmigen, gabeln-*
den Körper noch mehr.
Ihr rasenartiges Auftreten erinnert an Chondriten, was die schwÀchern von
ihnen wohl auch sein mögen. Die stÀrkern Cylinder sind wahrscheinlich abge-
rissene Zweige des Asterosoma radiciforme selbst , indem ihre hier und da sicht-
bare maschenartige Textur ganz der der WĂŒlste des Hauptkörpers entspricht.
Betrachten wir die vier bis jetzt uns bekannten Exemplare genau, so er-
giebt sich, dass sich alle in der Hauptform gleichen, dass auch die Àussere Textur
bei allen dieselbe ist.
Das Taf. II. Fig. 4 abgebildete uns gehörige Exemplar mit sieben Strah-
lenlappen ist das am meisten symmetrisch geformte. Ihm am nÀchsten kommt
Fig. 1. Taf. III., dem königlichen Mineralienkabine t in Dresden an-
gehörig.
Auch dieses zeigt uns 7 Strahlen , und ist von allen am flachsten ausge-
breitet. Neben ihm liegt bei a ein kleines Exemplar, an welchem sich, obschon
es hier und da von Steinmasse und andern cylinderartigen Körpern sehr verdeckt
ist, doch 6 Strahlenlappen erkennen lassen.
âą â *
22
Der Deutlichkeit nach folgt diesem Fig. 2. Taf. III., Eigenthum des Mu-
seum der königlichen Bergacademie zu Freiberg.
An ihm finden sich nur 6 Strahlenlappen , sein Mittelpunkt ist tief abge-
brochen, und es erstreckt sich der Bruch sogar bis auf die Wulste der Strahlen,
wodurch die grosse BruchflÀche ein irregulaires Vieleck bildet.
Auch dieses Exemplar ist sehr flach gelegt.
Ein viertes endlich, ebenfalls der Academie zu Freiberg gehörend,
steckt noch zu sehr in der Steinmasse, wodurch es so wenig deutlich ist, dass es
sich nicht zum abbilden eignet.
Es scheint ebenfalls nur 6 Strahlen zu haben, doch erblickt man zwischen
zweien derselben wurzelartige Cylinder, welche wohl auch dem Hauptkörper
angehören dĂŒrften.
Obgleich Herr Professor Dr. Göppert in Breslau den Spongites saxoni-
cus Geinitz, = Cylindrites spongioides Göppert, fĂŒr eine Alge hĂ€lt, und in den
Ber. ĂŒb. die ThĂ€tigk. der naturw. Sect. der schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur
1851. S. 29. in der Reihe der fossilen Algen ohngefÀhr zwischen Muensteria
und Chondrites stellt, auch die Àussere Textur unsers Asterosoma radiciforme,
besonders auf seinen Strahlenwulsten , sehr der des Spongites saxonicus Gein.
gleicht, glauben wir doch selbst in dem Falle, dass Göpperts Ansicht, welcher
wir beilÀufig gesagt in neuerer Zeit beitreten , die richtige sei , nicht annehmen
zu können, dass unser fossiler Körper das BasalstĂŒck eines Spongites saxonicus
Geinitz sei.
WĂ€re diess der Fall, wĂŒrden und mĂŒssten sich unserm Petrefact gleiche
Körper ĂŒberall im untern Quader, im untern Quadermergel , im obern Quader,
wo Spongites saxonicus Gein. in so enormer Menge vorkommt, schon lÀngst vor-
gefunden haben, und doch lieferte bis jetzt, in Sachsen wenigstens, nur der
obere Quader in der NÀhe von Königstein den Asterosoma radiciforme.
Dann zeigen auch die zu so verschiedenen Zeiten aufgefundenen vier aus-
gewachsenen Exemplare ziemlich egale StÀrke des abgebrochenen StÀngels,
wÀhrend Spongites saxonicus nicht nur gewaltig in seiner StÀrke wechselt , son-
dern auch mitunter einen Durchmesser von 5 â 6" hat.
Da nach dem oben erwÀhnten Berichte Prof. Göpperts, S. 29. , die jetzt
lebenden Algen StÀmme der Macrocystis , Laminaria , Lessonia und EcJclonia
eine innere Verschiedenheit der Organisation nach neuern Untersuchungen
âą 23
zeigten, auch Prof. Göppert selbst bei Laminaria und JBcklonia concentrische
Schichten bemerkte , auch im Querschnitt eines Cylindrites spongioides , = Spon-
gites saoconicus Gein., eine ringförmige , braungefÀrbte Schichtung beobachtete,
bemĂŒhten wir uns, etwas dem Gleiches an dem abgebrochenen Mittelpunkte und
an den Strahlenlappen unsers fossilen Körpers zu entdecken.
Doch glauben wir , es sind dergleichen Anzeichen innerer Organisations-
verschiedenheit an demselben mit Gewissheit nicht nachzuweisen.
Es scheint zwar an den beiden Exemplaren der Freiberger Academie, be-
sonders aber an dem kleinen Individuum , welches sich neben dem Exemplare
des Dresdener Cabinets befindet , etwas Ach'senartiges auf den BruchflÀchen der
Mittelpunkte sichtbar zu sein, doch konnten wir eine nÀhere Untersuchung
durch Schleifen nicht anstellen, da die genannten Exemplare uns nur anver-
traut, nicht zugehörig sind.
An unserm Exemplare, Fig. 4. Taf. II., fanden wir trotz sorgfÀltigen
Schleifens nichts, als eine brÀunliche Einfassung des Mittelpunktes durch die
von Eisenoxyd gebrÀunte AussenflÀche, eben so an einem abgebrochenen Strah-
lenlappen des Dresdner Exemplares.
Möglich, dass durch diese anders gefÀrbte Einfassung die einstige Epider-
mis angedeutet ist, doch erblicken wir dieselbe Erscheinung auch an sehr vielen
andern Versteinerungen.
Etwas fĂŒr unsre Ansicht, dass Asterosoma radiciforme n. das BasalstĂŒck
einer Alge sei, sehr GĂŒnstiges, ja Analoges, sehen wir an der Taf. I. Fig. 2.
abgebildeten Keckia annulata Glocker.
Die dort befindliche Basis derselben ist ebenfalls auf der sichtbaren Seite
in vier Haltlappen gespalten, woraus sich folgern lÀsst, dass die Gesammtzahl
der Haltlappen wenigstens sechs betragen haben mĂŒsse.
Vielleicht gelingt es unsrer möglichst genauen Beschreibung und den ge-
treuen Abbildungen durch die geschickte Hand des Herrn Seybicke in Dresden,
eine feste Bestimmung ĂŒber das unsern Asterosoma radiciforme einst hervorge-
rufen habende Organ zu erzielen.
Ohne Murren wollen wir jede grĂŒndliche Widerlegung unsrer Ansicht
aufnehmen, nur fĂŒrchten wir, die Ansicht der PalĂ€ontologen ĂŒber die Natur
unsres Petrefactes wird sich ebenso theilen, wie ĂŒber die Natur des Spongites
saxonicus Geinitz, = Cylindrites spongioides Göppert.
24
Asterophyllites Brongiiiart.
Folia saepius linearia, acuminata, uninervia ad basim usque libera. Brongniart, Pro-
drom. p. 159.
Animlaria Sternberg.
Folia verticillata plana saepius obtusa, uninervia inaequilonga,
basi coalita. Yers. I, 4. p. 31.
Hierher dĂŒrfte vielleicht ein Vorkommen ans dem PlĂ€nerkalk von Streh-
len hei Dresden gehören .
Es liegen nÀmlich eine Unzahl durch Eisenoxyd orange gefÀrbter BlÀtt-
chen, oft einander deckend, verworren beisammen, an zwei Stellen jedoch er-
kennt man noch deutlich, dass sie sternförmig um einen runden Mittelpunkt
gestellt waren.
Die BlÀttchen haben nicht gleiche LÀnge , sind fein lÀngsgestreift , und
zeigen in ihrer Mitte eine erhöhte Rippe, welche man wohl als Nerv betrachten
könnte.
Von allen uns bekannten fossilen Pflanzen und deren Abbildungen haben
sie die meiste Aehnlichkeit , wenn auch nur eine entfernte , mit Annularia fer-
tilis Sternberg.
Wir erhielten dieses Exemplar erst, als das Zeichnen der zu diesen BlÀt-
tern bestimmten Tafeln beendet war, konnten es jedoch nicht unerwÀhnt lassen,
und stellen es unter Zweifel zu Aster ophyllites oder Annularia.
PECOPTEPIDES.
Die zu Niederschöna bei Freiberg aufgefundenen zu dieser Gattung
gehörigen fossilen Pflanzen sind bereits in Sternbergs Flora der Vorwelt, in
Bronns Lethseau. i. a. O. beschrieben, und besser abgebildet worden, als es
uns nach den uns vorliegenden Fragmenten möglich gewesen WÀre ; desshalb
ĂŒbergehen wir sie hier , und bemerken nur , dass ein uns gehöriges Exemplar
von dort weder zu Pecopteris Beichiana , noch zu Pec. linearis , noch zu Pec.
striata, noch zu Pec. lobifolia Corda gezogen werden kann, dass es vielmehr ein
Sphenopteris zu sein scheint, und einige Aehnlichkeit mit Sphenopteris dichotoma
Althaus aus dem Rothliegenden von Saalhausen hat.
'25
Es eignet sich dasselbe seiner Undeutlichkeit wegen weder zu einer nÀhern
Beschreibung, noch zur Abbildung.
Vielleicht dĂŒrfte hier der schicklichste Platz sein, eines Stammfragmentes
ErwÀhnung zu thun, welches wir in dem Schieferthone des untern Quader von
Paulsdorf bei Dippoldswalde fanden und auf unsrer Taf. V. Fig. 7. ab-
bilden liessen.
Ist es auch mit Bestimmtheit keinem uns bekannten fossilen Stammreste
gleichzustellen, dĂŒrfte es doch wohl noch am allerehesten den Protopterideen zu-
zugesellen sein, und verdient jedenfalls dem grossem forschenden Publicum be-
kannt gemacht zu werden.
Es ist ganz platt gedrĂŒckt und hat dadurch bedeutend an Genauigkeit ver-
loren, kann auch bei einer StÀrke von nur y/ nichts von innerer Structur sehen
lassen.
Unser Fragment ist irregulÀr fein gestrichelt, wodurch' wohl ehemalige
Luftwurzeln angedeutet sein könnten , und zeigt uns noch hier und da Spuren
ehemaliger Kohlenrinde.
Wir finden an ihm mehrere spiral gestellte, lang-ovale, fast lanzettförmige
Blattpolster, welche in ihrer Mitte ebenfalls ovale Schildchen , die sich auf bei-
den Seiten der LĂ€nge des Stammes nach in lange erhabene Linien endigen,
haben. Ausser dieser linienartigen Fortsetzung der Schildchen sind die Polster
noch hier und da lÀngsgestreift. Nicht alle Blattpolster haben mehr ihre eigen-
thĂŒmliche Form, sondern sind zum Theil ganz verdrĂŒckt, doch lassen sie noch
ihr ovales Schildchen sehen.
Wo die Blattpolster ganz mangeln, findet man genau in der spiralen Lich-
tung , die ihr Mittelpunkt gehabt haben mĂŒsste , ovale , sehr verdrĂŒckte kleine
Narben.
Vielleicht fanden sich bereits anderswo bessere dergleichen Vorkommnisse,
oder es gelingt uns noch spÀter, deutlichere Exemplare dieser nicht uninteres-
santen Erscheinung aufzufinden, wodurch es möglich wird, dieser fossilen Pflanze
ihre richtige Benennung und Stellung zu geben.
Wir ĂŒberliefern hier nur bildlich und wörtlich das, was an ihr sicht-
bar war.
Ebenso, ja noch schwieriger sind die nun folgenden fossilen Stammreste,
ebenfalls aus dem Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf bei Dip-
4
26
poldswalde, gehörig und richtig zu classificiren , da es nur sehr kleine Frag-
mente sind.
Bei ihrem Auffinden erstaunten wir nicht wenig , und es erging uns wie
Professor RossmÀssler, als er eine Stigmaria im tertiÀren Gebirge Böhmens zu
finden wÀhnte.
Auch wir riefen aus : » Ein den Sigillarien Àhnliches GewÀchs im untern
Quader? Fabelhaft!«
TÀuschten uns nicht alle Anzeichen, so hÀtten wir in unsern Figuren 3 u.
4 auf unsrer Tafel IV doch jenen verwandte Pflanzen gefunden.
Vergleichen wir unsre eben genannten Figuren mit der Abbildung in
Sternbergs Versuch I. Taf. 58. Fig. 2 von Spring odendron alternans und wir kön-
nen eine grosse Aehnlichkeit zwichen beiden nicht wegleugnen.
Wir finden an unsern Exemplaren die gestreiften , sanftgewölbten röhren-
artigen Erhöhungen, die eichelförmigen AnsÀtze zu zweien , sogar hier und da
in ihrer Mitte die Blattnarbe wieder.
Wir behaupten aber durchaus nicht, dass unser Vorkommen identisch mit
einer Sigillarien- oder Sgringodendron- Axt sei , nein , wir halten nur dafĂŒr , es
stamme von einer diesen verwandten Pflanze her.
Und warum sollte diess nicht möglich sein? nach Cor da (BeitrÀge z. Flora
d. Vorw. S. 23) sind die Sigillarien der Vorwelt den Euphorbiaceen der Jetzt-
welt sehr verwandt, konnten da nicht Àhnliche Pflanzengattungen schon zur Zeit
der Bildung des Quadergebirges das Festland schmĂŒcken?
Wissen wir denn mit voller Bestimmtheit, aus was all fĂŒr Pflanzenge-
schlechtern die Landflora zu jener Zeit bestand? Nein! Wir kennen sie ja nur
oberflÀchlich aus den wenigen fossilen Besten, welche einst ins Kreide- und
Quadermeer gespĂŒlt, sich in deren Sande und Schlamme erkennbar abdrĂŒckten,
oder durch sie erfĂŒllt wurden.
Gehen auch nach den jetzigen Erfahrungen die Sigillarien nicht ĂŒber die
Kohlen formation hinaus, so widerlegt das noch nicht die Möglichkeit, dass
es doch auch deren zu jener Periode gab, wenn sie auch noch nicht aufgefun-
den wurden.
Es ist schon oft das erste Erscheinen dieses oder jenes organischen Bestes
in der oder jener Formation mit Heftigkeit bestritten worden, und musste spÀter
doch zugegeben werden.
27
Do cli wir geben recht gern zu, dass unsre Vermuthung ĂŒber die Natur
unsrer Exemplare nicht richtig ist, können auch nach den beiden vorhandenen
Fragmenten uns gar nicht unterfangen, unsre Ansicht beweisen zu wollen.
Ihre Aehnlichkeit mit Sigillarien wird wohl Niemand bestreiten, und dass
sie ans dem Schieferthone des untern Quader von Paulsdorf stammen, können
wir versichern, da wir sie selbst aus dessen Schichten ausgruben.
LĂ€chle man nun auch ĂŒber unsre vielleicht unrichtige Ansicht , wir be-
ruhigen uns darĂŒber, da wir sie ja nicht verfochten haben. Was wir aber fan-
den, hielten wir fĂŒr Schuldigkeit, der Oeffentlichkeit zu ĂŒbergeben, und was wir
vermutheten, konnten wir auch nicht unerwÀhnt lassen.
GRAMINEiE.
Stamm ein röhriger Halm, knotig, die BlÀtter gehen vom obern Rande des Knoten aus,
ihr Blattstiel umrollt eine Strecke hin das rĂŒhrige Zwischenglied , als eine vorn aufgeschlitzte
Scheide und trÀgt da, wo diese in die gestreckte, parallel nervige, meist bandförmige Platte
auslĂ€uft, innerseits das BlatthĂ€utchen: ligula, die ĂŒberragende Spitze oder Spitzen der Ober-
haut, welche die Scheide innerlich auskleidet. Reichenbach, Handb. d. nat. Pflanzens. S. 146.
Arimdinites Wohlfarthi nobis.
Taf. IV. Fig. 2. Taf. VIT. Fig. 1. 2. 3. 4. u. 5.
Gaulis striatus articulatus, residuis foliorum amplexi caulium regu-
lariter rugosus, basi r.h izomatosus radicium loco impressionibus rotun-
datis notatus, foliis longis ensiformibus striatis medio incrassatis s u p r a
vaginain adtenuatis.
Abermals der untere Quader von Paulsdorf bei D i p p o 1 d s w a 1 d e lie-
ferte uns die auf den oben angefĂŒhrten Tafeln abgebildeten Pflanzenreste, welche
ihrem ganzen Habitus nach nicht nur zu einer Art zu rechnen sind , sondern
auch bestimmt als Stammscheidenpflanzen den Gramineen zuzugesellen
sein dĂŒrften. Die uns bis jetzt bekannten Diagnosen von Culmites, Bambusium,
Bajera und ĂŒberhaupt von fossilen Gramineen passen alle nicht auf unsre eben
angefĂŒhrten Fossilien, es wurden auch bis jetzt nach Ungers synops. pl. foss.
noch keine Gramineen in der Kreideformation aufgefunden.
4 *
28
Diess, so wie unsre Ueberzeugung, wir hÀtten rohr- oder schilfartige Ge-
wÀchse vor uns , veranlasste uns , diese neue Art aus dem Quadergebirge auf-
zustellen.
Wir schmĂŒckten sie mit dem Namen unsers Freundes, des Herrn Medi-
cinee Practicus Wohlfarth in Dippol dswalde, theils, weil er das erste Exem-
plar davon auffand und uns verehrte , theils , weil er schon damals die Vermu-
thung aussprach, es könnte der fossile Pest eines bambusartigen GewÀchses sein.
Auf den ersten flĂŒchtigen Anblick liesse sich eine entfernte Aehnlichkeit zwi-
schen unsern fossilen Pflanzen und Calamiteen finden , doch verschwindet die-
selbe sofort wieder , erwÀgt man , dass erstere nicht wie letztere regelmÀssig
gefurcht , sondern ohne alle Ordnung nur gestreift sind , dass die Streifung an
der Gliederung nicht absetzt , nicht alternirt , sondern gleichmÀssig den Schaft
entlang fortgeht , wird sie auch durch die ringförmige feine Naht der Gliede-
rung bedeckt.
Die Gliederung tritt sehr regelmÀssig auf, ist jedoch nach der StÀrke des
Individuum nÀher oder weiter, doch sich gleichbleibend entfernt.
Auf dem rohrartigen Gliede zwischen der Gliederung zeigen sich schief-
querlaufende , ziemlich quincuncial gestellte Punzein, welche uns auf die Ver-
um thung fĂŒhren, es möchten die BlĂ€tter dichter als die Gliederungen gestanden
haben, welche Yermuthung auch durch die Blattstellung an Fig. 4. Taf. VII.
bekrÀftiget wird.
Die BlÀtter umfassten den StÀngel, wie es nach Brongniarts Diagnose bei
Culmites der Fall war, nicht aber ist an der Gliederung eine Anschwellung be-
merkbar , wie bei Bambusium TJnger und bei Bajera Sternberg, welche letztere
Unger auch nur unter Zweifel zu den Gramineen stellte.
In derselben Quaderbank , in welcher wir ausser den abgebildeten noch
mehrere, wenn auch schlecht erhaltene, Exemplare dieser vorweltlichen Pflanze
auffanden, entdeckten wir auch das Original von Fig. 2. unsrer Taf. IV. , was
wir fĂŒr den r Tbeil der Basis der Pflanze halten, welcher im Boden oder Schlamme
fĂŒr den Halt und die ErnĂ€hrung derselben sorgte , fĂŒr das Rhizoma des Ge-
wÀchses.
Es ist ein keilförmig zulaufender, flachgedrĂŒckter Cylinder , versehen mit
sehr engstehenden, ziemlich regelmĂ€ssig gestellten, rundlichen EindrĂŒcken oder
Vertiefungen, worinnen ohne Zweifel die Wurzeln standen.
29
Grosse Aehnlichkeit hat derselbe mit dem fossilen Körper , welchen Pro-
fessor RossmÀssler in seinen BeitrÀgen zur V ersteinerungskunde H. I. S. 41 un-
ter Stigmaria (?) beschreibt und Taf. XII. Fig. 58. abbildet, Schlotheim Palma-
cites annulatus nannte, und Unger in Synopsis plant, fossil, unter Culmites Goep-
perti Muenster auffĂŒhrte. . Es gehörte letzterer aber der Braunkohle n form a-
tion Böhmens an.
Auf unsrer Taf. VII. zeigen uns die Figuren 1 und 4 Schafttheile mit
BlÀttern , die entweder noch jungen GewÀchsen angehörten , oder die obersten
Theile Ă€lterer waren. Bei Fig. 1 erblicken wir unter b fĂŒnf Blattfragmente, von
welchen das zweite, nach den ĂŒber demselben befindlichen BruchstĂŒcken zu ur-
theilen, mindestens 12" lang gewesen sein muss.
Die BlÀtter waren schwerdtförmig, fein lÀngsgestreift, und hatten in ihrer
Mitte eine kantenartige Verdickung, wie wir sie etwa bei den BlÀttern der leben-
den Irideen finden. Fig. 4 lÀsst uns unter a und b sehen, wie die BlÀtter den
StÀngel umfassten, wie dieselben vorn aufgeschlitzt waren, und wie sie von dem
den Schaft umfassenden Theile an erst sich stielartig verschmÀlerten , ehe sie
ihre normale Breite annahmen, wir ersehen aus dieser Figur aber auch, dass die
BlĂ€tter abwechselnd nicht weit ĂŒbereinander gestellt waren. Fig. 3 lĂ€sst uns
erkennen , dass unsre Pflanze ein sehr lockeres inneres , von HolzbĂŒndeln freies
Zell- oder Markgewebe hatte, welches weniger der FĂ€ulniss Trotz bieten konnte,
als die Àussere GefÀssschicht des Schaftes , denn wir erblicken den dort abgebil-
deten StÀngeltheil ausgehöhlt.
Dasselbe beurkunden die unter Fig. 2 und 5 bildlich wiedergegebenen
stÀrkern SchÀfte. Sie liegen, nach ihrem Querschnitt und ihrer AussenflÀche zu
urtheilen, ganz platt gedrĂŒckt, und gleichen zwei ĂŒbereinander gepressten Papp-
tafeln, wodurch sie auch ihre nicht unbedeutende Breite erlangten.
Koch geben sie uns ein Bild ihrer Gliederung und zeigen uns ihre Blatt-
ansÀtze.
Ebenfalls aus Paulsdorf besitzen wir noch ein 4' langes und 1" breites
Exemplar , welches , bei gleicher Beschaffenheit mit den obigen , in G weiter
Entfernung von einander vier Aeste sehen lÀsst.
Hier halten wir fĂŒr nöthig, noch zu erwĂ€hnen, es sei uns nicht unbewusst,
dass Vegetabilien , besonders Hölzer, wenn sie durch Maceration ihre eigen-
thĂŒmliche Beschaffenheit verlieren, sehr zn QuerbrĂŒchen geneigt sind. Es
;
30
erscheinen aber diese QuerbrĂŒcbe nur dann an den Stellen , wo eine wirkende
Kraft sie hervorrief, folglich ohne alle Ordnung und GleichmÀssigkeit , wie wir .
das an vermorschtem Holze eben so, wie an fossilen StÀmmen erblicken.
Ganz anders ist es bei unsrer Pflanze; hier stehen die Gliederungen,
welche etwa mit QuerbrĂŒchen verglichen werden könnten, in regelmĂ€ssiger Ent-
fernung von einander und die Blattschwielen in fast quincuncialer Stellung.
Ein unserm Arundinites Àhnliches fossile Vegetabil muss sich auch, jedoch
nur nach einer Contour desselben vom Herrn Prof. Cotta zu urtheilen, in Nie-
derschöna vorgefunden haben.
Zu den Gramineen dĂŒrften noch, etwa zu Culmites , einige lĂ€ngsgestreifte,
scheinbar gegliederte, cylinderartige fossile Beste zu rechnen sein, welche, sich
ziemlich gleichend, von uns im PlÀnerkalke zu Strehlen bei Dresden sowohl,
als im untern Quader von NiederhÀselich bei Dippoldswalde aufgefun-
den wurden, doch lassen sie eine nÀhere Bestimmung, als kurze Fragmente,
nicht zu.
PLANTiE FOSSILES DUBL3E AFFINITATIS.
Hier an der Grenze zwischen Monocotyledonen und Dicotyledonen sei uns
vergönnt, folgender interessanter Erscheinungen fossiler Vegetabilien aus dem
untern Quader von Pauls dorf bei Dippoldswalde ErwÀhnung zu thun,
die uns trotz alles Eorschens völlig dunkel bleiben.
Theilweise beschrieben und besprachen wir sie bereits im 1 . Heft unsrer
Additamente S. 17 â 20, doch, wie es uns selbst dĂŒnkt, mit wenig GlĂŒck, bilde-
ten auch einige von ihnen auf Taf. VII. Heft I. ab.
Ist es uns nun auch seit dem Erscheinen des 1 . Heftes gelungen , grössere
und besser charakterisirende Exemplare , besonders von den rippenartigen Kör-
pern aufzufinden, ist das Besultat unsers Forschens trotz sorgfÀltiger Verglei-
chung mit lebenden und fossilen Hölzern , trotz des mĂŒhsamen Anpassens aller
uns zugĂ€nglichen Diagnosen der letztem, kein gĂŒnstiges gewesen, und wir mĂŒs-
sen uns daher begnĂŒgen , einige von uns dort ausgesprochene V ermuthungen
31
theils als wahrscheinliche zu bekrÀftigen, theils zu widerlegen und durch neuere
zu ersetzen.
Die dort aufgefundenen riesigen Stammfragmente , welche in ihrem jetzt
flach gedrĂŒckten Zustande eine Breite von 12 â 15â bei einer Höhe von mitunter
4 und darĂŒber haben , und ohnstreitig , ehe sie flach gedrĂŒckt wurden , einen
Diameter von 7 â 8â hatten, waren einfache, nicht Zweige treibende StĂ€mme,
mit einer scheinbar dĂŒnnen, feingestreiften Rinde versehen.
Ihre, nach den Basenresten derselben zu urtheilen, grossen breiten BlÀt-
ter umfassten den Stamm alternirend wohl zum Dritttheile und standen circa
8 â 9â weit von einander entfernt.
Die rippenartigen Körper , welche wir im 1 . Hefte fĂŒr vermeintliche
Reste zusammengerollter, grotesker Flabellarien - BlÀtter ausgaben, sind diess
nach unsrer jetzigen Ueberzeugung sicher nicht, sondern ohnstreitig die Aus-
fĂŒllung grossartiger GefĂ€ssbĂŒndel , welche, gesondert laufend, stets bei den
BlattansÀtzen miteinander verschmolzen und sich oberhalb der Blattbasis wieder
trennten.
Wir sehen diess an unsrer Fig. 2. Taf. VI. bei a und b.
Demnach halten wir Fig. 4. Taf. VII. H. I. nicht mehr fĂŒr eine Spindel
mit ihren horizontalstehenden BlĂ€ttern, sondern fĂŒr einen Verschmelzungspunkt
isolirter GefĂ€ssbĂŒndel an einem Blattstande und die dort befindlichen, vermeint-
lichen BlĂ€tter fĂŒr perpendiculĂ€r gestellte GefĂ€ssbĂŒndel , dasselbe gilt von den
rippenartigen Körpern Fig. 3 derselben Tafel.
Diese rippenartigen Körper finden sich in Paulsdorf stets zusammen mit
den eben erwĂ€hnten StĂ€mmen, was leicht zu der Vermuthung fĂŒhrt, sie dĂŒrften
Theile der Àussern Holzschicht dieser StÀmme gewesen sein.
Wohl nur Farren und Palmen haben so isolirte, verschieden geformte,
schlauchÀhnliche GefÀsse, als die unsrer StÀmme, wir könnten sie demnach auch
wohl nur von diesen beiden Pflanzengeschlechtern herleiten.
Da aber die Blattnarben der Psaronien mit den horizontalgestellten feinen
Blattschwielen unsrer StÀmme nicht die entfernteste Aehnlichkeit haben, wohl
auch nicht so eine colossale StÀrke und Höhe erreichten, bleiben uns nur noch
die Palmenarten zum V ergleich ĂŒbrig .
Sagt nun Brongniart von Palmacites :
32
»Trunci cylindrici, simplices, petiolorum semiamplexicaulium basibus
»obtecti« ( JJnger , Synops., S. 185),
passt diess auf die von uns beobachteten Blattschwielen nicht unrecht.
Eben so gĂŒnstig fĂŒr unsre Vermuthung spricht sich a. O. Linne ĂŒber die
Structur der Palmen aus, wenn er sagt:
»cortice tenui, substantia versus peripheriam duriore, interdum fere
»cornea, enodis , foliorum basibus horizontaliter annulatus«, etc.
ferner :
»Ligni fasciculi per truncum dissipati, sine ordine vel dispositione,
» e vasis magnis , minoribusque excentricis et fasciculo lunuliformi e
»cellulis pachydermis durissimis libri compositis «.
Oken erwÀhnt von den Palmen , dass gewöhnlich ihr Mark ausfaule und
nur eine steinharte Schale von Holz ĂŒbrig bleibe.
Alles diess zusammengenommen, so wie das Uebereinstimmende der Diag-
nosen der meisten fossilen Palmen in Betreff der IrregularitÀt der Stellung, Form
und Grösse ihrer GefÀsse, auch der erwiesene Umstand, dass die Bastzellen der
dĂŒnnen Binde der Monocotyledonen fehlen, dafĂŒr aher jedes GefĂ€ssbĂŒndel der-
selben damit versehen ist, und sonach ziemlich selbststÀndig auftritt, brachte
uns auf die V ermuthung :
1. es könnten unsre fraglichen Holzreste von einer Palmenart ab-
stammen ;
2. es dĂŒrften die rippenartigen Körper als ErfĂŒllungen der Ă€ussersten
Holzschicht mit ihren GefÀssen, nachdem das Mark und die wei-
chem Schichten bereits ausgefault waren, angesehen werden ;
3. es reprÀsentirten die schlauchÀhnlichen Theile unsrer fossilen Beste,
nicht einzelne , sondern viele innig verwobene und durch Bast-
schichten zusammengehaltene HolzgefĂ€ssbĂŒndel , was durch ihre
perpendiculÀre Streifung und durch das Lostrennen einzelner spu-
len- und schnurenÀhnlicher Cylinderchen wahrscheinlich wird.
Geschliffene Querschnitte an diesen Stammresten zeigten mitunter eine
gelblichgefÀrbte Begrenzung der schlauchÀhnlichen GefÀsse , sowie im Centrum
ovale dem Durchschnitt der gequetschten StÀmme entsprechende orange und
braungefÀrbte Figuren, in welchen sich hier und da noch Spuren kohliger Sub-
stanz blicken liessen.
33
Lin mit obigen , und zu demselben Kategorem gehöriger , aufgefundener
Stamm von fast 4 LĂ€nge zeichnet sich durch merkwĂŒrdig und doch ziemlich
gleichmĂ€Ăig gestaltete Wulste an einer seiner Seiten aus.
Fig. 1. laf. VI. lĂ€sst ihn uns bis auf ein Viertheil seiner natĂŒrlichen
Grösse verkleinert sehen.
Offenbar gehörten diese Wulste nicht der eigentĂŒmlichen Ă€ussern Be-
schaffenheit des Stammes an , obschon $ie mit ihm verbunden gewesen zu sein
scheinen.
Waren es knorrige AuswĂŒchse , wie wir sie noch jetzt an unsern lebenden
StÀmmen sehen?
Oder waren es vielleicht harte holzige Baumpilze , welche gleich der Àus-
sern Holzschicht des Stammes selbst der FÀulniss zufolge ihrer Festigkeit lÀn-
gere Zeit Trotz zu bieten im Stande waren? man glaubt allerdings an ihnen
einen dicken Stiel mit hutförmiger Ueberbauung zu sehen.
Entstanden sie nicht vielleicht durch die innere weiche Substanz des Stam-
mes , welche durch Inundation noch mehr erweicht , sich herausquetschte , als
der Stamm durch die Last des ĂŒber ihm abgelagerten Sandes breitgedrĂŒckt
wurde? Fast möchten wir fĂŒr das Letztere stimmen, da diese knorrig gestalteten
Wulste förmlich aus der Seite des Stammes herausgequollen zu sein scheinen.
An dieser Stelle erscheint es uns passend, zwei Vorkommnisse aus dem
Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf anzufĂŒhren, von denen wir,
wenn sie ĂŒberhaupt organischen Ursprungs sind , was wir aber glauben , nicht
wissen, ob sie Monocotyledonen oder DicotyleÀonen einst angehörten.
Fig. 5. Taf. IV. ist ohnstreitig der fossile Best einer Frucht, ist gestielt
und zeichnet sich von dem Steine nicht nur durch ihre Erhabenheit , sondern
auch durch schwÀrzliche FÀrbung aus.
Sie hat einige Aehnlichkeit mit der Frucht aus dem Eisensande von Aa-
chen, welche Göppert uns auf Taf. LIV. d. Nov. Acta. Leopold. Vol. XIX.
P. II. Fig. 20 abbilden liess, und Carpolithes oblongus nannte. Leider zeigt uns
das Original zu unsrer Fig. 5 nichts, als seine einstige Form. Ebenso verhÀlt es
sich mit Fig. 6. Nur durch geringe Erhabenheit und schwÀrzliche Farbe vom
Steine abstechend, wÀre sie ohngefÀhr mit der geborstenen Schale einer Frucht,
5
34
wie Fig. 5, in deren NĂ€he sie sich auch vorfand, zu vergleichen, der Stiel ver-
blieb ihr, der Kern fiel heraus. Diese flĂŒchtige Vermuthung möchten wir jedoch
nicht vertreten.
CYCADEiE.
Trunci arborei vegetatione terminali crescentes. Fasciculi vasorum e ligno libroque con-
stantes , in cylindrum medulla repletum et radiis medullaribus perfossum conflati , a quo fas-
ciculi separati in folia transeunt, nec non per corticem descendunt.
i
Flores dioici, nudi 5 organis sexualibus apertis, in strobilos vel
conos terminales collectis. Uriger i. En dl. gen. plant. Suppl. II. p. 6.
Bei den lebenden Vertretern der Familie werden die StĂ€mme 4 â 30' hoch,
sind meist einfach und end wĂŒchsig. Im Innern wachsen die GefassbĂŒndel un-
unterbrochen in die Dicke und bilden durch ihre Gesammtheit um ein weites,
oft ebenfalls von GefĂ€ssbĂŒndeln durchzogenes Mark einen geschlossenen Holz-
cy linder, welcher durch eine oder mehrere vollstÀndige oder unvollstÀndige Bing-
lagen von Parenchym in seiner Dicke getheilt ist und von Markstrahlen durch-
schnitten wird. Bronn , Leth. III. Aufi. B. III. S. 36.
Auf obige Diagnosen , so wie auf viele andre von lebenden und fossilen
Cycadeen fassend, glauben wir durch Fig. 1. Taf. V. den Herren PalÀonto-
logen den Stamm einer fossilen Cycadee vorfĂŒhren zu können.
Es ist ein flachgedrĂŒckter und sehr gewundener Stamm aus den obersten
Schichten des untern Quader von Paulsdorf bei Dippolds walde , 7 Vs Fuss
lang, 9 Zoll breit. Er wĂŒrde demnach noch im runden Zustande ohngefĂ€hr 6 â 7"
im Durchmesser gehalten haben. Seine colossale Grösse zwang uns, ihn bei der
Abbildung , da wir ihn gern ganz geben wollten , bis auf y 6 seiner natĂŒrlichen
Grösse reduciren zu lassen.
Er ist glatt, völlig frei von umgebender Steinmasse und wie alle organi-
schen Beste dieser Schichten brÀunlich-schwÀrzlich gefÀrbt. Auf ihm geht von
oben herab erst in der Mitte , weiter unten mehr seitlich , ganz unten auf der
rechten Kante seines flachgequetschten Schaftes ein fast ganz schwarz gefÀrbter,
cylinder artiger, mehrfach abgesetzter Stab herab.
35
Ist dieser Stamm nun auch ganz glatt und nicht mit rautenförmigen Ein-
drĂŒcken der ehemaligen Blattrudimente versehen, widerlegt diess seine Abstam-
mung von Cycadeen noch nicht , denn nicht alle fossilen Beste derselben zeigen
dergleichen Blattnarben , wie z. B. Cycadites involutus Presl. der Steinkohlen-
formation, von welchem es heisst:
»C. trunco decorticato tereti laevi, corpore ligneo Cycadearum structu-
*
»ram demonstrante «.
Wohl aber spricht fĂŒr seine Cycadeennatur die ĂŒbrige Beschaffenheit des
Stammes.
Der eben erwĂ€hnte schwarze, meist herausgedrĂŒckte Cylinder kann durch
nichts andres erklÀrt werden , als durch den ehemaligen centrischen Markcylin-
der, die Achse des Stammes , wie wir dergleichen Erscheinungen sehr hÀufig an
Lepidodendreen , Sigillarien , Stigmarien und Cycadeen der Kohlengruppe er-
blicken. Unsre Ansicht wird aber noch mehr bestÀtiget, wenn wir den nur
wenig verkleinerten Querschnitt dieses Stammes betrachten, welchen uns Fig. 2.
Taf. V. zeigt.
Wir erblicken in seiner Mitte ein schwÀrzlich gefÀrbtes, löcheriges Oblon-
gum mit kleinen Bröckchen kohliger Substanz , welches auf der Seite an der
Kante mĂŒndet, an welcher am oval gequetschten Stamme selbst unten die Achse
sichtbar wird.
Ganz in derselben Form und Bichtung umgeben dieses Oblongum zwei
wenig von einander entfernte brÀunliche Binge , welche recht gut den parenchy-
matösen Binglagen oder Holzringen der Cycadeen- StÀmme entsprechen.
Prof. Göppert sagt im Bericht ĂŒber d. ThĂ€tigk. der schles. Gesellschaft,
1851, S. 29:
» Bei AusfĂŒllungen fossiler GewĂ€chse bleibt nach meinen Beobach tun-
» gen an solchen Stellen , wenn auch wirklich keine Zellen durch
»das ausfallende Material erhalten werden, dennoch ein verschieden
» gefĂ€rbter Absatz, gleichsam als Andeutung der frĂŒhem , an dieser
»Stelle verschiedenen Organisation, zurĂŒck«.
Das Korn des untern Quader, aus welchem unser Stamm gebildet wurde,
oder durch welchen die ehemaligen GefÀsse und Zellen verdrÀngt wurden , ist
zu grob, als dass eine mikroscopische Untersuchung zu etwas fĂŒhren konnte, da-
her bemerkt man auch keine Spur von Markstrahlen und andern GefÀssen.
36
Denken wir uns nun unsern Stamm noch in rundem, normalen Zustande,
wĂŒrde die Stellung unsrer Ringe recht gut den Holzringen der lebenden Cyca-
deen, z. B. Cycas circmalis und revoluta aus Java entsprechen, wovon uns
Exemplare zur Ansicht zu senden, tlerr Professor Göppert so gefÀllig war.
Wir besitzen noch mehrere fossile StÀmme desselben Fundortes , welche
im Mittel ihres Querschnittes dunkler gefÀrbte , mitunter mit Kohlenbröckchen
gemischte und mit gröhern Sandkörnern ausgefĂŒllte ovale Flecken zeigen , doch
fanden sich an diesen allen noch nicht die geringsten Spuren von anders gefÀrb-
ten Ringen.
Pterophyllum Brongmiart.
Frondes pinnatae petiolatae, pinnis distichis angustioribus latioribusve sublinearibus
basi tota latitudine insertis et rhachi confluentibus apice obtusis truncatis vel acutis , nervis
aequalibus parallelis simplicibus. Göppert, Gebers, d. A. d. schles. Gesellsch. 1843. S. 129.
Pterophyllum Germari nobis.
P t e r o p h y 1 1 u m f r o n d e
approximatis patentibus 1
erectis apice acuminatis,,
crassissima.
pinn ata, pinnis integris suboppositis valde
ato-linearibus curtis parum angulo ob tu so
nervis crebris tenuissimis, rhachi striata
Von dieser von uns neu aufgestellten Art fanden wir in einer der ober-
sten, sehr glimmerreichen Schieferthonschichten des untern Quader von Pauls-
dorf bei Dippolds walde zwei deutliche Blattfragmente, welche durch
schwÀrzliche FÀrbung von dem lichtbrÀunlichen Steine sehr gut unterschieden
sind. Sie sind auf unsrer Taf. V. unter Fig. 3 und 4 abgebildet. Dass es Cyca-
deen- BlÀtter sind, unterliegt keinem Zweifel. Ihren Fiederchen nach gleichen
sie mehr der Nilssonia Brongniarti , = Hisingera Mantelli ( Bronns Fethsea,
III. Aufi. B. IV. S. 6J u. 62, Taf. XXVIII. Fig. 14), ihrer Spindel nach aber
den beiden Arten aus Niederschöna bei Freiberg, Pterophyllum saxonicum
und cretosum Reich (Nov. Act. Leop. XXII. S. 362, und Taf. XXXVIII.
Fig. 13 und 14). Prof. Göppert giebt auf der eben citirten Seite von den beiden
Pterophyllen aus JN iederschöna folgende Diagnosen.
Pterophyllum saxonicum Reich.
Pt. fronde pinnata, pinnis suboppositis patentissimis lato-lineari-
bus falcatis approximatis obtusis basi attenuatis, nervis crebris tenuis-
simis, rhachi crassissima.
37
Pterophyllum cretosum Reich.
Pt. fron de pinn ata,
paten tibus lato-linearibu
crassiusculis.
pinnis integris alternis approximatis adnatis
s, rhaclii infra sulcato-striata, ne r vis crebris
Keine von diesen beiden Beschreibungen passt nun genau auf unsre Exem-
plare aus Pauls dorf bei Dippoldswalde.
Haben dieselben auch mit Pterophyllum saxonicum Reich gleich breite und
gleich gestreifte Spindeln, sind doch ihre Fiederchen nicht wie bei derselben an
der Basis verschwÀchert , sondern sitzen mit ihrer ganzen Breite , wie bei Ptero-
phyllum cretosum Reich und wie bei Nilssonia Brongniarti, an der Spindel an.
Die Fiederchen sind kurz und zugespitzt, wie bei Nilssonia Brongniarti ,
doch sind sie mehr genÀhert, als bei dieser, stehen auch nicht recht-, sondern
stumpfwinkelig .
Ihre Fiedernerven gleichen aber, wo sie erkennbar sind, denen des Ptero-
phyllum saxonicum Reich.
Da sich nun an unsern BlÀttern keine Spur von Abwechselung dickerer
mit dĂŒnnem Blattnerven, oder ein Vorhandensein von ĂŒberwiegend mehr schwĂ€-
chern als stÀrkern Nervchen, worauf Miquelet das Genus Hisingeria , und Ad.
Brongniart das der Nilssonia basiren, kund giebt , liegt es klar am Tage , dass
wir jedenfalls Pterophyllen vor uns haben.
Das Zugespitztsein und die KĂŒrze unsrer Fiederchen liesse sich allenfalls
dadurch erklÀren , dass wir in unsern Exemplaren vielleicht nur Wedelspitzen
zu sehen hĂ€tten , wĂ€re diess der Fall , mĂŒsste sich nothwendig auch die Blatt-
spindel verschwÀchert zeigen , und könnte keine so durchgÀngig gleichmÀssige
Breite haben.
Nach all dem eben AngefĂŒhrten, wird es uns wohl kein PalĂ€ontolog ver-
argen, wenn wir unser Pterophyllum von Pterophyllum saxonicum und Pterophyl-
lum cretosum Reich trennten, und gewiss gern den ihn von uns zum Andenken
an den unlÀngst verstorbenen, und sich um die PalÀontologie, besonders
aber um Beschreibung fossiler Pflanzen der Kohlengruppe so verdient gemacht
habenden Oberbergrath Professor Doctor Germar in Halle, gegebenen Namen
annehmen .
38
Zamiost robus Endlicher.
Strobilus ovatus vel cylindricus utrinque obtusiusculus e carpidiis rhachi communi spi-
raliter insertis, apertis ? singulis oblongo spathulatis, apice incrassato â inflexis , imbricatis facie
superiore infra medium semine unico inverso foetis. Endl. Gener. plant, fossil, n. 707. p. 72.
Auch wir glauben den Querbruch eines Zamiostrobus in dem Schieferthone
des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldswalde gefunden zu haben,
und ĂŒberliefern ihn abgebildet Taf. V. Fig. 5 dem palĂ€on tologischen Publicum
zur Beurtheilung.
Dieses Zapfenfragment bat grosse Aehnlichkeit mit Fig. 10 auf Taf. XLIX.
in Reuss Verst. d. böhm. Kreideg., welche uns das Bild eines Vorkommens des
PlĂ€nersandstein von Trziblitz in Böhmen giebt, das Cor da fĂŒr den Quer-
bruch eines Zapfens von Zamites familiÀr is Cor da hielt.
Stehen nun auch bei unserrn Fragmente die Schuppen nicht so regelmÀs-
sig um die Bhachis , was wohl die Folge einer starken Quetschung und dabei
unausbleiblichen V erschiebung der Theile ist , erscheint auch an unserrn Exem-
plare die Bhachis nicht so stark, als dort, erblicken wir doch die Schuppen eben
so stielartig verlÀngert, wie bei jenem, mit eben solchen Falten und einer glei-
chen randbildenden Kappe versehen.
Bei genauer Betrachtung gewahren wir, dass an unsrer Fig. 5 ausser vier
mit Quasi-Stielen versehenen Schuppen , noch neben und unter denselben Kap-
pen anderer Schuppen sichtbar werden. WĂ€re das unser Zapfenfragment tragende
SchieferthonplÀttchen nicht so zerbrechlich , hÀtten wir es gewagt , ein wenig
\
nachzugraben , und gewiss wÀren dadurch noch mehrere Schuppen sichtbar ge-
worden .
Herr Professor Göppert war so gĂŒtig, uns einen mĂ€nnlichen BlĂŒthenkolben
der noch lebenden Cycadee , Lncephalartos horridus Lehm. zur Ansicht zu sen-
den, und wir geben dessen Querbruch abgebildet auf unsrer Taf. V. Fig. 6.
Sind nun die da ersichtlichen Fruchtschuppen den unsrigen auch nicht
Ă€hnlich, zeigen sie uns doch die Stellung der Fruchtschuppen um ihre Bhachis
und wie sich die Carpidien der Cycadeen-TiWpien an ihrem Ausgange zu einer
Art Kappe verdicken.
Professor Göppert erwÀhnt schon in seiner Monographie der fossilen
Cycadeen Schlesiens 1843 mit Bedauern , dass die fossilen Cycadeen-Zap-
39
fen immer zerstreut unter Pterophyllum - Wedeln verkÀmen, und sich demnach
nicht mit Bestimmtheit ihre Abstammung von dieser oder jener Cycadeen-
Gattung nachweisen lasse, und leider tritt dieser Umstand auch bei uns ein.
denn auch wir fanden unser Zapfenfragment in unmittelbarer NĂ€he obiger Pte-
rophyllum-W edel .
( OM FE ICE.
âą
Unter den fossilen vegetabilischen Besten von Dicotyledonen sind wohl
ohnstreitig die Coniferen am stÀrksten vertreten, kein Wunder demnach, dass
sich auch viele Beste von ihnen in der Kreideformation auffinden.
Ohnstreitig stammen die meisten als Steinkerne erscheinenden Holzreste
des sÀchsischen Quadergebirges auch von Coniferen ab, diese Ansicht hatte schon
Corda, wie wir bereits im 1. Hefte, Seite 14 erwÀhnten, und es lÀsst diess ihr
Aeusseres auch vermuthen.
V
GenĂŒgt aber dem grĂŒndlichen Forscher diese Vermuthung nicht, wie soll
er sich Gewissheit verschaffen?
Professor Göppert sagt in seiner Schrift , Fossile Pflanzenreste des
Eisensandes von Aachen 1841:
»Wolle man fossile Holzreste gewisser Geschlechter genau bestimmen,
» könne man ihr Geschlecht, Gattung und Art nur dadurch ergrĂŒn-
» den , wenn man comparative anatomische Untersuchungen ihrer
»erhaltenen GefÀsse mit denen noch lebender Àhnlicher Flölzer
4
» anstellte «.
»Um diess zu ermöglichen, seien drei Schnitte, nÀmlich ein Querschnitt,
»ein BindenlÀngsschnitt und ein KernlÀngsschnitt erforderlich«.
Ganz natĂŒrlich kann dieses untrĂŒgliche Verfahren aber nur bei solchen
fossilen Hölzern angewendet werden, an und in welchen sich noch ehemalige
GefĂ€sse mit Steinmasse erfĂŒllt erhalten haben , oder, richtiger gesagt , wo an die
Stelle der ehemaligen GefÀsse Steinmasse trat, und sich so abzeichnete , dass die
ehemalige GefÀss-Form und Beschaffenheit noch deutlich erkennbar ist.
40
Höchst selten nur findet sich das an den fossilen StÀmmen des Quaderge-
birges, da ihre innern GefĂ€sse durch Inundation schon hinausgespĂŒlt waren, ehe
der Quadersand ihre noch erhaltene Rinde erfĂŒllte.
Sie zeigen uns gewöhnlich nur den Abdruck der innern Structur ihrer ehe-
maligen Rinde und die Form eines die Rinde durchbohrenden Astes.
Diess erschwert nicht nur den Vergleich mit noch lebenden Hölzern, son-
dern macht meistens ihre genaue Bestimmung geradezu unmöglich .
Prof. Göppert nimmt bei den Coniferen vier Formen an, nÀmlich
die Pinus- Form,
die Araucarien - F orm ,
die Taxus - Form,
die Ephedra- Form.
Ist man nun auch durch characterisirende Steinkerne auf die Vermuthung
gebracht worden, es könnten Reste von Coniferen ĂŒberhaupt sein, wie soll man
bei dem gÀnzlichen Mangel aller innern erkennbaren GefÀsse , bei fehlender
Rinde, ohne sich zeigende Nadeln und FrĂŒchte unterscheiden, welcher dieser
vier Formen die Reste wohl angehört haben könnten?
Es ist rein unmöglich , da alle Quer- und LÀngsschnitte nichts als Sand-
steinmasse erblicken lassen , man muss sich demnach begnĂŒgen , diese Reste als
vermeintliche Coniferen- StĂ€mme anzufĂŒhren. So geht es auch jetzt uns.
Wahrscheinlich ist der aus dem Schieferthone des untern Quader von
Paulsdorf bei Dippolds walde stammende Holzrest, welcher sich auf unsrer
laf. VI. unter Fig. 3 ganz getreu abgebildet befindet, der fossile Rest einer
Conifere.
Vergleichen wir ihn mit einem entrindeten Stamm von unsrer Pinus syl-
vestris , mĂŒssen wir auch zwischen beiden eine grosse Ă€ussere Aehnlichkeit
finden.
MerkwĂŒrdig an ihm erscheint die sternförmige Zeichnung im Mittelpuncte
seines Astes , doch kann diese leicht durch das Aufreissen der ehemaligen Holz-
masse im Aste erzeugt worden sein.
Zu derselben Gattung und Art gehören ohnstreitig auch die mit dem eben
erwÀhnten Stammtheile in Paulsdorf aufgefundenen kleineren Reste, Taf.VIII.
Fig. 12 und 13.
\'
I
41
Die Stellung der LÀngsgefÀsse ihrer ehemaligen Rinde , welche uns diese
Steinkerne sehen lassen , so wie der Habitus ihrer AstansÀtze machen auch sie
entrindetem Kiefernholz gleicher StÀrke Àhnlich. Hier und da haben sie noch
Spuren einer kohligen Rinde.
Cupressinese.
Arbores saepius excelsae vel frutices ramosissimi , ramis plerumque sparsis. Folia op-
posita , verticillata vel sparsa, perennantia, rigida, anguste-linearia , parva, saepius seriatim
imbricata.
Flores amentacei monoici vel dioici. Fructus squamis carnoso-incrassatis, vel lignoso-
induratis , drupaceus vel strobilaceus , squamis plus minus inter se connatis vel arcte reclusis
maturitate saepius ad suturas debiscentibus. Unger, syn. pl. foss. p. 188 .
Cupressinea insignis Geinitz.
HĂ€ufig gabelnde dĂŒnne Aeste mit kleinen, anliegenden pfriemen-
förmigen BlÀttern besetzt, mit achselstÀndigen Zapfen, welche etwa
doppelt so lang, als breit sind. Geinitz , Charact. p. 89.
Ehe man noch von dieser netten, im Schieferthone des untern Quader von
Niederschöna bei Freiberg aufgefundenen Conifere die FruchtkÀtzchen und
Zapfen kannte, wurde sie sehr verschieden gestellt und benannt.
Sternberg fĂŒhrte sie als Bergeria minuta auf, und zĂ€hlte sie demnach zu
den Lepidodendreen , Reich nannte sie Lgcopodites insignis, RossmÀssler , Lyco-
podium strobiliferum , und unter Conites wurde ihr FruchtkÀtzchen in Bronns
Lethaea beschrieben und abgebildet.
Wir fĂŒhren den geehrten Lesern auf unsrer Taf. VIII. Zweige, Zapfen
und FruchtkĂ€tzchen vor, wodurch wohl alle Zweifel schwinden dĂŒrften, ob die-
ses nette fossile GewÀchs von unserm genialen Professor Geinitz auch richtig be-
stimmt wurde.
Da unsre eigenen Exemplare nicht alle ganz deutlich sind , machte es uns
grosse Freude, durch die GĂŒte des Herrn Prof. Bernhard Cotta in den Stand
gesetzt zu sein, einige ganz getreue C on touren von herrlichen Zweigen aus der
ehemaligen Sammlung seines verstorbenen Herrn Vaters, die sich jetzt in Ber-
lin befindet, dem palÀontologischen Publicum liefern zu können. Es sind die
Fig. 1 und 2 auf Taf. VIII. Sie zeigen uns nicht nur ihre BlÀtter oder Nadeln
6
42
in natĂŒrlichem Zustande, sondern auch unter b vergrössert. Fig. 1 lĂ€sst uns
auch noch ein FrachtkÀtzchen sehen.
Die Figuren 3, 4, 5 sind nach Exemplaren aus unsrer Sammlung gezeich-
net, welche ebenfalls im Nieder schön aer Schieferthone gefunden wurden.
Fig. 3 giebt uns einen Zapfen , Fig. 4 ein FruchtkÀtzchen , Fig. 5 Feste
eines solchen , da Theile davon abgefallen sind , andre , so wie Fragmente der
Fhachis verkohlt erscheinen.
ABIETINEiE.
Ciiniiingâhamites Sternberg*.
Ramuli teretes vel angulati. Folia apira composita digesta, sessilia, lineari â lanceolata,
parallelinervia v. costata.
Cuniimghamites oxyeedrus Presl.
Die dicht um den StÀngel vertheilten, etwas herablaufenden BlÀt-
ter sind linienlanzettförmig, an der Basis etwas verengert, oben etwa
3 A" lang, fast eben und in eine feine Spitze verlaufend, mit 5 LĂ€ngs-
linien bedeckt. Geinitz , Charact. S. 97.
Dieses schöne Nadelholz der Vorwelt wurde ebenfalls dem Schieferthone
des untern Quader von Niederschöna bei Freiberg entnommen.
Auch bei diesem Vorkommen macht es uns die grosse GefÀlligkeit des
Hen âąn Professor Cotta möglich, die Copie von Zeichnungen seiner Hand eines
ausgezeichneten Zweiges und einiger Zapfen zu geben.
Taf. VIII. Fig. 8 zeigt ihn uns und unter b , c, d sehen wir einzelne Theile
desselben vergrössert.
Fig. 6 giebt uns mehrere Zapfen, theils ganz, theils angebrochen, wo-
durch die Rhachis sichtbar wird ; b stellt uns eine vergrösserte Schuppe vor.
Die Zeichnungen beider Figuren sind vom Herrn Professor Cotta selbst
nach Exemplaren aus der Sammlung seines verstorbenen Herrn Vaters, welche
sich jetzt im Berliner Museum befindet, gefertigt.
Fig. 7 ist das Conterfei eines Aestchens nebst Zapfen aus unsrer Sammlung.
43
Ist dieser Zapfen auch etwas kleiner, als die unter Fi g. 6 ersichtlichen, ist
die Form seiner Schuppen doch ganz dieselbe wie hei den Zapfen unter Fig. 6.
Es ist ein sehr vollstĂ€ndiges Exemplar , und bĂŒrgt fĂŒr seine Abstammung
von Cunninghamites oxycedrus einmal durch den daneben befindlichen Zweig,
vom welchem er abgebrochen zu sein scheint , und dann durch die unmittelbar
an seinen Seiten erscheinenden Nadeln.
Cimniiighamites Mantel! i Geinitz.
BlÀtter linealisch, lang und schmal, bei 12'" LÀnge nahe an der
Basis 2 / 3 "' breit, an der Basis kaum verengt, mit fast parallelem Bande.
Geinitz , Quadersandsteingeb. in D. S. 274.
N *
Es erschien bis jetzt diese Art in Sachsen nur in dem PlÀnerkalk von
Strehlen bei Dresden.
Besitzen wir davon auch kein ausgezeichnetes Exemplar , liessen wir es
doch, um keine LĂŒcke zu lassen, auf Taf. VIII. unter Fig. 9 abbilden.
Nach Geinitz ist dasselbe identisch mit MantelVs Pinus- Nadeln. G. S.
p. 157. tab. 9. fig. 2, 12.
S t r o b i 1 i.
Im Schieferthone des untern Quader von Paulsdorf bei Dippolds-
walde fanden wir den auf Taf. VIII. Fig. 11 abgebildeten fossilen Körper,
welchen nicht nur seine Form, sondern auch die ihn umgebende, feine kohlige
Substanz als Frucht irgend eines GewÀchses erscheinen lÀsst.
Ist er leider nun auch schlecht erhalten , zeigen sich auf ihm doch quer-
gestellte , fast trapezoide Erhabenheiten , welche den Schuppen von Coniferen-
Zapfen gleichen.
Wollen wir zwischen unserm fossilen Körper und einer etwa Àhnlichen
Abbildung einen Vergleich anstellen, so könnten wir diess nur mit Fig. 17.
Taf. LIV. d. Nov. Act. Leop. Vol. XIX. P. II. thun. Es zeigt uns dieselbe
ein Vorkommen des Eisensandes von Aachen, welches der Imdeutlichkeit
wegen Göppert nicht nÀher bestimmte.
In den Schieferthonschichten von Niederschöna bei Freiberg fand
sich auch ein circa 5" langer Zapfen , welcher in die ehemalige
Cotta sehe Sammlung kam und sich jetzt im Berliner Museum befindet.
G*
44
Nach einer Handzeichnung von Prof. Bernhard Cotta Hessen wir ihn auf
Taf. VIII. Fig. 10 abbilden.
Ohnstreitig gehört er »einer grossem und stÀrkern Coniferen-Axt , als der
eben angefĂŒhrten, an, doch sind uns von Niederschöna keine andern Coni-
feren -Beste, als die genannten bekannt.
Vergleichen wir seine Schuppen mit denen der Zapfen von Pinus abies der
Jetztwelt, findet sich zwischen beiden einige Aehnlichkeit.
PEOTEACEAE.
Reichenbach sagt von den lebenden Proteaceen in seinem Handbuch des
natĂŒrlichen Pflanzensystems S. 169:
Frucht, Nuss oder FlĂŒgelfrucht einsaamig, oder zweifĂ€chrige , zwei-
reihig vielsaamige Balgkapsel ;
BlÀtter, lederartig, die lederartigen finden sich meist ganzrandig, lÀng-
lich und rundlich, nadelartig oder flach u. s. w. ;
BlĂŒthenstand beginnt in ZapfenĂ€hren, Dolden trauben , wird bei re-
gelmĂ€ssiger BlĂŒthe achselstĂ€ndig. DeckblĂ€tter werden bei einigen
zu harten Schuppen, bilden Zapfen.
Abermals in dem Schieferthone des untern Quader von Pauls dorf bei
Dippoldswalde fanden wir mehrere grosse Phylliten, welche nicht nur mit
mehrern BlattabdrĂŒcken von Niederschöna bei Freiberg, sondern auch mit
denen, welche man im untern Quader von Perutz in Böhmen fand, und welche
Reuss Taf. L. Fig. 6, 7, 8, 9 abbildete, identisch zu sein scheinen.
Corda in Reuss sagt nun von diesen zuletztgenannten BlattabdrĂŒcken :
» Sein Freund Reuss habe sie Salix macrophylla genannt , er könne sie
»nur, wolle er einen poetischen Vergleich machen, etwa von einer
»dickblÀttrigen Proteacea herleiten«.
Es fragte sich nun, ob diese Phylliten von drei verschiedenen Fundorten,
doch alle aus, in den untern Quader eingelagerten, Schieferthonschichten , nach
Corda von Proteaceen , oder nach Reuss von Amentaceen abzuleiten seien?
45
Fi g. 1 auf unsrer Taf. IX. zeigt uns diese BlÀtter aus Paulsdorf bei
Dippoldswalde, und Fig. 4 derselben Tafel ein Exemplar davon aus Nie-
derschöna bei Freiberg.
Das gelungene Spalten des SchieferthontÀfelchen, welches unter Fig. 1
bildlich wiedergegeben ist , gab ' uns aber auch ausser den BlÀttern , wovon wir
einzelne noch mehrere besitzen , einen mit dem ersten Blatte zusammenhÀngen-
den StÀngel, oben mit einer Frucht versehen, zur Ansicht.
Schon mit unbewaffnetem Auge erkennt man an dieser kleinen kapsel-
Ă€hnlichen Frucht eine gewisse Ab- und Eintheilung in derselben, durch die
Loupe aber sieht man ganz deutlich,
dass sie durch eine Scheidewand in zwei gleiche HĂ€lften getheilt ist,
und dass in jeder HÀlfte sich vier Saamenhöhlen befinden.
Wir sehen neben der Fig. 1 bei a das Bild der Frucht vom Gegendruck,
bei b die Frucht des TÀfelchen selbst etwas vergrössert im Contour.
Die BlĂ€tter auf unsrer Fig. 1 sind etwas dunkler gefĂ€rbt, als die ĂŒbrige
Schieferthonmasse, ebenso die auf diesem TÀfelchen ersichtlichen zwei StÀngel,
an dem FrĂŒchtchen aber findet sich noch etwas kohlige Substanz.
Diese BlattabdrĂŒcke von Perutz sowohl, als von Pauls dorf und Nie-
derschöna zeigen alle ausser dem Haupt- oder Mittelnerven keine Spur von
andern Nerven. Ihre Stiele waren im VerhÀltniss zum nicht zu breiten Blatte
ein wenig stark und nicht zu lang.
Im obern Theile des durch Fig. 1 wiedergegebenen TĂ€felchen zeigt sich
der Abdruck eines einer BlĂŒthe nicht unĂ€hnlichen Gegenstandes. Es erscheint
als eine kelchĂ€hnliche , sich oben erweiternde BlĂŒthe , und , tĂ€uschten wir uns
nicht, bemerkten wir durch die Loupe , ebenso wie der Zeichner , ein aus ihrem
Kelchschlunde hervortretendes Pistill.
Unter c neben Fig. 1 ist die vergrösserte , vermeintliche BlĂŒthe im Con-
tour zu sehen.
Es mag diess aber nun eine BlĂŒthe sein oder nicht, es mag dieselbe auch
in keiner Verbindung zu den dort befindlichen BlÀttern stehn, veranlasst uns
doch die Form und Beschaffenheit der Frucht, uns hinsichtlich dieser Phylliten
der Ansicht Cordas anzuschliessen, da dieselbe wohl eher einer Proteacea, als
einer Amentacea gehört haben dĂŒrfte.
46
Denn, obgleich ausser dem deutlichen , bis zur Blattspitze gehenden Mit-
telnerv die ĂŒbrige Nervenverzweigung nicht erkennbar ist, haben doch unsre
Phylliten ihrer allgemeinen Gestalt und Form nach eine grosse Aehnlichkeit mit
Conospermum macrophyllum v. Ettinghausen aus den Eocen- Floren von Sotzka
in Untersteiermark und von Sagor in Krain. 'Sollte nun unsre Frucht der uns
unbekannten Frucht der Gattung Conospermum entsprechend sein, wĂŒrden wir
VorschlĂ€gen , fĂŒr unsre Phylliten die Bezeichnung Conospermum cretosum an-
zunehmen. .
Wir haben nun noch andrer Eroteaceen- Beste aus der Quaderepoche Er-
wÀhnung zu thun, welche bereits von v. Ettinghausen bestimmt und Banksia
prototypos genannt wurden.
Fig. 2. Taf. IX. zeigt uns die Contouren zweier dergleichen BlattabdrĂŒcke
aus Niederschöna bei Freiberg, deren Originale sich jetzt im Museum zu
Berlin befinden, Fig. 3 giebt uns aber die Abbildung dergleichen AbdrĂŒcke aus
Paulsdorf bei Dippoldswalde.
Eine genauere Beschreibung von Banksia prototypos findet sich in: »Die
Proteaceen der Vorwelt von Dr. Const. v. Ettinghausen, S. 24.«
TĂ€uschten wir uns nicht zu sehr, glauben wir, auch BlattabdrĂŒcke von
Helicia- Arten sowohl in Niederschöna, als in Paulsdorf gefunden zu
haben, wir mĂŒssen uns aber mit dem blossen ErwĂ€hnen unsrer Vermuthung
begnĂŒgen , da die kleinen vorliegenden Fragmente alles nĂ€here Eingehen auf
ihre frĂŒhere Abstammung unmöglich machen, obschon die Nervatur derselben
sehr gut einer Helicia, z. B. Helicia sotzkiana v. Ettinghausen entspricht.
DILLENIEAE.
Nach Beichenbach , Oken und a. Aut. haben diese GewÀchse meist leder-
artige, verschieden geformte BlÀtter ; bei mehrern Arten sind die BlÀtter span-
nenlang, handbreit, etwas gekerbt, breitlanzettförmig, mitunter mit durchschei-
nenden OeldrĂŒsen.
47
Cor da fand Aehnlichkeit mit dem Blattabdruck aus dem untern Quader
von Perutz in Böhmen, welcher in Reuss Taf. L. Fig. 10 abgebildet ist, und
den BlÀttern mancher Dilleniaceen.
Einzig dieser AutoritÀt folgend , glauben auch wir , es könnten vielleicht
die BlattabdrĂŒcke aus Paulsdorf bei Dippoldswalde, welche auf unsrer
Taf. IX. durch die Figuren 5, 6 und 7 dargestellt sind, und eine grosse Aehn-
lichkeit mit dem erwÀhnten Blattabdrucke aus Perutz haben, ihre Entstehung
einer Rilleniacee verdanken.
Unsre BlÀtter scheinen sehr dick gewesen zu sein, waren kurz gestielt,
zeigen ausser dem Hauptnerven noch aus diesem gehende, scheinbar abwech-
selnde Nervenzweige; ihr Band war dem Ansehen nach etwas ausgebuchtet,
und sie hatten ohnstreitig bei einer Breite von 1 Vg bis 2" 9 bis 10" LĂ€nge.
Die vielen auf ihnen sichtbaren kleinen Erhöhungen könnten vielleicht
von starken OeldrĂŒsen hergeleitet werden; eben so gut können sie aber auch
durch Blattpilze oder durch Insectenstiche erzeugt worden sein.
Jedenfalls waren sie aber hier zu erwÀhnen, da es ohnstreitig keine zufÀl-
ligen Erscheinungen sein dĂŒrften.
JULIFLOR AE DUBIAE.
Credneria Zenker.
BlÀtter verkehrt eiförmig, an der Basis etwas herzförmig ausge-
schnitten, gestielt, die Seiten nerven von vierfacher Art, die untersten
von der geraden Hauptrippe ausgehenden unter rechtem, die folgenden
und wieder ihre Nebennerven unter Winkeln von 75° â 45°, endlich die
letzten wieder ins Parenchym gehenden V erz weigungen wieder fast
unter rechtem Winkel abtretend. Bronrts Leth., III. Aufl. B. \. S. 55.
Der Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippolds-
walde lieferte mehrere BlattabdrĂŒcke, welche wohl ohne alles Bedenken zu
Credneria gestellt werden können, wie aus den Fig. 8, 9 u. 10 unsrer Taf. IX.
ersichtlich ist.
48
Leider sind es nur Blattfragmente, und es ist ihre Nerven Verzweigung so
wenig und so undeutlich wahrzunehmen, dass man sich begnĂŒgen muss, sie
generell zu Credneria zu stellen.
Eben so wenig lÀsst sich an ihnen die Beschaffenheit des Blattrandes er-
kennen, wesshalb es ungewiss bleibt, welcher von den beiden zu Niederschöna
vorgekommenen Arten sie zuzuzÀhlen sind.
Bei Fig. 8 scheinen sich zwei Blattfragmente in der Mitte zu decken, oder
das dort befindliche Blatt hatte in der Mitte bereits eine Falte, ehe es im Schlamme
vergraben wurde.
Die Fig. 10 scheint sich mehr zu Credneria cuneifolia Bronn hinzuneigen,
da ihr Band auf der linken Seite fast gerade gewesen sein muss.
In dem Schieferthone des untern Quader von Paulsdorf bei Dippolds-
walde fanden sich noch verschiedene Fragmente von StÀngeln und BlÀttern,
welche, so undeutlich sie auch sind, doch hinlÀnglich durch ihre Gestaltung be-
weisen, dass sie zu allen den vorstehenden Gattungen und Arten nicht gehören.
Vielleicht gelingt es uns , noch besser erhaltene und besser characterisirende
Exemplare spÀter aufzufinden.
i
Beschreibung* der Abbildungen.
Alle auf folgenden neun Doppeltafeln abgebildeten Fossilien befinden sich
in der Sammlung des Verfassers, mit alleiniger Ausnahme derjenigen, bei wel-
chen ein andrer Aufbewahrungsort angegeben ist.
Ebenso sind alle GegenstĂ€nde als in natĂŒrlicher Grösse gezeichnet anzu-
nehmen, wenn nicht eine VergröĂerung oder Verkleinerung ausdrĂŒcklich be-
merkt ist.
Tafel I.
âą
Fig. 1. Halyserites Reiclii Sternberg , aus dem Schieferthon des un-
tern Quader von Paulsdorf bei Dippolds walde.
Fig. 2. Keckfa aimulata Glocker , Grundzweig mit Basis, aus dem
untern Quader von Malter bei D ip pol ds walde.
Fig. 3. Heckia aiiiiulata Glocker , ungedrĂŒckter, noch cylindrischer
Zweig, ebendaher ;
a. Querschnitt desselben.
Fig. 4. Heckia cylindrica E. v. Otto , aus dem untern Quader von
Wendischcarsdorf bei Dippoldswalde.
Fig. 5. Keckia cylindrica E. v. Otto , ebendaher.
Fig. 6. RjCssoBtia aiigustllblia., */« verkleinert, noch lebend in der
Magellan strasse. Das Original besitzt Herr Prof. Dr . Göppert
in Breslau.
7
V 4
50
Tafel II.
Kg. 1 âą KecfcSa cylindrica JE. v. Otto , aus dem untern Quader von
W endi s c hc ar s do r f bei D ipp olds wal de.
Fig. 2. Cliondrftes furcillatn§ j Römer, aus dem PlÀnersandstein von
Goppeln bei Dresden.
>
Fig. 3. Ciiondritcs âą aus dem untern Quader von Wendische ars-
d o r f bei Dippoldswalde.
Fig. 4. Astei'osoma radici fo r m e E. v. Otto, aus dem obern Qua-
der der Gegend um Königstein.
Tafel III.
Fig. J. Aster osoma radicf forme E. v. Otto, aus dem obern Qua-
der der Gegend um Königstein. Dem Königlichen Minera-
liencabinet in Dresden gehörig.
a. Ein jĂŒngeres Exemplar.
Fig. 2. Asterosoma radieiforme E. v. Otto, ebendaher. Eigen-
thum des Museum der Königlichen Bergacademie zu E rei-
be rg.
Tafel IV.
Eig. 1. Spliaerococcites striolatiis Sternberg, aus dem untern Qua-
der von Malter bei Dippoldswalde.
FĂŒg. 2. Khizoma von Arundiiiites âWolilfartlii E . v. Otto , aus dem
Schieferthon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippolds-
walde.
Fig. 3 u. 4. Stammreste, Syringodendron Àhnlich, aus dem Schieferthon
des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldswalde.
FĂŒg. 5. Carpolites , aus dem Schieferthon des untern Quader von Pauls-
dbrf bei Dippoldswalde.
Fig. 6 . Fruchtschalenrest (? ) ebendaher.
Eig. 7. Spongia Ottoi Geinitz, Gegendruck, aus dem untern Quader
von Wendischcarsdorf bei Dippoldswalde.
51
Tafel V.
Fig. 1. Cycadeen- Stamm (?) , Ve der natĂŒrlichen Grösse, aus den thonigen
Sandsteinschichten des untern Quader von Paulsdorf bei Dip-
poldswalde.
Fig. 2. Querschnitt desselben in natĂŒrlicher Grösse.
Fig. 3 n. 4. IPteropliyllum Germail E. v. Otto, aus dem Schiefer -
thon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldswalde.
Fig. 5. Samlostrolnis, Querbruch des Zapfens, aus dem Schieferthon
des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldswalde.
Fig. 6. Querbruch des mĂ€nnlichen BlĂŒthenkolbens der noch lebenden
Cycadee , Etaceplialartos liorrldus Lehmann. Eigenthum
des Herrn Prof. Dr. Göppert in Breslau.
Fig. 7. StammstĂŒck, vielleicht von einem Farren? aus dem Schiefer-
thon des untern Quader von Paulsdorf bei Dippoldswalde.
Tafel VI.
Fig. 1. Baumstamm mit merkwĂŒrdigen Bildungen, p 4 der natĂŒrlichen
Grösse, aus dem untern Quader von Paulsdorf bei Dip pol ds-
w aide.
Fig. 2. Palmenstarnm (?) */ 3 der natĂŒrlichen Grösse, ebendaher.
Fig. 3. Coniferenholz, natĂŒrliche Grösse, aus dem Schieferthon des untern
Quader von Paulsdorf hei Dippoldswalde.
Tafel VI I.
1 A
Fig. 1. Aruiidiiittes Wofilf'artlii E. v. Otto, Schaft mit BlÀttern,
aus dem untern Quader von Paulsdorf hei D i p p o 1 d s w a 1 d e .
Fig. 2. Dasselbe, Schaft, ebendaher.
Fig. 3. Dasselbe, Schaft, hohl, ebendaher.
* Fig. 4. Dasselbe, Schaft mit BlÀttern, ebendaher.
Fig. 5. Dasselbe, Schaft, ebendaher.
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